pîn(e)lĩk -lich,
adj. (flekt. -k- -g- -ch-); pîn(e)lĩk(en),
+*°peynlich (J. Brandis 60),
adv.: 1. (im weltl. Gerichts-, Strafwesen:) der peinlichen Gerichtsbarkeit zufallend, unter Anwendung der Folter (
vgl. 2.2.), sê blēven in der p.en bicht stanthaftich und bekenten nicht (Zs. Berg. Gesch.-Ver. 11, 225); °p.e halsgerichtsōrdnunc die im 16.
Jh. verbreitete Gerichts- und Strafordnung Karls
V., vermǖge keyserlicher majestêt und der gemê(i)nen rîkesstende upgerichter p.er halsgerichtsōrdnunc (Lüb. Urt. 3, 552);
*°p. gerichtsschrîver Schreiber in der peinlichen Gerichtsbarkeit (Kantzow ed. Gaebel 113); p.e vorhö̂ringe, (
Adv.:) p. vorhö̂ren/examinêren, „Quærere
[]tormentis, Pynlick vorhoͤren” (Chytr.), p.e vrâge peinliches Verhör, Folter, mit p.er ērnstlĩker vrâge tô bekantnisse der wârhê(i)t dwingen (Bamberg. 50), (
Adv.:) p. vrâgen foltern; p.e sāke Rechtsangelegenheit die um Leib oder Leben verhandelt wird, p.e sāke gânde an êre efte lēvent (Hamb. StR ed. Lappenberg 211), sô sal billĩken de p.e sāke nâ dēme sê de grö̂teste is unde dat hö̂geste angeyt êrst vȫrgân (Lüb. Urt. 4, 214); p.e klāge Anschuldigung wegen eines Vergehens das an Leib oder Leben gestraft wird (: börgerlĩke klāge zivilrechtlich verhandelte Anschuldigung), dat sê de p.e klāge afdêden unde dê börgerlĩk mochte wērden (Chr.
d. d. St. 36, 377), de klāge p. māken, (
Adv.:) p. tô hût und hâre beklāget (Gbl. Magdebg. 51/52, 171); p. gerichte Gericht das Rechtsangelegenheiten verhandelt die an Leib oder Leben gestraft werden (Bamberg. 28), p.e rechtvērdiginge gerichtl. Verhandlung und Urteil in Rechtsangelegenheiten die an Leib oder Leben gestraft werden (
ebd. 92 u. 98), p. gevencnisse Haft eines Beklagten während des Verfahrens in einer Rechtsangelegenheit die an Leib oder Leben gestraft wird (
ebd. 73), p.e straffe/straffinge Bestrafung die an Leib oder Leben geht, Körper- Verstümmelungs- oder Todesstrafe, °p.e lîfstrâfe Körper- oder Verstümmelungsstrafe (
ebd. 80), (die Körper- oder Verstümmelungsstrafe an einem verstorbenen Beklagten ausführen:) men lêt dat p.e gerichte gân āver den dôden (Rüg. LandR. 73). 2. mit körperl. Schmerzen verbunden. — 2.1. Schmerzen erduldend, (
Adv.:) bückest sô p.en ōver dînen staf (D. v. Soest 123,
V. 297), dat sê p.en van quâle vȫr der lü̂de dȫren ... blîven biliggende jāmerlĩken (Zs. Schl.-H. Gesch. 29, 110). — 2.2. unter Zufügung körperl. Schmerzen, mit Qualen, Martern verbunden, wente wat vȫr bôte settet wert dat schal p. wēsen unde nicht bequêmelĩk (SL: Korner), (
Adv.:) dat de ōverste keyser mitter dōrnenkrônen schentlĩken unde p.en is beswêrt (Veghe ? Lect. 476), unter Foltern (
vgl. 1.), p.e instrumente Folterwerkzeuge; — lebensgefährlich, p. val tödlicher Unfall (J. Brandis 109). 3. mit seelischem Leid, Bedrückung verbunden. — 3.1. bedrückend, betrüblich, (
Adv.:) it is verdrōtenlĩk und p. tû seggene (Sächs. Wchr. 264), (
Adv.:) wô dat mî van lêve tô schê(i)dende sêre p. schal sîn (Paris und Vienna 62). — 3.2. bedrängend, belastend, ên tȫrniger minsche deyt sik sülvest grôten schāden und is sîn ê(i)gen p.er plâger unde gnāger (Nic. Gryse Laienbibel 2, O 1
v), (
Adv.:) dat gî ... ōver ûse vrünt alsô p.en nicht enschrîven edder seggen (Ub. Hildesh. 3, 627). 4. unter negat. Einflüssen oder erschwerenden Umständen. — 4.1. lebensbedrohend,
[]stenzgefährdendexistenzgefährdend, wôwol wî dâr nû p.er nôt wēgen tô gedrungen wērden (Livl. Ub. II 2, 15). — 4.2. unter großen Anstrengungen, Mühen, de werkende lü̂de dê p.en arebê(i)det ümme de tîtlĩken nôttruft (Monotess. 286); — schwierig, nicht leicht zu bewältigen, „Suͤr pynlik ... penalis difficilis” (Voc. Strals. ed. Damme); — achtsam, genau, (in der Vbdg.:) p. wēsen up genau auf etw. achten (Veghe 229).