Prometheus Goethe greift auf verschiedene (ihm bes aus Hederichs ‘Gründlichem Mythologischen Lexikon’ von 1770 bekannte) Varianten des Mythos zurück mythol: der (dem Wortsinn des Namens nach) „Vorausschauende, Vorausdenkende”, begabt mit Vorstellungs-, Schöpfer- u Tatkraft; Sohn des Titanen Iapetos (u Bruder des Epimetheus, sd), dessen Aufbegehren gegen Zeus den (von Prometheus aus Lehm erschaffenen) Menschen (mit Athenes Hilfe od durch das geraubte himmlische Feuer) Bewußtsein u Gefühle, Rationalität u Kulturalität verleiht, wofür Zeus ihn bestraft; Projektions- u Identifikationsfigur1) vor allem des jüngeren Goethe a in Bezugnahmen auf den antiken Mythos od dessen geistesgeschichtl Tradition; auch in Vergleichszshg u Vergl, einmal mBez auf Napoleon Nimm dem P. die Fackel, beleb', o Muse, die Menschen! GWB1,351 VierJahresz Herbst 41(912) Als Minerva, jenen Liebling,|Den P., zu begünst'gen,|Eine volle Nektarschale|Von dem Himmel niederbrachte,|Seine Menschen zu beglücken|Und den Trieb zu holden Künsten|Ihrem Busen einzuflößen;|Eilte sie mit schnellen Füßen,|Daß sie Jupiter nicht sähe GWB2,169 Nektartropfen 2 Ließ nicht P. selbst die reine Himmelsgluth|Auf frischen Thon vergötternd niederfließen? GWB2,144 Ilmenau 104 Stücke des Äschylus, von denen P. der Gegenstand ist GWBT12,65,11 v 8.5.29 Leider komme ich mir in allen diesen Fällen [bevorstehende Geburten u Gastspiele] wie eine Doppelherme vor, von welcher die eine Maske dem P., die andre dem Epimetheus ähnlicht, und von welchen keiner, wegen des ewigen Vor und Nach, im Augenblick zum Lächeln kommen kann GWBB22,118,24 Zelter 26.6.11 Warum büßt er [Napoleon]? Was hat er wie jener P. den Menschen gebracht? Auch Licht; eine moralische Aufklärung. Er hat die Unzulänglichkeit der übrigen Regenten aufgedeckt. Er hat einen jeden aufmerksam auf sich gemacht. Den bürgerlichen Zustand des Menschen, seine Freiheit..zum Gegenstand der Betrachtung..gemacht. Er hat dem Volke gezeigt, was das Volk kann GWBGespr(He32,22) Riemer 8.3.26 2,124 Die Geschwister 2 17,101,18 Vögel 28,313,22 DuW 15 uö(selten) mBez auf Prometheus' Warnung an Zeus, mit Thetis einen Sohn zu zeugen GWB50,277 Achilleis 179 im Vergl, mBez auf Prometheus' Befreiung aus seinem Leiden im Kaukasus [betr Boisserées erfolgreiche Unterstützung in den Verhandlungen mit Cotta] Sie erscheinen mir wie Herkules der dem Atlas, dem P. zu Hülfe kommt. Wüßten Sie was ich dieses Jahr gelitten habe, Sie würden solche Bildlichkeiten nicht übertrieben finden GWBB40,283,17 Boisserée 3.2.26 im Zshg der Apotheose des kreativen ‘Genies’2), später auch kritisch; s auch Pkte (b) u (c) Er [Shakespeare] wetteiferte mit dem P., bildete ihm Zug vor Zug seine Menschen nach..und dann belebte er sie alle mit dem Hauch seines Geistes GWB37,133,27 ShaekespTag Man hört oft, daß ein bildender Künstler, in seine Werkstatt geschlossen, gleich einem andern P. oder Pygmalion von seiner angebornen Kraft getrieben, unsterbliche Werke hervorbringe und keinen Rathgeber brauche außer seinen Genius. Es möchte dieses alles aber wohl nur Selbstbetrug sein: denn was wären Dichter und bildende Künstler, wenn sie nicht die Werke aller Jahrhunderte und aller Nationen vor sich hätten..und..nicht das edelste Publicum..? GWB422,13,15 EröffnRede Freitagsges 9.9.91 37,151,24 Von dtBaukunst 1773 28,311,26 DuW 15 [Zit s v prometheisch] b Titelfigur des Dramenfragments von 1773, worin P. der Sohn von Zeus u Hera ist; auch (metonym) für das Stück P. [:] Sieh nieder, Zeus,|Auf meine Welt: sie lebt!