Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
meisa¹
Jh.s in zahlreichen Gl.: ‚Tragekorb, -gestell,
Tasche, Saumsattel, Vorratsbehälter, Kornspei-
cher; cistella, clitella, granaria(?), sarcina, sar-
cinula, sarcinulum, sistarcia‘ <〈Var.: -ai-, -e-,
-ey-; -ss-, -sh-; -e; verschrieben missa>〉. – Mhd.
meise st./sw.f. ‚Tragkorb‘, frühnhd. meise f.
‚ein Gewichtsmaß für Fische, ein Hohlmaß für
Getreide‘, nhd. dial. schweiz. meisen, vor-
arlb. meise ‚Brett, auf das die Ladung gebun-
den wird, die man mit dem Lasttier befördert‘,
schwäb. meise, westf. mese, lüneb. mēsk
‚kleines Maß‘ (dimin.), schlesw.-holst. mees,
meis f. ‚altes Maß für Trockenes, Ackermaß‘,
osächs. meise ‚Tragreff‘. Die in einigen Dial.
anzutreffende Bed. ‚weibliche Scham‘ (nas-
sau., schwäb., schles., thür. u. a.) kann die-
sem Lexem nicht eindeutig zugewiesen wer-
den. Eine vermittelnde Bed. wäre ‚das, in das
etw. hineingetan wird‘ (doch s. u.). Einige
Dial. zeigen auch die Bed. ‚Kuh, weibliches
Kalb‘ o. Ä. Möglicherweise hat hier eine me-
tonymische Übertragung ähnlich wie bei ai.
meṣá- m. ‚Widder‘ vs. ai. meṣ- f. ‚Schaffell‘
(s. u.) stattgefunden: ‚Sack, Balg‘ > ‚(weibli-
ches) Tier, von dem der Balg stammt‘ > ‚Kuh,
weibliches Kalb‘. Von hier könnte dann eine
Verschiebung zu ‚Frau‘ und schließlich auch zu
‚weibliche Scham‘ stattgefunden haben. Vgl.
auch die bei der Vorform von ahd. wîb ‚(Ehe-)
Frau‘ (s. d.) > nhd. Weib mögliche umgekehr-
te Bed.entwicklung, falls das germ. Wort tat-
sächlich zu toch. B kwīpe ‚weibliche Scham‘
zu stellen ist. Unklar bleibt die Zugehörigkeit
von thür. meste ‚Behälter für Salz oder Mehl,
runder Weidenkorb mit flachem Boden, runder
Behälter zum Pechsammeln‘.
Aus der urspr. Bed. ‚Tragkorb‘ entwickelt sich
sekundär die Bez. für ein Maß unterschiedlicher
Größe, als Korb oder Fass, bes. für Stückgut
und Kupfer, als Hohlmaß für Getreide. Se-
kundär ergab sich daraus dann auch die Bez.
eines Ackermaßes für das Stück Land, das man
mit einer Meise Korn besähen kann.