sommerlich,
adj. dem sommer gemäsz, eigen, ahd. sumarlîh,
aestivus. Graff 6, 223,
mhd. sumerlich, sümerlich. Lexer
mhd. handwb. 2, 1299,
frühmd. somerlich.
Elis. 3550 (
s. unten 2),
in glossarien des späteren mittelalters (
meist 15.
jahrh.) summer-, sumer-, sümer-, somer-, sommer-, semmirlich, (
adv.:) semmerlichen,
estivus. Dief. 211
a,
später summerlich,
das dem summer dienlich ist,
aestivus, vernans. Maaler 396
a, sommerlich,
estivo, d'està. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 836
b,
aestivalis. Steinbach 2, 603,
aestivus. Frisch 2, 286
a. Adelung,
doch noch in neuerer schriftsprache bisweilen sömmerlich. Musäus
volksm. 3 (1826), 94. Heinse
Ardingh. 1, 127. 2, 281 (
s. unten 1. 8. 9),
ebenso mundartlich (
schweiz.) sömmerlich. Stalder 2, 378
und sūmmerlich.
ebenda. Hunziker 266,
in Ostfriesland der form des subst. sömmer
entsprechend sömmerlik. ten Doornkaat Koolman 3, 257
a.
daneben vereinzelt sommerlicht,
s. das folgende. 11)
bezogen auf stellung, erscheinung, art der gestirne im sommer: daʒ geschicht in dem prâchmônn, der ze næhst nâch dem maien ist, allermaist pei den sumerleichen sünwenden. Megenberg 88, 15; um die zeit der sömmerlichen sonnenwende sah ich bald mehr, bald weniger schwäne auf dem weiher anlangen. Musäus
volksm. 3 (1826), 94; sowohl wann wir beim winternden untergang der Plejaden (um den anfang des novembers) den segnenden feldgöttern, zugleich mit Bacchus und Ceres, durch dankopfer ihre gelübde bezahlen, als wenn wir ihnen beim sommerlichen aufgang der Plejaden (gegen den mai) durch sühnopfer und gelübde die felder zum schutz empfehlen. Voss
Virgils ländl. ged. 1, 270; sommerliche mondenscheibe, deren pracht ich gern beschreibe. Platen 90
a. 22)
auf die witterung, wie sie im sommer zu herrschen pflegt, und ihre wirkungen: summerlicher lufft,
coelum vernans. Maaler 396
a; man macht sich bei uns einen falschen begriff von der sommerlichen ausdorrung der gewächse in heiszen ländern. Stolberg 9, 5; sommerliches wetter. Campe; so froh solltest du sein wie unsre thiere! das springt heute und freuet sich des sommerlichen tages! Gutzkow
ritter vom geiste 9, 9; si leit doch hî ir dankes unmâʒen vil gestankes mit dugentsamer witze in somerlîcher hitze vor der siechen betten.
Elisab. 3550; der sumer wart aber vil sümerlîch und sümerlîcher freuden rîch: er gewan sümerlîche kraft. Lichtenstein 411, 3; ein blatt aus sommerlichen tagen, ich nahm es so im wandern mit, auf dasz es einst mir möchte sagen, wie laut die nachtigall geschlagen, wie grün der wald, den ich durchschritt. Storm
s. w. 8 (1899), 199.
entsprechend adverbial: dô man dem weter moht getrouwen, daʒ eʒ sich sommerlîchen stalt. Ottokar 29810
Seemüller; versteckt im hochgras, sommerlich verdorrt. Heyse 1, 328. 33) die sommerliche zeit,
die warme jahreszeit, die zeit des sommers. Campe: sollte aber gott der allmechtige verhengen, das etwo zu sommerlicher zeit langwüriges regenwetter einfahlete.
tir. weisth. 2, 362, 33 (
v. 1730); von der sumerlichen zît was hitze dâ niht fremde. Konrad v. Würzburg
Engelh. 3032. 44)
von gegenden, wo sommerliches wetter herrscht, wo es sommerlich heisz ist: sumerlîche,
aestiva loca. Graff 6, 223; summerlich ort,
apricus. Dief. 43
b; immer treibt's den vogel wieder in ein sommerliches land. Hoffmann v. Fallersleben
ged.9 109;
vgl. Stalder 2, 378;
aber auch von landschaften in bezug auf ihr aussehen: das sommerliche land,
mit grünen wiesen, grünen wäldern, kornfeldern u. s. w. 55)
ähnlich der sommerliche wald, die sommerliche flur, der sommerliche garten
u. dgl. adverbial: swie daʒ weter tæte, sô was der wert und der walt alleʒ sumerlîch gestalt.
Lanz. 3982. das sommerliche grün einer wiese, eines baums. 66) sommerliche blumen, früchte
u. dgl.: dien sumerlîchen geuuahsten,
aestivis fructibus. Graff 6, 223. 77)
von thieren, die im sommer leben, im sommer bei uns weilen: wär' ich wie ihr, ihr sommerlichen schwalben, ich wandert' aus von dieser öden heide. Rückert (1841) 95; farbenstäubchen auf der schwinge sommerlicher schmetterlinge flüchtig sind sie, sind vergänglich wie die gaben, die ich bringe. Platen 89
b. 88)
vom verhalten, von empfindungen und äuszerungen der lebewesen im sommer, hinsichtlich des sommers, die dem sommer entsprechen: ich hœre ein vogelîn singen in dem walde sumerlîche wîse. Neidhart 31, 20; dieser geiz steckt tiefer, schlingt verderblicher die wurzeln, als sommerliche lust.
Shakesp. Macb. 4, 3; (
holz) darauff sie (
die biber) dann hernach ihre sommerliche bequemlichkeit haben und manche stunde liegen. Fleming
teutsch. jäger 1, 112
b; sie (
Tizians Venus) ist lauter huld es recht zu machen in reizender sömmerlicher lage. Heinse
Ardingh. 2, 281; sommerliche vergnügungen. Campe; das sommerliche bundesleben ist die luft, die ihre alten nerven stärkt. Keller 6 (1899), 318.
entsprechend adverbial: sie musz den winter auch überstehen, so gern ihr sommerlich zu muthe wäre. Heyse 4, 92; wie sumerlîchen si (
die vögel) die zît enphâhent! sî singent wol ir süeʒen sanc. Haupts
Neidhart 130, 10. 99)
von der kleidung, die dem sommer gemäsz ist: er hatte sie in einem leichten sömmerlichen morgenanzuge vorgestellt. Heinse
Ardingh. 1, 127; sommerliche kleider. Campe;
adverbial: sommerlich gekleidet.
schweiz. auch entsprechend von personen, leicht gekleidet, besonders mit bloszen hemdärmeln. Stalder 2, 378. 1010)
kaum noch von wohnräumen wie ahd.: in sumarlîhero falanzon,
in aestivo coenaculo. Graff 6, 223. 1111)
bisweilen von dem, was jeden sommer geschieht, ohne dasz es besondere beziehung zum sommer hat, besonders in der verbindung allsommerlich,
die meist adverbial gebraucht wird.