Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
irrunge stF.
2 ‘Verirrung, Irrglaube, Ketzerei’
3 ‘Störung, Beeinträchtigung, Hinderung, Widerspruch’
4 ‘Unsicherheit, Zweifel’
5 ‘Irrtum, Fehlurteil’ (vgl. irretuom 3 )
1 ‘das Sich-Verirren, Umherirren’ ob etswer hede / ein hundert schaf vnd eins gedrede / an irrunge uz der rehter pliht, [ et erravit una ex eis Mt 18,12] / lieze er die nune vnd nunzig niht / vf dem gebirge vnd suchen gat / nach dem, daz da verirret hat? EvStPaul 169; ym dan / vil grozer freude ab ym [dem verlorenen Schaf] erstat, / dan er von nun vnd nunzegen hat, / den kein irrunge wart erkant ebd. 177 2 ‘Verirrung, Irrglaube, Ketzerei’ ez stent vf vil valscher christi vnd valscher propheten. vnd gebent grozz zeichen vnd wunder. also daz di menschen in irrvnge ingeleitet werdent [ ut in errorem inducantur Mt 24,24] EvAug 60,12. 74,22; her [der Evangelist Johannes] widertreip virleige irrunge, di virleige meistere hilden HvFritzlHl 159,7; so was die andere part alda, / die hiezen Arriani, / den was vil irrunge bi, / die uz dem gelouben tragen Pass III 242,42. 356,4; und denne vallent sú in gruweliche irrunge Tauler 14,14; BdN 217,25. 377,25. HvNstGZ 3507 3 ‘Störung, Beeinträchtigung, Hinderung, Widerspruch’ iedoch von dem winnde chöment irrung unnd mißlich fraise [ impedimenta et diversa pericula ] in dem mere unnd auf der erden HvHürnh 18,6; ir [sieben Künste] suͤlt mir [personif. Weisheit] machen einen wagen / uf dem ich erde und mer / uber var an alle wer [ohne Widerstand, ungehindert] , / und daz er durch die himel dri / ane alle irrunge vertig si HvNstGZ 786; Sphera 64,30. – bes. in der Rechts- und Urkundensprache (vgl. WMU 2,950 und DRW 6,330ff. mit differenzierter Gliederung und zahlreichen weiteren Belegen): daruber verzihe ich mich als gewaltes, aller irrunge, aller ansprach, die ich mohte oder kúnde gehan UrkCorp (WMU) 1859B,29; vmb die irrunge der strazze, di man dez gotshouses leuten tuͤt ebd. 695,38; [die gemeinde soll den einungern ] beholfen sîn, ob sie von ieman stôz [Streit, Konflikt] oder irrunge angienge von den vor oder nâch geschriben gesetzeden und einungen StRDinkelsb 101; in der Wendung âne (alle) ~ ‘ohne Einschränkung, Widerspruch’ ane alle irrunge vnde widerrede vnser vnde vnser erben UrkCorp (WMU) 215,2 u.ö. 4 ‘Unsicherheit, Zweifel’ swenne disiu [göttliche] wîsheit mit der sêle vereinet wirt, sô ist ir aller zwîvel und alliu irrunge und alliu dünsternisse alzemâle abe genomen Eckh 1:18,5; alsô tut der heilige geist in der vornunft; her scheidet von ir alle irrunge und alle valscheit und allen wân und allen zwîvel und durchfûrit sin in blôze wârheit, alsô daz si nicht irren mac HvFritzlHl 129,38; LvRegSyon 974; Parad 128,8 5 ‘Irrtum, Fehlurteil’ (vgl. irretuom 3): wann nu der vorgemelt arttikel yederman nit wol verstentlich gewesen und deszhalb vil irrung entstannden ist, umbe daz denne sölicher irrikait deszhalb nit mer nott tuͦn werde, so hautt ain michle raut [...] die sache also gesetzt und geluͤttert StRAugsb 142,4
MWB 2 1987,59; Bearbeiter: Hansen