Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
kleibar
Hss., 2. Hälfte des 9. Jh.s, alem. und 9. Jh.,
bair.):
‚(Große) Klette; lappa‘(Arctium
Lappa L.; vgl. Marzell [1943–58] 2000: 1,
374) (vgl. mhd. klettewurz). Determinativ-
komp. mit Schwund des Kompositionsvokals
vor w des HG (vgl. Krahe-Meid 1969: 3,
§ 22, 1) und Vereinfachung der Doppel-
konsonanz. S. kledda, wurz. – kleffariAWB m. ja-
St., Gl. 3,396,34 (Anfang des 13. Jh.s) und
Gl. in Erlangen, Ms. 396 (Ende des 13. Jh.s):
‚Schwätzer; loquax, verbosus‘(mhd. klef-
fære, klaffære, nhd. mdartl. schweiz. klaffer
‚Schwätzer (ält.), Teufel‘[Schweiz. Id. 3,
629], bad. klaf[f]eri
‚einfältiger Schwät-[Ochs, Bad. Wb. 3, 146], schwäb. kläf-
zer‘
fer, klaffer
‚Schwätzer, Verleumder‘[Fi-
scher, Schwäb. Wb. 4, 435], vorarlb. †kläf-
fer
‚Schwätzer, Verleumder‘[Jutz, Vorarl-
berg. Wb. 2, 76], ält. bair., tirol., rhein.
klaffer
‚Schwätzer‘[Schmeller, Bayer. Wb.2
1, 1326; Schöpf, Tirol. Id. 318; Müller,
Rhein. Wb. 4, 597], pfälz., siebenbürg.-sächs.
kläffer
‚jmd., der ständig und grundlos schilt‘
[Christmann, Pfälz. Wb. 4, 260; Schullerus,
Siebenbürg.-sächs. Wb. 5, 156], südhess.
klaffer
‚jmd., der ein erlauschtes Geheim-[Maurer-Mulch, Südhess. Wb.
nis weitergibt‘
3, 1358], ndsächs. klaffer
‚jmd., der gerne[Jungandreas, Ndsächs. Wb. 7, 274];
petzt‘
vgl. osächs. klaffersäcklein n.
‚Kind, das[Frings-Große, Wb. d. ober-
andere verpetzt‘
sächs. Mdaa. 2,543], schles. klaffersäckel
‚schwatzhaftes Kind‘[Mitzka, Schles. Wb. 2,
660], schlesw.-holst. klaffer- in Komp. wie
‚Klatschmaul‘[Mensing, Schleswig-holst.
Wb. 3, 132]; mndd. klaffer[e], kleffer ne-
ben unverschobenem klepper
‚Verleumder,; mndl. clepper[e]). Nomen agen-
Schwätzer‘
tis mit dem Fortsetzer des lat. Lehnsuffixes
575 kleddo – kledwurzS576
urgerm. *-ari̯a-. S. klaffôn, -ari. – kleffilaAWB f.
ōn-St., Gl. 2,699,64 (11. Jh.):
‚Lärminstru-(nhd. mdartl. vorarlb. kläffel
ment; sonitus‘
‚Karfreitagsratsche‘[Jutz, Vorarlberg. Wb.
2, 76]; vgl. schweiz. chläffeli
‚Klapper‘
[Schweiz. Id. 3, 625 f.; Stalder, Versuch eines
schweiz. Id. 2, 107 f.], els. kläffel pl.
‚Kinn-[Martin-Lienhart, Wb. d. els. Mdaa.
backen?‘
1, 490]). Ableitung mit der Kontinuante des
Suffixes urgerm. *-ilō- zur Bez. von Instru-
menten. S. klaffôn, -ila. – kleibAWB m. a-St., in
Gl. seit dem 10. Jh.:
‚Leim, Harz, Pech, Ver-(mhd. kleip, frühnhd. kleib, nhd.
bindung; bitumen, gluten, glutinum, viscosus
(pastus)‘
mdartl. schweiz. chleib m.
‚Anstrich, Auf-[Schweiz. Id. 3,
strich von Klebestoff, Farbe‘
613], schwäb. kleib
‚Lehm, Leim‘[Fischer,
Schwäb. Wb. 4, 468], vorarlb. kleib
‚Kleb-[Jutz, Vorarlberg. Wb. 2, 86], schles.
stoff‘
kleib
‚Putz, Mörtel, Kleber‘[Mitzka, Schles.
Wb. 2, 668]). Nomen postverbale. S. kleiben.
– kleibaAWB f. ō(n)-St., Gl. 2,721,51 (11. Jh.,
obd.); 4,69,32 (12. Jh.). 34 (15. Jh.); 5,39,17
(12. Jh.):
‚Leim, (Erd-)Harz; bitumen, glu-(nhd. mdartl. schweiz. chleiben
ten‘
‚Kleb-[Schweiz. Id. 3, 614], schwäb. kleibe
stoff‘
‚Klebstoff‘[Fischer, Schwäb. Wb. 4, 468]).
Nomen actionis zum st.v. I klîban (s. d.). –
kleibarAWB m. a-St.?, Gl. 3,382,27 (12./13. Jh.).
494,12 (11./12. Jh., alem.) und wohl auch
Gl. 2,489,23 (12. Jh.):
‚Leim, (Erd-)Harz;(mhd., frühnhd. kleiber
bitumen, gluten‘
‚Schmiere, Kot‘). Neben dem Nomen actio-
nis mit r-Suffix (vgl. Krahe-Meid 1969: 3,
§ 81, 2) ist dialektal ein Nomen agentis fort-
gesetzt (nhd. mdartl. schweiz. chleiber,
chleiper
‚Pfuscher im Kleisterhandwerk,[Schweiz. Id. 3, 615], els. kleiber
schlechter Tapezierer, Kurpfuscher, Stüm-
per‘
‚Schmierer‘[Martin-Lienhart, Wb. d. els.
Mdaa. 1, 489], vorarlb.
‚wer etwas be-[Jutz, Vorarlberg.
schmiert, schlecht malt‘
Wb. 2, 86], bad.
‚Maurer‘[Ochs, Bad. Wb.
3, 157], schwäb., bair.
‚Handwerker, der[Fischer,
Zimmerwände aus Lehm verfertigt‘
Schwäb. Wb. 4, 470; Schmeller, Bayer. Wb.2
1, 1320], pfälz.
‚Lehmwandmacher, Tün-[Christmann, Pfälz. Wb. 4, 288], thür.,
cher‘
osächs.
‚Facharbeiter für Lehmbau‘[Span-
genberg, Thür. Wb. 3, 453; Frings-Große,
Wb. d. obersächs. Mdaa. 2, 554], märk.,
schles.
‚Arbeiter, der Fachwerk mit Lehm[Bretschneider, Brandenb.-berlin.
S577kleiben – kleid 578
ausfüllt‘
Wb. 2, 1003; Mitzka, Schles. Wb. 2, 668]). S.
klîban. – Ahd. Wb. 5, 232 f.; Splett, Ahd. Wb.
1, 461. 463. 465. 1164; Köbler, Wb. d. ahd.
Spr. 665; Schützeichel7 177. 178; Starck-
Wells 333. 334. 335; Schützeichel, Glossen-
wortschatz 5, 232. 239 f. 253.