schulsack,
m. 11)
eigentlich sack, beutel, tasche, worin die kinder ihre bücher tragen, wenn sie zur schule gehen Campe,
sacco di scuola, cioè sacchetto, borsa, valigietta da libri etc. Kramer
diction. 2, 681
a,
fiscella Stieler 1658; schul-sack, war eigentlich ein sack, den man vor diesem den kindern an die seite hieng, dasz sie ihre schul-bücher und ihre frühstück darein thun kunten, damit sie nichts so leicht verlohren,
pera scholastica Frisch 2, 232
a; sonderlich als er seinen schuolsack ersucht, fande er den brieff, welchen Lewfrid geschriben, und hinder jm gelassen het. Wickram
goldf. C 1
a; den zuspruch des langaufgeschossenen jungen und des spaszhaft hageren mädchens, welche sonst immer mit ihren schulsäcken des weges daherkamen. Anzengruber
3 2, 59; der mantel hat gar vil krumer falten, er get euch nit gar in di waden und habt in auf den rück geladen, er ziert euch eben und auch wol, als man ainn schulsak tragen sol.
fastn. sp. 671, 16;
der ranzen, in dem die fahrenden schüler die erhaltenen almosen sammeln: die meyd zeucht den schulsack herfür mit den partecken und spricht. H. Sachs
fastn. sp. 4,
s. 33
neudruck (
dafür weiter unten parteckensack,
vgl. theil 7, 1476). 22)
sehr häufig in freierer verwendung als symbol des schulbesuchs und lernens überhaupt, besonders in der ältern sprache (16.—17.
jahrh.)
und im oberdeutschen; den schulsack tragen
u. ähnl.: die einige artzeney negst gott .. die gab mir mein lieber schulsack, den ich vor jahren getragen, und auch nachschläppe, ich ziehe hien wo ich wolle.
Philand. 2, 22.
ferner: dasz unsre teütsche sprach soll weder mit latein noch frömdem misch-masch sonst, als arm, befläkket seyn gleich wie ein bättelrock; dan, welcher darmit pranget, der zeygt, dasz immer noch der schulsack an ihm hanget, und dasz er nicht verdaut, wasz ihm der herr Donat in seinen blöden kropff zuvil geschoppet hat. Rompler v. Löwenhalt
reimged. 113. den schulsack wegwerfen,
das lernen aufgeben, aufstecken: fürwahr ich liesse mich schier selber überreden, dasz ich den schulsak hinweg würffe und auch ein soldat würde. Rist
friedewünsch. Teutschl. 108; da schickten sie sich inn ein andern bossen, verwechselten die kleider, hiengen den schulsack an ein nagel.
Garg. 176
a. —
gewöhnlich bezeichnet schulsack
bildlich den vorrat von schulkenntnissen, den jemand erworben hat: quegli avanzi di latinità, e quel resto delle lettere humaniori, che riserba un huomo attempato nella memoria Kramer
dict. 2, 681
a;
vgl.: schul-sack, ein spott-wort, von denjenigen die mit ihrer schul-weiszheit und wenigen wissenschafft prahlen. Frisch 2, 232
a; aus der ersten (
stufe) musz der jugendliche mensch mit reinem, auf das ideale gerichteten sinn .. und mit einer erheblichen anzahl nützlicher berufskenntnisse
*) hervorgehen.
dazu die anmerk.: *) dem sogenannten 'schulsack', der nur zu oft heutzutage viel unnützes enthält oder sogar zum teil mit 'schulbetrug' ausgestopft ist. Hilty
glück (1895)
s. 261. einen guten schulsak (
schulbildung) haben, keinen schulsak haben. Eiselein 556;
so noch jetzt in der Schweiz e guete schuel-sak ha. Seiler 264
b. —
wendungen, in denen das bild des sackes gewahrt ist: hierauff repetiert und repliciert man die lection des vorigen tags, dasz er die nicht im schulsack verliegen liesz.
