sorgfältigkeit,
f. ,
zu sorgfältig,
mhd. sorcvelticheit Lexer
mhd. handwb. 2, 1057,
mnd. sorchvoldicheit Schiller-Lübben 4, 294
a,
in glossaren des ausgehenden mittelalters sorchvoldicheit, sorfeltigkeit,
anxietas. Dief. 39
b, sorgfeldekeit, -feltigkeit, -felligheit, -vellikeit, -voldicheyt, tzoergveldicheit,
solicitudo. 541
a,
später hd. sorgfeltigkeyt Dasypodius, sorgfeltigkeit, sorgfaltigkeit Maaler 377
c, sorgfältigkeit Hulsius (1616) 300
b. Corvinus
fons latinit. 1 (1660), 613
b. Stieler
nachsch. 28
a. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 843
a. Frisch 2, 288
b. Adelung,
noch bei Campe,
der es von sorgfalt als '
anwendung der sorgfalt'
zu unterscheiden sucht, heute veraltet. vgl. sorgfalt. 11)
im sinne von sorgfältig 1,
a anxietas, solicitudo. Dief. (
s. oben). Dasypodius. Maaler 377
c. Dentzler 2, 267
a,
anxietudo Stieler
nachsch. 28
a: ich rote úch usser göttelicher minne daʒ ir ... lont úch gotte und getruwent gotte und sinen frúnden one uwere sorgveltikeit. Nicolaus v. Basel 293; alle sorchveldicheit werpet in en (
gott), wan he sorget vor in.
quelle des 14.
jahrh. bei Schiller-Lübben 4, 294
a; besorgen wir, das villicht euer kayserlich mayestatt durch ungleich furhalten der, die unns nit bessers gönnen, zuo ungnädigem furnemen wider unns bewegt seye. sollich sorgfälltigkait wir unns dennoch nit wännden lassen.
d. städtechron. 22, 441, 6 (
Augsburg, v. 1478); dem thet der buer also, und uberschluog das mit seiner huszfrawen, und kunt doch nit grüntlich zal ires eelichen stats dem pfarrer anzeigen, und kamen beid mit grosser sorgfeltigkeit zuom pfarrer in umb irer unwirdikeit willen, guoten rat zuo den dingen zuo geben.
Eulensp. 105 (67.
hist.)
neudr.; waʒ ist armut? ... der sorgen ein vorterblichkeit, ein werg ane sorgveldikeit (
sine sollicitudine felicitas).
Secundus (Haupts
zeitschr. 22, 397
b) 476; dein sorgfältigkeit nit sehr prob (
sed te anxium nimis esse et sollicitum haud probo). Frischlin
Rebecca 202.
mit sinnverwandten ausdrücken verbunden: dat volk wart gevriet van der vorchte ind soirchfeldicheit.
d. städtechron. 14, 497, 35 (
Cöln, v. 1499); man sol die sorg hinwerffen, aber nit die arbeit, man sol angstbarkeit und sorgfeltikeit hinwerffen aber die werck wyrcken ist recht. Keisersberg
emeis (1517) 71
d; sorgfeltigkeit, forcht und söllich zufell. Fries
spiegel d. artznei (1518) 25
a bei Schmidt
els. wb. 330
a; sorgfeltigkeit und traurigkeit des gemüts. 62
b; ich (
die feldmaus) wil widerkeren zuo meinen wälden, bergen und schlechter narung, und lieber in sicherheit arm, denn in der aller grösten reichthumb mit sorgfeltigkeit und angst allhie läben. Kirchhof
wendunm. 1, 77
Österley; spech (
kundschaft, verdacht) oder sorgfeltigkait.
tir. weisth. 4, 702, 17. 728, 15 (
s. unten); fort schwermuht und sorgfältigkeit. Weckherlin 477.
mit objectivem gen. zur bezeichnung dessen, wofür man besorgt ist: (
Christus) verbütet alle sorgveltikeit zergenglicher dinge. Tauler
bei Schmidt
els. wb. 329
b (
an 3
rührend); darumben wir auch nit allain täglich, sonnder allstundt in sorgfelltigkheit unnsers lebens eer und guets gegen jn (
die Türken) steen.
urkunden z. gesch. Max. I. 307;
aber auch zur bezeichnung dessen, was man fürchtet: doch das in derselben zeit gegen den Venedigern oder anstossende kain spech oder sorgfeltigkait ainiches kriegs verhanden sei.
tir. weisth. 4, 728, 15 (16.
jahrh.).
durch präpositionale verbindungen näher bestimmt: Christus verbeut allen raach und sorgkfeltigkeyt, auff den zuokünfftigen tag, will das wir disz wie alles vom himmel täglich gewertig seien, in aller langmut. Franck
kriegb. d. frides 54
b; doch allzeit mit disem vorbehalt, das auf den confinen von den anstossern, als den Venedigern, kain spech oder sorgfeltigkait sei. 702, 17; Christus hat uns nicht die sorge für den morgigen tag, aber wol die sorgfältigkeit für denselben verbotten. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 843
b.
pluralisch: der läre und löcherige beutel bedeut erstlich die sorgfeltigkeiten, welche das gemüt zerreissen. Albertinus
Lucifers königreich u. seelengejaidt 137, 31
Liliencron; die bettler seyn frey von allen jenen sorgfältigkeiten, von sorgen, ängsten und molestien, mit welchen gar offt die jenige gepeiniget werden, welche haben, was verlohren kan werden. Schuppius 697. 22)
nach 1,
b gefahr, gefährliche lage, sache, bedenklicher vorfall. quelle des 15.
jahrh. bei Schm.
