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klinse

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

klinse f.

Bd. 11, Sp. 1198
klinse, klinze, f. rima, spalt. 11) klinse bei Rüdiger zuwachs 2, 92, Adelung (in keinem wb. vorher), aber schon im 15. jh. und sicher weit älter: als sie die thüre nach inen zu getheten .. lugten sie durch eine spalte und klinsen, was mines furnemens sin wölt. N. Wyle transl. (guldin esel); du scharrest nicht den pfennig aus den klinsen. J. D. Gries ged. 2, 53. es gilt z. b. in Thüringen, Sachsen, hauptsächlich von spalten in dielen, thüren, fensterladen, treppenstufen, durch die man lugen kann. nach Adelung auch hohle stellen in einem strohdache. 22) klinze (noch lange nach Adelung in den wbb. fehlend): laszt ihn seine finger so halten, und durch die klinze sollen Pyramus und Thisbe wispern. Schlegel Shaksp. 1797 1, 219 (sommern. 3, 1), vorher spalte; liesz doch das ew'ge schlosz der himmelspforte nur eine klinze offen. dess. Calderon 1809 2, 52; dir sagts der geist, wie der wind sich dreht, du stopfest zuvor ihm die klinzen, und lauschest behaglich wies drauszen weht, du frohster verzauberter prinzen. Rückert 556. 33) verwandtschaft und nebenformen. 3@aa) zu klinze stimmt engl. dial. clint chasm, crevice Wright prov. dict. 317b, Halliwell 497a. 255b. auch in Schweden zeigt es sich vielleicht in landsch. glänta f. spalt in einer wand, glänt m. kleine öffnung, eine angelehnte thür str (steht) p glänt, auch p glint und p klämt (kläm, glätt u. a.), s. Rietz 203a. 3@bb) das g erscheint auch bei uns in glunse für klunse nach folg.; von Taubmann wird erzählt, er habe auf die frage warum manche frauen so viel mägdlein, manche so viel knäblein gebären, geantwortet: es solle i. f. gn. eine kugelform nehmen, in welcher so er zu wenig blei darin güsse, würde ein glünsgin darinnen werden, wo er zu viel, würde ein knöpflein heraus wachsen. Zinkgref Amst. 1653 2, 33 (1683. 1693 s. 37); in den Taubmanniana (1722 s. 200) steht zwar dafür ein unvollkommenes klümplein (dann ein vollkommenes knöpflein), offenbar mit andrer auffassung, aber das wird ein misverständnis sein. 3@cc) es gab nämlich auch klumpe f., spalt Rädlein 548a; 548b stellt er zusammen: klunse, klumse, klumpe, spalt, schrick, ritz, börst, kluft, schianto, schiantatura, fente, crevasse; es heiszt aber auch klunze, klünze, klünse, klümse, klimse, klemse, klimpse, klumpse (klipse), die meisten bis ins 16. 15. jh. zurück bezeugt, mit einer manigfaltigkeit wie sie bei wörtern hohes alters erscheint; es gilt die echten grundformen auszuscheiden. 3@dd) durch klumpe zunächst wird wol klimpse, klumpse neben klimse als echt gestützt, sodasz das p nicht eingeschoben wäre; eher wären die formen mit m durch ausfall dieses p zu begreifen (vgl.klempen a. e.); auch klipse (s. d.) stützt die form mit p als echt. nimmt man aber nl. klinke klinse hinzu (rima, rimula Kilian), hamburg. klinke winklicher schnitt oder risz (brem., brandenb. aber falte, mit klinke IV sich mischend), so stellt sich eine dreiheit des stammes dar, klimp, klint, klink (s. sp. 6). Merkwürdig wiederholt sich übrigens diese gestaltung bei einem nahe anklingenden worte: englisch glimpse zuckender vorübergehender lichtschein (auch ditm. glimps Groth Trina 143), dial. auch glemth und glench, schott. glint und glink, n. glimt, schwed. glänt m., glänta f. Rietz 203a, die beiden letztern aber sind zugleich lücke, klinse; man hat ja den eindruck eines solchen lichtscheins nie schärfer als wenn ein lichtstrahl durch eine klinse fällt, oder bei einem blitze (n. glimt) der wie aus einer lücke des gewölks kommt. doch vgl. glanz, glimmen. 3@ee) klinse, klunse und klimse, klumse zeigen aber ablautung, und die dritte vocalform ist vielleicht im ital. bewahrt: schianto spalte, sprung, schlitz (schiantare zerschlitzen u. ä.) hat an frz. éclat (Diez) keinen so guten anhalt wie an klinze, klunze, wegen des s- s. sp. 892 unten (vgl. übrigens chiantare). und wie zu klinze schianto, so stimmt zu klinke unter d s'ciancòn m., s'ciancar in Parma gleich schianto, schiantare Malaspina 4, 66, in Brescia s'ciancà und schincà, 'schincàt sciancato' (zerplatzt u. ä.) Melchiori 2, 198b. 197a. es können darin die goth. langob. formen zu klinze, klinke versteckt sein. über den stamm s. weiter klunse, zunächst klint. 3@ff) bei klinse, klimse ist fraglich ob das s echt ist oder aus mhd. ʒ geworden; mhd. klinʒe, klimʒe (vgl. schwed. klämt u. a) könnte sein wie binʒ binse 2, 37, bimʒ bimstein (s. bims, in Mones anz. 7, 164 bimtz pumex), bei denen freilich zwischen nʒ, mʒ urspr. ein vocal stand; vgl. gemse. echtes klinse aber wäre neben engl. clint wie flins neben engl. flint u. s. w., s. 3, 1802 (vgl. 5, 281 mitte), es ist gut gestützt, s. unter klunse.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    klinse

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    klinse s. klumse.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Klinse

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Klinse , plur. die -n, Diminut. das Klinschen, in einigen Gegenden, eine Ritze, Spalte, wo es auch Klünse und Klunse…

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Cotta, M. (2026). „klinse". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/klinse/dwb?formid=K07576
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Cotta, Marcel. „klinse". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/klinse/dwb?formid=K07576. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „klinse". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/klinse/dwb?formid=K07576.
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