schlipferig,
adj. zu schlipfern,
oder weiterbildung von schlipfer,
adj., in älterer sprache, heute durch schlüpferig, schlüpfrig
verdrängt, gleitend oder glatt, besonders von feuchter glätte, mhd. slipferec, slipferic, slipfrig
mhd. wb. 2, 2, 402
a. Lexer 2, 982,
lubricus, slipfrig, schlipfferig Dief. 337
a,
lubris, slipfferig als ein ale 337
b, schlipfferig,
lubricus Dasypodius, schlipfferig machen,
lubricare Maaler 356
c, schlipferig,
proprie esset adreptans, proserpens, illabens, sed frequentius exponitur [] lubricus, mobilis Stieler 1858,
lubricus Wachter 1433,
mundartlich in dieser form erhalten Hunziker 223. Seiler 255
b.
auch weitergebildet zu schlipfferächtig,
lubrice Maaler 356
c. 11)
in sinnlicher anwendung: daʒ ist darumb, daʒ der behend zart dunst, dar auʒ daʒ höng wirt, von den pluomen und von den frühten in unserr wonung niht mag aufgên durch den zæhen slipfrigen luft unz an sein reht stat, dâ er zuo höng würd. Megenberg 88, 9; wem diu zung rauch ist, der leg den zaher (
das gummi arabicum) in ain waʒʒer, unz daʒ er slipfrig werd und reib dann die zungen dâ mit. 369, 14; so mochten sie doch in dem wasser, das ein schlipferigen boden hatt, nit so hart stehn als auf dem land.
übersetzung d. Livius (1546) 107
a.
von feuchten, glatten thieren: ain schlipfferiger fisch ain ale ist auch bösz zu schinden. Keisersberg
has im pfeffer (1510) Cc 4
b. 22)
bildlich und übertragen: ir weg müsse finster und schlipfferig werden.
psalm 35, 6; fürwar grosse männer, welche in schlipferige höhe der höfe und gemeinen sachen gesetzt seyn, seyn eben diszfals eines mitleidens mehr, als des neids, würdig. Schuppius 765; o schlipfferigster stand! dem vor vermeynte ruh schnell und zugleich der fall sich nähert immer zu.
Simpl. 2, 120, 3
Kurz. während hier die bedeutung des glatten, auf dem man leicht gleiten, fallen kann, zu tage tritt, erscheint in sonstiger derartiger anwendung auch die activische des gleitenden: diu zunge ist slipferig, wann si hat ein gar feuhte leger stat, sie vellet gen ubel ê denn gen gûte. H. v. Trimberg
renner 8581; die trieglich zung hat nit lieb die warheit und der schlipferig mund wirkt die fell.
bibel von 1483 304
b.
sprüche 26, 28 (
vulg.: os lubricum, bei Luther heuchelmaul); disz seind die schlipfferigen menschen, die sich in allen iren dingen künden entschuldigen, den selben kan nyemant zuokomen. Keisersberg
has im pfeffer (1510) Cc 4
b; es ist ein schlipfferig ding umb die ketzer. Luther 3, 432
a; das unsere gedancken so ungewis, schlipfferig und unstete sind. 6, 171
a; und ob mir ein schlipfferiger jüde wolt mein buch wider die sabbather fürwerffen. 8, 72
b; herwiderum alle menschen sind lügner gebrechlich, unstet, schlipferig allermeist in worten, also dasz man nicht bald gläuben sol, was schon dem rechten und wahren gleich lautet. Arnd
nachfolge Christi (1670) 275; ein schlipferiger mensch,
homo lubricae fidei Stieler 1858.
weiter wie schmutzig, zweideutig: allegorice incipit usurpari de obscœno et impudico, imitatione Gallorum, qui hoc sensu dicunt lubrique, quia obscœnitas est quasi superficies lubrica, in qua facile labitur mens casta. Wachter 1434. 33)
substantiviert das schlipferige,
bildlich: aber du (
gott) setzest sie auffs schlipfferige, und störtzest sie zu boden.
ps. 73, 18.