kinkerlitzen ,
pl. ein merkwürdiges md., theilweis auch nordd. volkswort. kinkerlitzen
heiszt es in Schlesien Weinhold 43
a,
in der Altmark Danneil 100
b, kinkerlitschen
im Göttingischen Schambach 100
a,
in Fallersleben Frommann 5, 150,
mit demin. endung kinkerlitzchen
in Thüringen, Sachsen, Berlin, auch in Waldeck Curtze 476
a,
immer nur im pl. gebraucht. 11)
die bed. ist 1@aa)
hauptsächlich flitterstaat, flitterkram, wertloser putz, so schles., sächs., thür., berlin., hannöv: Regine (
den übrigen putz im korbe besehend). und noch blümchen, und kinkerlitzchen ohne ende! Gotter
schausp. 216 (
die basen 1, 4). 1@bb)
kleinigkeiten überhaupt die glänzen ohne wert, z. b. spielzeug (Schambach);
in Waldeck davon sogar ein zeitwort kinkerlitzchen,
kleinigkeiten arbeiten. c)
flausen, täuschung, blendwerk (Danneil),
kleine lügen. flunkereien (
Wittenberg, auch sächs. u. a.)
; unnützes thun und treiben (
Fallersleben).
Es liegt darin sicher ein altes wort vor, dessen form auch bei ihrem gleichmäszigen auftreten in weiter verbreitung zuverlässig ist, nicht etwa aus kinderlitzchen
entstellt. 22)
deutlich sind darin zwei worte vereinigt. das litzen
pl. wird eins sein mit bair. litz
laune, grille, tirol. kniff, list, ahd. vorwand, s. J. Grimm
unter aberlitz 1, 33,
das selbst laune, wunderlichkeit bedeuten kann; das dort angezogne goth. lutôn
täuschen, betrügen stimmt trefflich zu dem hier vorliegenden begriffe, auch lat. ludere
das Diefenbach
goth. wb. 2, 150
damit zusammenstellt. in kinkerlitzen
dürfte aber die sinnliche bed. versteckt sein, die diesen allen zu grunde liegen wird. 33)
für den ersten theil des wortes bringen vielleicht heimische und fremde mundarten rat. 3@aa)
stamm und bedeutung finden sich wieder in einem ital. worte, für das auch Diez 394 (2, 18)
eine deutsche abkunft sucht: cinciglio
flitter mit dem man sich behängt, im pl. '
kleinigkeiten worin man sich verliert' (cencio
lappen, plunder);
it. ci-
entsteht freilich in der regel nicht aus germ. k.
sehr nahe liegt auch schweiz. ginggeli
n., ginggelizeug
spielzeug, nichtswerte sachen Stalder 1, 447 (
wegen des g
s. sp. 2
g). 3@bb)
noch mehr kommt herzu, wenn man zu kink
eine ältere nebenform kik
annehmen darf. im begriffe berührt sich mit kinkerlitzen
das gleichfalls md. kickerling
sp. 662,
und das heiszt auch kinkerling,
bedeutet auch selbst nichtswertes ding. in einem kinderbuche, dem tolpatsch, kommt vor, als geringschätzige abweisung: Hans dachte bei sich kinkerlink!
ganz wie kinkerlitzchen!
bagatelle! als abweisender ausruf. 3@cc)
den begriff des flitterstaats gibt ein nordital. wort, in Parma chiccheri
in der redensart andar in chiccheri,
sfoggiarla, vestir sontuosamente Malaspina 1, 401
b,
in Brescia chichera
putz, andà 'n chichera Melchiori 1, 136
a (
gemeinital. andare alla chicchera
aber betteln gehn, das.).
das ch
deutet ohnehin auf deutschen ursprung, und es stimmt dazu ein wort der deutschen gemeinden in den venet. Alpen, kickelen
putzen, zieren, gakichelach
n. putz Schmeller 136
a.
das wiederholt sich aber in England: kicking, kicky
smart, showy, well-dressed (kick
quite the top of the fashion) Halliwell 493
b,
schottisch kicky
putzsüchtig u. ä., kick
neues putzstück, besonders womit sich einer brüstet (
auch engl.) Jamieson 1, 635
b.
also derselbe begriff mit demselben stamme (kik
und kink)
durch so weite fernen von zeit und raum so genau bewahrt: man lernt daran an die alterthümlichkeit mundartlicher wörter von heute glauben, schon die Angelsachsen mögen das wort mit nach England, die Langobarden, Gothen mit nach Italien gebracht haben. 3@dd)
täuschung ist freilich gar leicht dabei. wie nahe liegt z. b. hier ein nrh. wort kickschoserei
kleinigkeiten, tändeleien (
Aachener mundart 105),
auch auf dem Fichtelgebirge geckschoserei Frommann 4, 259,
und engl. kickshaws
narreteien, und doch ist dahinter nichts als franz. quelques choses,
in der alamodezeit aufgenommen, s. z. b. Simpl. 1, 704 (4, 463
Kurz) geckschosen.