|Ich habe sie geformt nach meinem Bilde,|Ein Geschlecht das mir gleich sei,|Zu leiden, weinen, zu genießen und zu freuen sich|Und dein nicht zu achten|Wie ich! GWB39,205 PromethFragm 1773 redPers vor Vs 243 Die Fabel des Prometheus ward in mir lebendig. Das alte Titanengewand schnitt ich mir nach meinem Wuchse zu, und fing..ein Stück zu schreiben an, worin das Mißverhältniß dargestellt ist, in welches P. zu dem Zeus und den neuen Göttern geräth, indem er auf eigne Hand Menschen bildet, sie durch Gunst der Minerva belebt, und eine dritte Dynastie stiftet GWB28,312,20 DuW 15 uö c Titelfigur des Hymnus von 1774; auch (metonym) für das Gedicht P. [Titel u zugl Sprecherangabe]|Bedecke deinen Himmel, Zeus,|Mit Wolkendunst,|..Mußt mir meine Erde|Doch lassen stehn,|Und meine Hütte, die du nicht gebaut,|Und meinen Herd,|Um dessen Gluth|Du mich beneidest GWB2,76 Titel Jakobi macht mir einen tollen Streich. In seinem Gespräche mit Lessing [im Juli 1780] kommt doch das Gedicht P. vor, ietzt da er seine Götterlehre [‘Über die Lehre des Spinoza’] drucken lässt, setzt er das andre Gedicht: edel sey der Mensch! mit meinem Nahmen voraus, damit ia iedermann sehe daß P. von mir ist GWBB7,95,2u6 ChStein 11.9.85 P. ward in mir lebendig.. [dazu] gehört als Monolog jenes Gedicht, das in der deutschen Literatur bedeutend geworden, weil dadurch veranlaßt, Lessing über wichtige Puncte des Denkens und Empfindens sich gegen Jacobi erklärte. Es diente zum Zündkraut einer Explosion, welche die geheimsten Verhältnisse würdiger Männer aufdeckte GWB28,312,16 DuW 15 Wunderlich genug daß jener, von mir selbst aufgegebene und vergessene P. [Fragment od Hymnus?] grade jetzt wieder auftaucht. Der bekannte Monolog..sollte [gemäß Goethes unrichtiger Erinnerung] den dritten Act eröffnen. Du erinnerst dich wohl kaum, daß der gute Mendelssohn an den Folgen einer voreiligen Publication desselben gestorben ist. Lasset ja das Manuscript nicht zu offenbar werden..Es käme unserer revolutionären Jugend als Evangelium recht willkommen..Merkwürdig ist es jedoch, daß dieses widerspenstige Feuer schon funfzig Jahre unter poetischer Asche fortglimmt GWBB33,27,22 Zelter 3./11.5.20 B7,92,24 Jacobi 11.9.85 B31,170,1 Seebeck 5.6.19 K uö d metonym mBez auf HLWagners Satire ‘P., Deukalion u seine Rezensenten’ von 1775 Nicht ich, sondern Heinrich Leopold Wagner hat den P. gemacht GWBB2,255,12 Knebel 14.4.75 Hier ist P. GWBB2,257,5 Fahlmer [Apr 75] uö(selten) e Figur im Festspiel ‘Pandora’ (1808), als nüchterner Apologet von Leistung, Nützlichkeit u Fortschritt symbolischer Repräsentant des beginnenden Zeitalters nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches, des Epimetheus' ‘strenger Bruder’ (Vs 89) P., Epimetheus - Japetiden GWB50,296 Pand PersVerz P. (eine Fackel in der Hand) [:] Denn aller Fleiß, der männlich schätzenswertheste,|Ist morgendlich; nur er gewährt dem ganzen Tag|Nahrung, Behagen, müder Stunden Vollgenuß GWB50,305 Pand redPers vor 155 P. [:] Was kündest du für Feste mir? Sie lieb' ich nicht:|Erholung reichet Müden jede Nacht genug.|Des echten Mannes wahre Feier ist die That! GWB50,343 Pand redPers vor 1043 uö f Titel einer von FCLSeckendorf u JLStoll hg (kurzlebigen) Wiener Zs (Ruppert 329), Ort der Erstveröffentlichung von ‘Pandora’; meist mit metonym Bezug Sind Ihnen die beyden ersten Hefte des Wiener P. zur Hand gekommen; so haben Sie ja auch wohl meiner Pandora einen günstigen Blick geschenkt GWBB20,86,10 Zelter 22.6.08 uö(bes in Br) g Titel einer von KPanse in Naumburg hg Zs mit dem Untertitel ‘Literarisches Oppositionsblatt’ (Ruppert 328); überwiegend mit metonym Bezug P. von Panse aus Naumburg GWBT9,8,4 v 20.1.23 uö(selten) 1) Zum biogr u geistesgeschichtl Hintergrund vgl ABWachsmuth, P. u Epimetheus im Selbstverständnis Goethes, in: JbDSG7(1963), 201-234 sowie HReinhardt, P. u die Folgen, in: GJb108(1991), 137-1682) vgl JSchmidt, Die Geschichte des Geniegedankens I (1985), 254-269 u 278 sowie HBlumenberg, Arbeit am Mythos, 1979 Rüdiger WelterR.W.