Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
honec|sein stM.
2 bildl. und im Vergleich exemplarisch für Süßes, Angenehmes, Gutes überhaupt,
1 allg.: wiltu rosin lange haldin vrisch, so lege si in honig seym; so vulin si nicht Pelzb 129,3; nim einen reinen honicsaum, den suͤde BvgSp 2; man derkennet aber daz lauter [ himelprôt ] von dem unlautern alsô, daz daz lauter [...] inwendich etleich hölr [Lufteinschlüsse?] hât sam der honigsaim BdN 90,24; Barth 137,28. 149,5. – Tropfen, Rinnsal von Honigseim oder Honigtau (vgl. honecseimelîn ): er sach ûz einem aste, / samfte, niht ze vaste, / ein kleine honicseimes gân RvEBarl 4697. – mit Honigseim gefülltes Stück Bienenwabe: also vant er [Samson] bina und ainen honechsaim [vgl. favus mellis Idc 14,8] in dez lewen munde. den nam er her uz und âze den ûf dem wege PrSchw 1,15; do brochten sy ym eyn stucke vysches, daz waz gebroten, unde honycseym [ favum mellis Lc 24,42] EvBerl 90,11; SHort 10055; vgl.: vnd si brahten im ein teil eins gebraten visches. vnd einen vladen hönichsaimes EvAug 208,11. – in Vergleichen: des [Gottes] es [das Herz] die wile also vol ist alse ein linde simel broseme in honecseim getvnket DvAStaff 344; sus lît er dâ in sîner stift, / die er het erbouwen, als diu bîn in wift [in der Honigwabe] / ûz maniger bluot würht daz man honcseim nennet Loheng 7610 2 bildl. und im Vergleich exemplarisch für Süßes, Angenehmes, Gutes überhaupt, häufig bitterer galle gegenübergestellt (vgl. 1galle 4 und honec 2): her Symon von Guͦntheim, / der ist der tugend honigseim MinneR 480 408; man sol niht sêre die heiligen schrift / durchgrübeln, daz iht der sêle gift / stecke in valschem honicseime Renner 13539; sin [des Teufels] honigseim ist bittrer dann die galle RvZw 301,7; Frl 9:19,22; HeslApk 14578. – sprichw. von schmeichelnder, täuschender Rede: sie [Heuchler] tragen alle in irme herzen bitter gallen / und in ir munde honichseim. ôwê den allen! Rumelant (R) 4:12,10. – im Zusammenhang einer auf das Göttliche bezogenen heiligen Süße (vgl. süeʒe): din wort mir verrer suzer ist / herre in dem munde min / denne honich oder honechseim sin [vgl. Ps 118,103] Albert 222; dise suͤssikeit die gat úber alles honig und hongseim, das uswendig das suͤsseste heist Tauler 228,13; man vindet wahs und honicseim / in disem buoche [...]: / honicseim bediutet der heiligen lêre Renner 24504. 22404. 17320. – spez. von Christus: der süeze honecseim, / gotes sun Philipp 2374. – im biblischen Bild für Überfluss: ich [Gott] si [das Volk Israel] uon Egypto / lôse mit gewalte, / uon dem ellende / ze bezzereme lande sende. / dâ vliuzzet der honich saim, / miliche ein uil michel teil Exod 519
MWB 2 1679,62; Bearbeiter: Hansen