Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
karacter stM.
2 ‘Kennzeichen, Prägung, Gepräge’
1 ‘Buchstabe, Zeichen’ Kyôt der meister [...] vant / in heidenischer schrifte / dirre âventiure gestifte. / der karakter â b c / muoser hân gelernet ê, / ân den list von nigrômanzî Parz 453,15; an des steines drum [Rand] / von karacten ein epitafum / sagt sînen namen ebd. 470,24; er lêrte in die karacter ê / in kriecheschem daz abc UvEtzAlex 1277. – (magische oder heilige) Zeichen mit übernatürlicher Wirkung: all die maister, die in der zauberkunst lêrent, [...] sprechent, daz die götter und die gaist, die man anruoft mit pildengeschrift, die karacteres haizent, und mit insigelgraben, oder daz graben, daz man in vingerlein tuot, die zaubrær dester ê erhœrnt, wenn si in weirach opfernt BdN 377,23; [der Kaiser beschuldigt den Hl. Georg:] ir habt karacterschrift [La. karatheres geschr. ] gelesen, / und beswert den tiuvel Georg 1830; GFrau 2437; KvWTroj 10558; Reinfr 21672. – hier für das christl. Symbol des Kreuzes (vgl. FrlWB S. 181): der kracter [d.i. karacter ] hat so starc gevider, / gein siner vetchen [Fittiche] winken / varn uf des himels klinken [springt die Himmelstür auf] Frl 2:16,14 2 ‘Kennzeichen, Prägung, Gepräge’ kein mensche sô grôze sunde mochte getân haben, sturbe her zu hant sô he getouft wurde, her fure âne fegefûr in daz êwige leben; wan si [Taufe] wirket ein karacter in der sêle, daz man nummer geanderweiden [wiederholen] indarf HvFritzlHl 53,38; wan als ir híe gewirdet unde geêret sît, als vil sît ir dort in den êwigen freuden geêret; wan swenne man iuch wîhet, sô wirt ein karacter gedrücket in iuwer sêle PrBerth 1:362,7; ach Mynne, [...], / wo also din gestrakter / minnen sußer karackter / wirt in wider mynne gedrukt, / da selbest alles truren tuckt / und kan do niht beclyben Minneb 1340. – den smit dâ mit [mit der Bitte, aus dem Wachsabdruck eine Kopie des Schlüssels anzufertigen] erschracter, / wan im die karacter / wâren alzu meisterlich HvFreibTr 5988
MWB 3,1 151,13; Bearbeiter: Richter