rauhigkeit,
f. zustand des rauhen: rauhigkeit,
asperitas, aspritudo Kirsch
cornuc.; nach verschiedenen verwendungen von rauh;
im gegensatz zu glätte: es ist ein groszer unterschied, ob man gefärbte seide oder wolle vor sich hat. jede art des bereitens und webens bringt schon abweichungen hervor. rauhigkeit, glätte, glanz kommen in betrachtung. Göthe 52, 344;
oder feinheit: feinheit und rauigkeit. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 83;
von der haut, der zunge (rauh II, 3): rauhigkeit der haut,
scabrities cutis Stieler 1525; die rauhigkeit der zunge,
linguae scabritia Steinbach 2, 229;
von wegen (rauh II, d): wenn die rauhigkeit des weges sie (
hand in hand gehende fuszgänger) zwingt, ihre hände fahren zu lassen. Lessing 11, 451;
von bergen, gegenden (rauh II, 8): die rauhigkeit des landes,
regionis aspreditas. Steinbach 2, 229; und weil ein fuszsteig ihm nicht unbekannt, verkürzt er seinen weg, so, dasz, in kurzer zeit, trotz des gebirges rauhigkeit, er oben auf des berges spitzen, mit müden zwar, doch frohen füszen stand. Brockes 4, 220. 11, 503;
vom wetter (rauh II, 9): die rauhigkeit der luft, des klimas; die rauhigkeit der jahreszeit hindert das reisen;
von menschen, deren eigenschaften, sitten (rauh II, 10): die rauhigkeit des volkes,
aspritudo populi. Steinbach 2, 229; rauhigkeit der gebärden,
truculentia. Stieler 1525; diesem affe, affen diejenigen ministri hoher potentaten nach, welche den einkommenden bittschriften des landes, nur immerzu mit der rauhigkeit begegnen, und keiner milterung stat geben. Butschky
Patm. 906; rauhigkeit der sitten. Kant 8, 12; sie (
die wissenschaften und schönen künste) machen den menschen empfindlich und entkleiden ihn von der rauigkeit, welche ihm die weiseste natur mit bedacht gab, damit er sich selbst durch ihre mühsame ablegung einen theil seines vorzuges für unedlere thiere zu danken haben möge. Lessing 3, 196; ich .. legte alle meine rauhigkeit nieder, wie der tieger, der auf Orpheus gesang hörte. Klinger 1, 28; der Franzmann lehrte mich des Deutschen rauhigkeit. (Schönaich)
sieg des mischmaschs (1755)
s. 25; die rauhigkeit der sitten, die verwildern, den neid, den zorn weisz seine kunst zu mildern. Hagedorn 1, 81; ihr Deutschen, die an ruhm berühmtern vätern weichen! verlangt ihr, grosz zu sein, so müszt ihr ihnen gleichen; nicht an der alten rauhigkeit! die heldentugend jener zeit ruht nicht auf ungeschlachten sitten, auf nackter armuth, nackten hütten. Uz 1, 183;
von worten und tönen (rauh II, 10,
e): rauhigkeit der aussprache und versteckte kehllaute sind nicht zu läugnen. A. W. Schlegel
ges. werke 8, 161; die rauhigkeit der kehle macht bei dir (
uhu) dein verdienst! antwortet Philomele. Cronegk 2, 131.
im plural: die rauhigkeiten des gebirgswegs; einzelne rauhigkeiten in der aussprache vermeiden.