Wossidia
Karkhoff m. der um die Kirche belegene Hof, der in früherer Zeit auch in den Städten als Begräbnisplatz diente, so heißt es 1792 von SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev: 'leider muß ich es hier bemerken, beerdigt man noch immerfort die Todten in der Kirche und auf dem Kirchhofe in der Stadt'
N. Monschr. 1, 34; schon die Pol.-Ord. von 1763 empfiehlt eine 'Untersuchung und Vorschläge, ob und wie es ohne Nachtheil der Kircheneinkünfte möglich zu machen sey, daß die Verstorbenen nicht auf den sogenannten Kirchhöfen, noch weniger in den Kirchen selbst, sondern vor der Stadt auf einem besonders dazu bestimmten Gottesacker begraben werden' Bär. Ges. 4, 1, 169; in bezug auf Ro ordnet der Landesherr 1788 an: 'soll es von der Stadt lediglich allein abhängen, die Beerdigungen in den Kirchen einzustellen, die Kirchhöfe anders einzurichten, solche ganz abzuschaffen, und dagegen ausserhalb der Stadt Gottesäcker
[] anzulegen' Sa. Land-Ges. 6, 513; Unbekannte, Ortsfremde und Ortsarme, auch Selbstmörder wurden in einem besonderen Winkel des Kirchhofes, 'der elenden Seite', begraben Horn Selmsd. 1, 331; in katholischer Zeit hat man die Leichen ungetaufter Kinder nicht 'in de Kercke, noch up einen gewyeden Kerckhoff, sonderen dar harde by up einen elenden Kerckhoff, alse se en nOemen, edder an de Kerckmren under den drppelvall, ane Ceremonien begraven' Gry. Lb. 3, N 4
a. Der Gebrauch der Kirchhöfe als Viehweide wird früh gerügt, so sollen 'die Küster ... das Vieh auf dem Kirchhof pfänden, Pferde, Ochsen auf 8 ß, Schweine nach der Größe auf 3, 2, 1 ß, eine Ziege auf 1 ß, ein Lamm auf 6 ß und das Pfandgeld behalten' (1599) Masch Ratz. 575; treibt jem. das Vieh vorsätzlich auf den Kirchhof, 'so soll es geschlachtet und den Armen gegeben werden' 576; Horn Selmsd. 1, 330; aus WaWaren@MollenstorfMollenstorf berichtet der Pastor, der das dortige Filial betreute, 'daß die Dorfleute auf dem Kirchhof mit Gänsen und Schweinen ... hüten, die Hirtenleute gestehen, daß des Küsters Vieh darauf gehe, meine Pferde müssen des Sonntags bei solchen Umständen da viel hungern' (1765) Arch. Landesk. 16, 340; doch scheint dem Küster die Grasnutzung auf diesem Platz von alters her zugestanden zu haben, wie aus Gry. Paw. Nn 2
a hervorgeht: 'idt hefft syn bescheidt, worumme nicht alle KOeyhe, sondern alleine des KOesters Kohe up dem Kerckhave graset'; ähnl.: Kösters Koh kann up 'n Kirchhoff grasen HaHagenow@BoizenburgBoiz; 1668 beschweren sich 'die Städte Rostock, Neuenbuckow und Kröpelin über die Schwaanschen ..., daß selbige ... des Sonntags auf den Kirchhöfen das Brot feil hätten' Spald. Land. 4, 329; aus Schw erging noch 1837 'ein tadelndes Rescript darüber, daß der Kirchhof zu Sägeplätzen, zu Bauanlagen, Aufstellung von Wagen, Steinen, leeren Tonnen
u. dgl. benutzt werde' Arch. Landesk. 14, 283. Sprachliche Belege: 'ock schal ein jewelck, de idt vermach alle Fridage eins gaen ümme den Kerkhave van den vorbenohmten Secken (Siechen) und betrachten dat lident Gades ock tho hilpe und tho troste miner und miner Oldern Sehlen' (WiWismar@WeitendorfWeit 1424) D. Schrö
d. Erstl. 353. Der Kirchhof ist die Stätte des Friedens und der Ruhe: 'dat de zo zeker scal wezen, ift he up deme karkhave edder in der wedeme were' (1469) Jb. 25, 303; der des Lebens Überdrüssige sagt: wenn 'n ierst so olt is, denn is dat ok am besten, wenn 'n up 'n Kirchhoff slöppt, denn is 'n allens ut 'n Wäg' un hett allens reichlich RoRostock@BentwischBentw; ein roher Zechbruder ruft seinem Genossen beim Zutrinken zu: 'ydt gelt dy einen runden Kerckhoff, darmit he menet ein Radt by dem Galgen'
[] Gry. Lb. 2, R 3
a;
Karkhof Egg. Trems. 111; 123 u. öft.; der Volksmund braucht meist die hd. Form: Kannich liggt up 'n Kirchhoff un Magnich liggt dorbi; wer de Welt nich vermihrt, is den Kirchhoff nich wiert Schw Pinn; dee gahn all' vör mi nah 'n Kirchhoff sterben vor mir WiWismar@WendorfWend; derb von einer Frau, die viel im Dorf herumläuft: dee ehr Noors kann sick ok freuen, wenn he up 'n Kirchhoff liggt HaHagenow@RedefinRed; Eltern, deren Sohn nach Amerika auswanderte, klagen: dat is so got, as wenn 'n em nah 'n Kirchhoff dragen hett Wa; wenn ein Mann eine alte Frau heiratet, meint man: dat helpt em doch nich, dor möt he alle Dag' mit vör 'n Kirchhoff hollen Ha Hagenow@RedefinRed; im Rätsel vom Floh: von Griwwelstock up Nägelskopp, von Nägelskopp up 'n Kirchhoff Wo.
V. 1, 28 a 3—4; im Wiegenlied: Süsing brummsüsing, wat süselt de Wind, Achter den Kirchhoff dor leg' 'n lütt Kind 3, 32. Zs. Judenkirchhoff. Früher herrschte allgem. der Glaube, daß der Sterbende sich in der Nacht vor seinem Tode auf den Kirchhof begebe, um seine Grabstätte zu besehen Bartsch 2, 88; die Bäume auf dem Kirchhof wachsen schief, wenn ein Selbstmörder darauf liegt MaMalchin@KittendorfKitt; das Feuer zum Gießen der Freischützenkugeln muß man mit drög' Holt von 'n Kirchhoff anböten Wo. Sag. 1, 211; auf dem alten Kirchhof in StaStargard@Alt StrelitzAStrel versuchen de Afsid'schen, die an der Kirchhofsmauer liegen, in der Geisterstunde auf den Kirchhof zu kommen Pfitzn.-K. 101; in 'n Tweelichten geht dort ein langer Offizier in einer Uniform aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges um ebda; ein Segen gegen die Rose lautet: 'Ich stehe auf dem Kirchhof, Ich höre die Glocken klingen, Ich höre die Engel im Himmel singen' Staak Krankh. 203
b. FN.: 'Armenkirchhof', ollen Kirchhoff, Karkhœwen, 'Karckhöfische Coppel', Karkhoffswisch. Mnd.
kerkhof. Dä. 219
a; Kü. 2, 81; Me. 3, 53; Schu. 21.