2 2, 326: wer liep hat die sorgfeltikeit, der verdirbt dar jnn.
ad. blätter 1, 62; darumbe nach seiner trewesten mitgenoszen williger mainunge, der rat er pflag, gab sich der kön fürstlich herre herzog Ernst in ain gar schedliche sorgvaltikait seins lebens mit groszer hofnunge, di er hette zuo seiner muoter der kaiserin.
herzog Ernst 296, 9
Bartsch; na dem mal dat he und syne medevorwandten vermiddelst orem eigenem bosem moetwillen ein mortlik und vorretlik vornehmen upgesatt tigen uns, unnse forstendom und stad to Brunswig und in gemelter stad in sunte Auctors dage eynen uplop und sorghvoldigheit to maken.
d. städtechron. 16, 529, 38 (
Braunschweig, v. 1503);
so oder nach 1: szo man dan ausz des bischoffs anczeigen vormargktt, das vorzugk hyrinnen wolt vorgewandt werden und die sorgfeldigkeytt des auffrurs stehen bleiben.
quelle v. 1522
bei Dief.-Wülcker 856.
pluralisch: inn betrachtung jetzt schwebender sorgfältigkheiten und geschwinden zeit und läufften.
quelle v. 1538
ebenda. 33)
nach 2,
soing Hulsius (1616) 300
b,
von Kramer 2 (1702), 843
a, Frisch 2, 288
b und Adelung
als gleichbedeutend mit sorgfalt
angeführt, von Campe
als anwendung der sorgfalt davon unterschieden, heute auch in solcher anwendung veraltet. besonders nach 2,
b, fürsorge, bemühung, eifer: nu was der legât vorgeseit, mit grôʒir sorcveldikeit und mit allis vlîʒis craft darûf pflegelîch gehaft. Nic. v. Jeroschin 6806; na dusser tyt begunde he myt groter sorichvoldicheit to ylen na meren arbeyde in den denste des heren.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 294
b; herr Christoffel Langenmantel thut so gantz trewlich mir, das mich sein so grosse sorgfeltigkeit verdreusst. Luther 1, 120
b; lange zeit hette die eull, als ein verwalterin des adlers, under den vögeln das regierampt mit groszer und fleisziger sorgfeltigkeit getragen. Kirchhof
wendunm. 1, 78
Österley; hierumb niemant zu übertragen oder ungleiche partidien oder fortailigkaiten ... fürzunemen, sonder ain gleiche purd zu tragen, mit gueter sorgfeltigkait zu verordnen.
tir. weisth. 2, 70, 35 (
v. 1644); diese in der kirchen mit grossem lob berühmter männer sorgfältigkeit, welche sie mit der wolredner künsten, gleichsam als raub ausz Egypten, zu erbauung des heylwürdigen tabernaculs anwendeten, hat gantz und gar nichts ihre gemüther vor dem antrieb des h. geistes verhindert. Schuppius 724. in eines sorgfältigkeit stehn,
seiner sorge, fürsorge überlassen sein: das denn nach gelegenheit der sachen in erlöbnisse und sorgkfeldigkeit eyns bürgemeisters stehen szall.
d. städtechron. 27, 232, 12 (
Magdeburg, v. 1505).
ein abhängiger gen. kann auch den gegenstand der fürsorge bezeichnen: also nam bischup Anscharius der kerken sorchvoldicheyt uppe sick.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 294
b;
an sorgfältig 2,
a oder 1,
a rührend: dann warumb spricht er, der weg der warheit ist nit fleisz und begir, zeitlich guot oder eer zuo gewinnen, erlangen und besitzen oder aber in sorgfältigkeit diser welt leben? Schade
sat. u. pasqu. 2, 9, 13 (
wo der gen. allerdings auch local gefaszt werden könnte).
gleichen sinn können präpositionale verbindungen haben, die mittelbar oder unmittelbar von sorgfältigkeit
abhängen: unde hadde grote sorchvoldicheit to gades denste.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 294
a; do blickett herfuhr die sorgfeldigkeit gottes vor uns. Luther 14, 347, 19
Weim. ausg. sorgfältigkeit
inhaltlich bestimmt durch einen mit dasz
eingeleiteten satz: aber disse sorgveltikeit gehört den prelaten zuo, das sie sorg tragen für ir underthon fürausz in geistlichen dingen darnach in weltlichen und zytlichen. Keisersberg
narrensch. 63
a.
pluralisch, von einzelnen bemühungen oder pflichten: unter den sorgfeltigkeiten und sorgen, die uns obligen, keren wir die begird unsers gemüts am meisten auff die ding, durch welche alle christgleubige, in diesem heiligen künfftigen jubeljar, den ablas ... deste reichlicher verdienen mü
gen. Luther 3, 92
b.