sonnenblick,
m. blick,
hervorblicken der sonne;
so schon mhd. sunnenblic Lexer
hwb. 2, 1316,
mnd. sunnenblick Schiller-Lübben 6, 276
b. 11)
im eigentlichen sinne, das einmalige hervorblitzen, durchbrechen der sonne, (
schnell schieszender)
sonnenstrahl (
vgl. sonnenblitz): ob gleich zuweilen einige sonnen-blicke umb mittagszeit erscheinen. Fleming
t. jäger 358
a; wie frühlings im acker beim ersten heiszen sonnenscheine nach dem regen. ... wie die sonnenblicke alles fördernd umgehen. Arnim 1, 36; lauter sturm und wetter, abwechselnd ein einzelner sonnenblick. Bettina
briefw. 1, 274; ein heller sonnenblick durch eine öffnung des bogenganges schweifte soeben scharfbeleuchtend über die blühende gestalt. Eichendorff
2 3, 124; da ... ich ... auf die spärlichen bäder und spaziergänge verzicht leisten müszte, die ich mir bei rascher benutzung der seltenen sonnenblicke doch noch erobere. Hebbel (1892) 6, 9; diesz ist ein sonnenblick, der mühsam sich durch eine wolke stiehlt. Weisze
bei Adelung; schieszt ein sonnenblick über feld und knick. Liliencron 8, 116.
sprichw.: ein sonnenblick bringt mehr gras hervor als zehn hagelwetter. Wander 4, 625.
so häufig der erste, letzte sonnenblick: und mit dem letzten sonnenblick entdeckt sie ihn. Wieland 23, 35 (
Ob. 7, 51); bis ... man, beim ersten sonnenblick, ein grünes eiland schaute. Hölty 23
Halm. in anderm sinne: ich hoffe das kühle wetter soll die blüten noch erhalten, und beym ersten sonnenblick hoff ich auf dich. Göthe
briefe 5, 117. —
da sich jetzt blick
zumeist auf den strahl des sehenden auges eingeengt hat, so sind wir geneigt, in sonnenblick
eine übertragung von da aus und mithin eine art personification (
vgl.sonne II, 2,
i. l, γ)
zu sehen, vgl.: sonnen-blick,
m., sguardo cioè raggio, spuntare, aspetto del sole. Kramer
dict. 2, 840
b; sonnenblick. Phöbus warf einen blick auf der schönen schläferin fenster. Uhland
ged. 1, 416
Schmidt. dadurch ist auch die vorstellung des momentanen, flüchtigen in den vordergrund getreten. der ältern sprache ist beides fremd. hier ist blick
einfach glanz, schein (
vgl. das. theil 2, 113
ff.)
und sonnenblick
synonym mit sonnenschein. (
im bilde:) die vinstern tage sint gelegen: uns hât got den sunnenblicfür den morgenstern geben.
Wolfdietrich D viii, 158; sunnen blik heiʒ nâch schûren gerne gât.
minnes. 2, 20
a Hagen. so auch bis zur gegenwart, besonders im sing., doch mit gröszerer oder geringerer annäherung an die obige verwendung, so dasz sich beides nicht streng sondern läszt: sonnenblick,
solis jubar. Stieler 197; da auch ... alle brunnequellen versiegen, und kein sonnenblick mehr auff erden schiene. Mathesius
Sar. 26
a; heut früh war ein sehr schöner sonnenblick. Göthe
br. 5, 45; die jahrszeit drückt mich wie sie und ich meine oft, mit einem heitern sonnenblick müszte es gehen. Schiller
an Göthe nr. 231; wenn es geregnet hat ... und ein sonnenblick die leute verführt in den wald zu spazieren. Freytag
handschr. 2, 273; im herbste werden diese sonnenblicke kürzer und milder. Keller 1, 32; er meint, im andern jahr sollt' es ihm besser glücken, verwechselt (
vertauscht) dünst' und luft mit warmen sonnenblicken. Lichtwer 235; als sonnenblick dem blick entwich, ward ihm nach schlaf und ruhe jach. Rückert
Firdosi 2, 166; und vom frühlingshauch geschaukelt steht in blüthen staud' und strauch, und vom sonnenblick umgaukelt freu'n sie sich und lieben auch. Hoffmann v. Fallersleben
ged.9 149. 22)
häufig in übertragenem gebrauche. 2@aa)
im bilde: Solande liesz sich diese sonnenblicke (
die freundlichkeit der Floramene) erleuchten.
polit. stockf. 247; in den wenigen hellen sonnenblicken meines bisherigen lebens habe ich wenigstens daran gearbeitet. Schiller
br. 3, 247; ist das ein sonnenblick nach einem regentag, dasz einem die bremsen an den kopf fliegen? Ludwig 3, 19; damit bethörten sie denn die jungen Ruechensteiner herren, denen ein ungewohnter sonnenblick aufging. Keller 5, 185; durch die dornen fort sich wühlen, auf zum freien sonnenblicke! Herder 25, 511
Suphan; ein später sonnenblick, doch drum nicht frostger, schuf dies blümchen liebe. Ludwig 4, 301. 2@bb)
mit erklärendem genitiv sonnenblick der liebe, des glücks
u. ähnl.: in einer epoche, wo noch der ausspruch der menge unser schwankendes selbstgefühl lenken musz, wo das warme blut eines jünglings durch den freundlichen sonnenblick des beifalls munterer flieszt. Schiller 3, 529; verbirgt sich je der gnade sonnenblick, sogleich ermattet solch ein wiederglanz. Göthe 9, 297 (
nat. tochter 2, 5); denn mächtig ist des mimen heitre kunst! nicht blosz dem eiteln sonnenblick der gunst will sie die blüthen holder schöpfung bringen. 45, 95; wer bist du, die in meines herzens tiefen, die nie der liebe sonnenblick durchstrahlt, mit unbekannter zaubermacht gegriffen? Grillparzer
5 3, 11; du hast sein junges leben ihm verguldet mit deiner liebe heitrem sonnenblick. Immermann 13, 178
Hempel. anderes: in diesen trüben tagen erheiterte ihn von aussen ein poetischer sonnenblick, aus der dialektspoesie ... Hebels. G. Schwab
Schillers leb. (1841) 616; das unglück ist mein glück, die nacht mein sonnenblick. P. Gerhardt
s. 75, 48
Gödeke; sein schmeichelnd lächeln ist ein kurzer sonnenblick. Uz
s. 97
Sauer. 2@cc)
sonniger, strahlender blick: er ärgerte sich nachher über den schmelzenden sonnenblick der freudigen rührung. J. Paul
Hesp. 3, 69; ist nicht Irmgard ewig mir entflohn? Irmgard, mit den
sonneblicken! Kretschmann
werke 1, 132 (
Rhingulfs klage 1).
bildlich von gott: er will uns machen mut, mit süszen sonnenblicken uns locken und erquicken.
hannov. gesangb. 372, 3.
als dauernde eigenschaft: gott gab ihm (
Schiller) sonnenblick. Schubart 2, 68. 2@dd)
von personen; von Maria: du ein sonnenblik betouwe. Brun v. Schonebeck 328.
von der geliebten: si sunnenblik, si meien schî
n. minnes. 1, 336
a Hagen; was soll ich dir für namen geben? mein trautes herz! mein einz'ges leben! mein sonnenblick! mein seelenstral! Rückert
ges. ged. 1, 377.