Eintrag · Rheinisches Wb.
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- 2 in 2 Wb.
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piddeln wenn wir von dem Begriff des Beweglichen ausgehen, so ist, jedenfalls im Geb. von Piddel, das Zeitw. von P. abgeleitet (Köln-Stdt überliefert für 1840 die Bed. ‘einkeilen’); doch s. bütteln, pütteln; das Wort ist geschlossen an der Saar, Mos (im SO. bis zur Bopparder Linie; abseits im Süd. noch Goar-Weiler, Kreuzn-Gebr Oberhsn, Birkf (pilə), in der Eif, im Westerw, Siegld u. im Rip (nicht in Jül, Aach, wohl wieder in der westl. Selfk) heimisch; dann noch im Berg in Waldbr-Morsb, Wippf-Kemmerich, Gummb-Vollmerhsn, Sol u. in Bed. 2 a in Gummb, Wippf u. in Bed. 2 b noch in Heinsb, u. zwar pidələ, –ln; doch -īd- NSaarbg, Trier, Bitb, SPrüm, Wittl, Bernk (Mos); im OMosfrk von Zell an, Westerw, Siegld vielfach -it-; abseits u. innerhalb des Geb. in Zell-Sohren, Simm-Ravengiersb, Kreuzn (s. o.), Koch-Driesch, Kobl-Winning, Neuw-Asb pi·l.ə; abseits Bernk-Rhaunen pilə, pīərlə; Bernk-Veldenz, Eusk-Derkum bidələ schw.: 1.a. mit den Fingerspitzen oder mit einem spitzen Gegenstande an einem Körper klauben, kratzen, pflücken, u. zwar mit kleinen Bewegungen der Finger; stückweise lösend, abbröckelnd, bohrend an etwas arbeiten, z. B. kleine Teile einer Narbenkruste, eines Geschwüres oder vom Mörtel an der Wand oder von Leinwand abzupfen; an etwas mit den Fingern zupfen, stochern, z. B. in der Nase, im Ohr, in den Zähnen, im Dreck, am Essen, an einem festsitzenden Nagel p., um ihn zu lockern; ist diese Arbeit gewünscht, da sie von mir nicht zu leisten ist, so hat das Wort keinen verächtl. Sinn, wohl aber drückt sich der Ärger über die schwierige, langwierige Arbeit aus, z. B. an em Knodde p. einen Knoten zu entwirren suchen; ech krige de Kn. net op, du verstehs dat P. besser; Fademe (z. B.) erusp. mühsam aus etwas herausmachen, u. die geduldige Arbeit wird sogar dabei lobend anerkannt; sonst stets verächtl. met der Nol (Nadel) p. stochern, mit ihr ungeschickt hantieren; jet erusp.; an jet erömp.; jet usenanderp.; dran p.; dröm herömp. auch im Essen stochern, nicht voranessen (auch em Essen p.; de piddelt möt der Gaffel em Gemös heröm); he piddelt de ganze Zeck (Zeit) am Fenger, an der Nas, em Uhr, an de Rüvve usf.; am Brut p. mit den Fingern kleine Stückchen herauspicken; jet us der Erd p.; de Rusingen (Rosinen) us dem Platz (herus) p.; en der Nas usf. (heröm) p. Rip, Allg. (mit Ausn. von Bed. 2). RA.: E kan de Koze (Nasenpopel) p. gohn von einem, der von der Arbeit nichts versteht, arbeitsscheu u. dumm ist Bitb-NWeis. E gäht mat den Hihnern Drek p. er ist arm Trier-Mehring. E pidelt em (einem) alles aus dem Orsch (Orschgrot) eraus von einem, der einen ausforschen will Trier-Mehring. E pidelt em den Drek aus der Nos dass. ebd. De hät an de Därm gepiddelt gefurzt Köln. Do darsch (darf) mer net an p. gohn man soll nicht Geld mit Kleinigkeiten abheben Sieg-ODollend. — Im Bes. Erwese p. Erbsen enthülsen Bernk-Rhaunen, Simm-Ravengiersbg, Koch-Driesch Müllenb, Kobl-Kapellen Stolzenfels, May-Andernach Kell Wassenach, Aden-Engeln, Ahrw-Brohl Rodder Sinzig. — Nüsse p., aus der Schale lösen Neuw-Dattenbg Waldbreitb. — b. verächtl. mit der Nadel sehr kleine Stiche machen; meist mit spitzem Werkzeuge kleine, zeitraubende, tiftelige Arbeit verrichten, meist ohne Zweck u. Ziel u. ohne Anzeichen des Vorankommens; sich tändelnd, Zeit vergeudend beschäftigen, nicht fest zugreifen, langsam arbeiten; he piddelt mir ze lang; do piddelt de doch alt zwei Stond an dem Dönge (heröm) Verbr. wie 1 a; e piddelt trinkt langsam Kobl. RA.: Denn Helzcher p. sinnlos arbeiten Trier-Filsch. Wer bei der Orbicht (Arbeit) pidelt, as beim Essen gemänerhand de flinksten Bitb-Wiersd. Un (an) em Ei kammer e ganzen Dag p. jede Arbeit lässt sich tändelnd hinziehen Trier-Mehring. — c. mehr übertr. α. einem etwas ausənanderp. klar machen Neuw-Rheinbreitb. — β. einem etwas herausp. ablocken Trier-Hetzerath. — γ. -īd- derb, zahlen, blechen; dau musst p. Trier-Fell Mehring. — 2. besondere Bed. in zwei Geb. a. pidəln ein Klickersp.; die Spieler werfen der Reihe nach jeder seinen Klicker unten an eine Mauer, wo er zurückprallt u. liegen bleibt; wessen Kl. den eines andern trifft, der darf den letztern als Gewinn nehmen u. darf noch einmal an die Mauer werfen Gummb-Schwarzenbergisch, Wippf; mit dem Klicker nach in die Erde gesteckten Stiften werfen Sieg-Lohmar; beim Klickern einen Ruck ausüben (verboten) Altk-Biersd. — b. beim Kauf u. Verkauf den letzten Pfennig für sich herausholen wollen, markten, feilschen; du kanns doch nicks gele (kaufen), of nä, du mos p. Heinsb-Erpen Lümb; peinigen Heinsb-Karken. — Abl.: die Piddel(er)ei, dat Gepiddel(s), (auch das Abgezupfte), der Piddeler [pīdələr auch Schmutzfink Wittl-Meerf], die Piddelersch.
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Cotta, M. (2026). „piddeln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/piddeln/rhwb
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Cotta, Marcel. „piddeln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/piddeln/rhwb. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „piddeln". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/piddeln/rhwb.
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