Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
SLÎFE
I. intransit. gleite, schlüpfe, falle, bewege mich gleitend oder sinkend.
1. das subject ist ein lebendes wesen.
a. diu nâter diu dâ slîfet Mar. 501 Feif. mir sinkt daʒ houbet unt slîfe mit den vüeʒen MS. H. 3, 225. a. man hôrte lîs ûf den füeʒen slîfen und dar nâch balde springen troj. s. 178. b. setzet die vûʒe ûf einen stein der vaste liget unde nicht walze, ûf daʒ ir niht slîfende werdet biʒ daʒ ir gevechtet und gesiget Leys. pred. 129,34.
b. mit localadverbien. die boume begunden bresten dâ der wurm hin sleif Wigal. 5008 als ich dâ von (von dem schlafe) nider sleif Servat. 2520.
c. mit präpos. diu cenker sleift allzeit an dem rehten steig Megb. 267,18. — swer sehzic jâr ergrîfet und dar ubir slîfet, dem wirt sîn herze betruobit Mart. 124. c. nu hielt der maget winster die amme dô sie nâch ir sleif Albr. 22,403. ûʒ den handen sie im sleif das. 100. b. ir opferganc ist sô kluoc, daʒ si kûm von state slîft Teichn. 221. dâ slîfent von den guoten die übele gemuoten H. zeitschr. 1,461. der engel von himele sleif Servat. 399. daʒ er zuo der planîe sleif troj. s. 259. d. daʒ sie nider sliffen zuo der erde für tôt Mar. 180. ûf den zêhen sleif er hin Nith. H. s. XIII.
d. mit adverbialpräpos. schône umbe slîfen tanzend sich drehen MS. 1,83. b.
2. mit sachlichem subjecte.
a. vil maneger zucker rîfet, der doch mit seneve slîfet mit senf genossen hinunter gleitet Frl. 317,12. dise zwô mûre sint von irdenischer materie, dâ von slîfent sie unde werdent kranc Bert. 365,10. daʒ von unbesihte geistlich gerihte sliffe und nider stige Servat. 379.
b. mit localadverbien. dô daʒ tor her nider sleif Iw. 50. daʒ sîn hâr zu berge hô sleif Albr. 29,338. diu jugent dannen slîfet vergeht Diemer 363,9.
c. mit präpos. der mantel an die erde sleif Lanz. 6049. daʒ ander daʒ slîfet durch die andern darm zetal arzneib. D. 12. ir hant für den mantel sleif Parz. 396,25. — diu klage im ab dem herzen sleif H. zeitschr. 1,440. si machet ab im slîfen gûter werke harte vil Pass. 226, 12. diu hant ir gegen der erde sleif Er. 6061. daʒ swert sleif ûʒ der scheide krone 105. a. von ime begunde slîfen ein vuoʒ daʒ er sich erviel das. 122. a. swer des niht hât, von dem mac manheit slîfen weichen MS. 2,140. a. diu kraft von mir begunde slîfen Had. 347.
d. mit adverbialpräp.mir slîfet abe mir entgeht, ich verliere etwas. diu muode mir abe sleif urst. 125,74. daʒ mir dîn rât iht slîfe abe Barl. 179,36. daʒ ir niene sliffe abe swaʒ ê von wîbes werdekeit zühte was an si geleit g. Gerh. 2752. des gelouben zwîvels schime begonde ime abe slîfen Pass. K. 419,29.
e. slîfen lâʒen. den arm lieʒ er slîfen H. Trist. 754. dâ lieʒ er nider slîfen in die sîten die sporn Rab. 916. lât den stric von iu slîfen Bert. 422,31. — unde læst eʒ alsô slîfen hingehen das. 513,21. — si lieʒen slîfen fahren gar ir habe Lanz. 68. der süeʒen minne smerzen die lieʒ er ûʒ sînem muote slîfen troj. s. 180. d. wir sulen die freude lâʒen slîfen Parz. 488,24.
II. transitiv.
1. mache gleiten. man sol iuch heiʒen slîfen gesab. 3,420. dô man die tenze sleif Nith. 28,6. vgl. oberd. schleifer für walzer.
2. mache schleifend glatt oder scharf. die steine dâ mit man slîfet unde melt Stricker 11,12. sleht geslagen ist schier gesliffen Diut. 1,324. — ich hân daʒ sper gescliffen u. gewetzet Griesh. pred. 2,147. sîn swert ist wol gesliffen Nith. H. LVII, 25. vgl. troj. s. 2. c. 159. c. 191. c. diu mortaxt ist wol gesliffen ze dem êwigen tôde Bert. 135,32. an zenen und an griffen, die wâren gesliffen sêre scharpf unde wahs Trist. 9026. ich sleif mîne zene mit eime steine myst. 210,24. — daʒ gesmîde reine was gesliffen unde wol geveget troj. s. 188. c. ein berille gesliffen alsô dünne gar das. s. 197. a. mit breiten steinen langen von marmel gesliffen krone 248. a. — die hagelkörner sind sinbel, dar umb daʒ si sich sleifent abschleifen durch den luft her ab zuo allen enden Megb. 86,14. — möht ein tôre sîn gehelze slîfen zuo, ê daʒ er solhen schaden tuo Nith. 21,5.