schneidig,
adj. und adv. mit schneide versehen; mhd. snîdec, snîdic;
hochdeutsch ableitung vom ersten fem. schneide (
s. d., sp. 1245),
doch zeigt die mhd. form sneidec, sneitec
sich als ableitung vom zweiten schneide (
sp. 1248);
niederd. ein ähnliches verhältnis; mnd. sneidich, snedich,
adv. sneideliken, sneidigen Schiller-Lübben 4, 272
a;
neuniederd. sneidig Richey 273, sniedig Schütze 4, 143.
eine form schneidicht
ist wenig bezeugt: schneidicht
neben schneidig Stieler 1901.
bedeutung und gebrauch. 11)
in activem sinne. 1@aa)
eigentlich eine schneide, schärfe habend, von waffen oder schneidenden geräten: schneidig
acutus, acer Stieler 1901; schneidig
acutus Steinbach 2, 477; Tristan unde Lifrenîs, die helde manlîch unde wert, ir scharfen snîdegen swert zucten von den sîten. H. v. Freiberg
Trist. 6212; durch reichen helm und panzer hart es (
das schwert) schneidig hieb und drang. Herder 25, 484
Suphan; was spielt ihr mit dingen, die schneidig und spitz?
wunderh. 1, 65
Boxberger. häufig in zusammensetzungen: einschneidiger degen
machaera cum dorso, ein sweyschneidig schwert
gladius anceps, scharfschneidicht
exacutus Stieler 1901; scharffschneidig
cultellatus, peracutus Steinbach 2, 477; ein zweischneidig schwert.
richter 3, 16; mit dreischneidigem pfeil treffen. Voss
Ilias 5, 393;
in der bedeutung spitz: der snabel ist im sneidic.
Tundalus 53, 10.
bildlich: die selbe minne treit vil strâle snîdich die die hertze gar verhowent.
jüng. Titurel 3969. 1@bb)
übertragen von dem, was einer schneide ähnlich ist: bair. e schneidigs ros,
ein pferd mit scharfer rückenkante Schm. 2, 572. 1@cc)
von dingen, die eine dem schneiden ähnliche wirkung hervorbringen, z. b. von herben oder scharfen getränken, wein und dergl. Castelli 247: hurtâ, geselle, daʒ ist wîn, den wir sehen vür uns tragen! ... er ist snîdec linde klar!
Seifr. Helbling 13, 107.
von starker kälte: 'n sneidigen kolde ten Doornkaat Koolman 3, 242
b;
von scharf klingenden tönen: die sehne schnellt er nun mit macht; laut, wie der harfe höchste saite, erklang der schneid'ge ton ins weite. Kinkel
Otto der schütz (1877) 22. 1@dd)
in bezug auf seelisches vermögen; so von scharfem, eindringendem verstand: een sneidigen kopp Richey 273.
brem. wb. 4, 887; hê hed'n sneidigen ferstand. ten Doornkaat Koolman 3, 242
b;
daher geradezu schlau, listig, verschlagen auch in schlechtem sinne Schiller-Lübben 4, 272
a;
adv. niederd. sneidigen, sneideliken,
auf listige, schlaue weise 272
b;
astutus, sneydich, snedych Dief. 57
a;
vgl. dän. snedig
in gleicher bedeutung, und die mhd. verwandten formen sneitig
astutus Lexer
mhd. handwb. 2, 1028; snytig
versutus Dief.
nov. gloss. 379
b: de bose gheist is bauen mate sneydich.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 272
a; de slanghe was sneydigher wen alle de derte der erden.
ebenda; alsus is dyt boek .. van den logeneren unde bedregers, de myt loszheyt mannygen schenden, so hyr na wert ghesecht van deme sneydygen lystygen vosse.
Reinke de vos, 2.
vorrede; auch in der bedeutung mutig, entschlossen, rasch und kräftig im handeln; in dieser bedeutung früher gebraucht und weiter verbreitet als das entsprechende subst. schneid,
s. d. und das erste schneide 2,
c: sneidig in wesen un wôrden. ten Doornkaat Koolman 3, 242
b; der director der genossenschaft, h. Feierabend, ein einfacher, aber auszerordentlich tüchtiger arbeiter und nebenbei ein schneidiger, gewandter redner.
Frankfurter journal 1872; da wird darauflosbefohlen, schneidig die reifliche überlegung durchhauen, durch die schneidige that das ereignisz erzwungen.
gegenwart bd. 35, 389
a. 1@ee)
von der vorigen bedeutung auf äuszere eigenschaften übertragen, von schnellen, kräftigen, mit nachdruck ausgeführten bewegungen: er schwinget so schneidig sein blitzendes schwert. Arndt (1860) 280.
ähnlich: een sneidigen gang.
brem. wb. 4, 887. Schütze 4, 143; schneidig lopen. Stürenburg 228
b.
von thieren: ein schneidiges pferd. Schm. 2, 572. Hügel 142
b.
von dingen, die sich bewegen: dat schipp geit sneidig fort,
es segelt scharf. Richey 273;
daher auch schlank, zierlich, wolgebaut, gegenüber dem dicken und plumpen, besonders im niederd. een sneidigen vent; een sneidigen boom,
ein schlank gewachsener baum. brem. wb. 4, 887.
von der kleidung, anschlieszend: dat tüg sit em sneidig,
die kleidung sitzt ihm knapp, nicht weit und schlotterig. ebenda. 22)
in passivem sinne, was sich schneiden läszt, prägnant was sich leicht schneiden läszt: schneidig, das sich gern schneiden und hauen läszt,
sectile. Calepinus
dict. septem linguarum 1392.
besonders im bergbau von einem gestein: schneidig, im bergwesen, heist ein gestein, welches leicht zu gewinnen,
terra metallica quae laborem fossoris non difficilem facit. Frisch 2, 214
c;
in gleicher bedeutung noch jetzt schneidig, geschneidig
neben schnätig, schneidig, gebrech. Veith 230. 424;
gegensatz: unzerschneidig
atomos Dasyp.,
jetzt unschneidig,
von festem gestein Veith 514.
in der bedeutung schnittreif, reif zum ernten, von korn und dgl. ist schneidig
auf die ältere sprache beschränkt; schnidig, zeitig,
messis Dief. 359
a;
dafür ist heute in einigen mundarten die verwandte bildung schnittig
im gebrauch Schöpf 641. Schütze 4, 140.