Garg. 173
b; so merkte denn jeder, dasz Wohlwend, sobald er sein wort von den ewigen idealen ausgestoszen habe, auf dem boden seines schulsackes angelangt und dieser kleiner sei, als derjenige frisch konfirmierter kinder. Keller 8, 330. den schulsack füllen: sie (
die Weinheimer erziehungsanstalt) hat jetzt zum theil freilich noch andere gesichtspunkte ins auge zu fassen als in jenen harmlosen zeiten, wo noch nicht das drohende gespenst des freiwilligen-examens am ausgangsthor des jugendunterrichts stand, und die prompteste anfüllung des schulsacks zur ersten der pflichten machte.
allgem. zeit. vom 26.
septbr. 1869,
beilage s. 4159
b. ausschütten: seinen schulsack ausschütten, noch etwas in seinem schulsack übrig haben. Kramer
dict. 2, 681
a; man sagt, dasz hiebevor in Griechenland zu einem frembden legato kommen seyn etliche philosophi, deren jeder seine weiszheit zu ostentiren, seinen schul-sack voll künste auszgeschüttet haben. Schuppius 22; dasz wir uns beide des gemeinen disputantenrechts begeben, unsern schulsack gegen einander auszuleeren, und einander mit luftigen abstrakzionen .. auf den leib zu rücken. Wieland 31, 182. —
unbildlicher, aber sehr verbreitet ist die verbindung einen schulsack fressen: nicht ein jeder der ein stück von schul-sack gefressen, ist deszwegen ein gelehrter scribent,
non quilibet qui in schola fuit, doctus evadit Frisch 2, 232
a;
politus e schola, der einen schulsack geessen. Dentzler 1, 593
b,
vgl. Wander 4, 385; solche halbgelerte leute .. könnens alles selbs besser, denn alle welt, wissen zu urteilen alle kunst, und schrifft, und summa .. sie haben den schulsack gefressen, der leidet keinen meister, und haben doch kein buch drinnen, das sie andere köndten recht unterweisen. Luther 5, 125
b; sie haben kein schuolsack gefressen. Hedio
com. 46; der nicht weiter lernen will dann der buchstab lautet, der bleibt ein buchstab, und ist nichts dann an jhm selbst todt. sondern das sollen wir wissen, dasz wir darinnen geboren werden, und in der geburt den schulsack fressen, oder lernen vom liecht der natur durch erforschung der erfahrenheit. Paracelsus
opp. (1616) 2, 380 C; sie betrauren zu spaht, dasz sie nicht mehr vom schulsack gefressen. Moscherosch
de exerc. acc. 97; das latein hab ich vergessen, wie wol ich hab eyn schuolsack fressen, den hab ich nit verdouwet gantz. Murner
schelmenz. s. 16
neudruck (8, 2); und hett sich selbs nit also geschandt, das gelt so schentlich nit verthon, den schuolsack ungefressen lon.
s. 17 (8, 36); ich hab eins mals ein schuolsack fressen, das ichs latyns nit kan vergessen und weisz me, dann ein ander christ.
narrenbeschw. s. 189
neudruck (61, 1); diweil ain schulsack hast gefressen, darauf latinisch stund geschriben: tu asine, der noch pist pliben. Fischart
dichtungen 2, 217
Kurz (
kehrab 66).
sprichwörtlich: er hat den schulsack wol gefressen, doch war er blos voll stroh gemessen.
s. Wander 4, 386; er hat ein stük vom schulsak gefressen. Eiselein 556. Simrock
sprichw. 9274.
dafür auch: er ist mit dem schulsack geschlagen worden. Wander
a. a. o. (
wie sonst auch mit dem dummbeutel); mancher, so er mit dem schulsack nur ein wenig in die lumpen oder seiten geworfen worden, der will von stund an als Hans in allen gassen gehöret und von jederman hoch angesehen werden.
wiszbad. wisenbr. 2, 142. —
andre wendungen: damit nun der guet herr Hainrich sich auch erzaigte, etwas sich uf den schulsack zu versteen, wolt er auch latein und sein tail zu iezgehörtem proposito sprechen.
Zimm. chr.2 2, 490, 31
Barack; (
er) haszt den schulsack wie schön er gemalt war, gleich wie die meidlin ungern spinnen.
Garg. 129
a; also sey das kein rechter hauszfriede, wann das weib sich überhebe über den mann, und wolle, dasz er ihr den schulsack nachtragen solle. Schuppius 124; wer ist nun der glückseligste? der, welcher mit seiner einfalt in den baurn-himmel komt, oder der, welcher mit seinem grossen schulsack, mit seinen grossen büchern, zum teuffel in die hölle fährt? 652; Anweil und Herter waren lateiner, aber der schulsack der meisten übrigen reichte nicht soweit. Strausz
Frischlins leben 185; von oben an bisz under die stegen wolt ich im den schuolsack gsegen! Murner
schelmenz. s. 18
neudruck (8, 40); Brentz fertigt jhn (
Schwenckfeld) fein ab nach gbühr, den schulsack hengt jhm für die thür. Frischlin
phasma F 2
a (
argum. 3.
act).
zusammensetzungen: