Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
rehtelôs adj.
1. der sein recht, d. h. seine rechtliche befugniss, durch ein verbrechen verloren hat. vgl. Homeyer Sachsensp. register s. 365. Haltaus 2, 1527 fg. swer lîp oder hant lediget daʒ im mit reht verurteilt ist, der ist rehtelôs, bei Haltaus a. a. o. zuweilen synonym mit êlôs gebraucht. die in des rîches achte sint jâr und tag, die erteilt man alle rehtlôs Schwabensp. bei Haltaus 1,261, wo eine andere hs. hat denen erteilet man, daʒ si êlôs sint. oft verbunden: alle die sich êlôs und rehtelôs gemachet hânt mit untât, den sol man deheinen vormunt geben Schwabensp. bei Haltaus a. a. o. sô widerteilt man im ze rehte lêhen, eigen unde erbe, unde ist êlôs unde rehtlôs basler recht 12,12. wer getörste gewuochern, gefürkoufen oder pfant behaben oder gerouben oder gesteln oder êgebrechen, sô man die hôhen herren sæhe ze banne getuon unde darnâch in die âhte tuon unde darnâch êlôs unde rehtelôs sagen unde darnâch den lîp nemen Berth. 13. meineide und rehtlôs und êlôs freiburger urk. v. 1300 u. 1344. vgl. W. Wackernagel zum basler recht s. 39. niederd. werden ebenso zusammengestellt niederd. echtlôs und niederd. rechtlôs, vgl. Haltaus 1,260. aber ursprünglich synonyma sind die worte keineswegs. eigentlich und ursprünglich ist in ihnen der gegensatz von gesetz und recht, von gesetzlicher sicherheit leibes und gutes und von rechtlicher befugniss ausgedrückt. êlôs ist exlex nach dem mittellateinischen gebrauche dieses wortes, rehtlôs dagegen jure suo privatus. vgl. W. Wackernagel a. a. o. kulmer recht 2,78. u. glossar. 325. — von schildes ambet man dich schiet und sagte dich gar rehtelôs Parz. 524,25. die ze keiner helfe wârn gezalt, die sagte man gar rehtelôs W. Wh. 185,7. vgl. RA. 732. daʒ hât mich gemachet rehtelôs MS. 1,68. a. si wâren aber dô beide ir rehtes alsô rehtelôs, daʒ si dewedereʒ dâ kôs Trist. 18491.
2. dem sein recht vom gericht verweigert wird. von ersten was beschrebin eyne clage, wy daʒ dy tuchmacher acht jar rechtlos weren blyben in dirre stat, also daʒ nymand under in torste kein recht begehen mit flockengewande und mit anderm valschen gewande zitt. jahrb. 26,30. item, auff das nymand armut halben rechtlos gelassen werde, bei Haltaus 2,1527. das man das reht nemen sol in den dinchöfen und niena anderswa, es wurd denn einer da gelassen rechtlos ebenda.