Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
herbërgen swV.
2 ‘Quartier schaffen, besorgen; jmdm. Unterkunft bei jmdm. zuweisen’
3 ‘irgendwo, bei jmdm. (als Gast, Fremder) vorübergehend wohnen, übernachten, Quartier beziehen, Unterkunft finden’
3.1 allg.
3.2 in rechtl. Kontext
4 ‘jmdm. Unterkunft geben, jmdn. unterbringen, gastlich aufnehmen’ , vereinzelt refl.: ‘sich wo niederlassen’
4.1 ohne weitere Bestimmung
4.2 mit Ortsangabe
4.3 mit Richtungsangabe
1 ‘(an einem Ort) ein (Heer-, Feld-)Lager errichten, einen Lagerplatz abstecken, sich lagern’ zwischen Magdalôn unde Belsephôn / dâ begunden si herbergôn, / an dem stade bî dem mere / dâ herbergôt daz selbe here Exod 2978. 2980 (Ex 14,2); her herbergete do aller vurderost / mit den sinin heleden / inzusken den menigin Roth 2658; der rûfere [Herold] sal bî dem marschalke sîn geherberget [ hospitari ] StatDtOrd 114,24. 113,13; herbergen ist loyschiern genant Wh 237,3. – mit Richtungsangabe: alse die helede guote / geherbergeten / vffe den sant bi dem mere Roth 3587; dô hiez der hêre Ênêas / alle sîne holden, / [...] herbergen an daz velt / unde selbe sîn gezelt / vor der borch ûf slân En 9201; si hiezen herbergen für den grüenen walt NibB 928,1; Gâwâns marschalc wære komn: / der herberget ûf den plân Parz 668,25. 682,4; von Mîsne bischof Mertîn / dâ herbergte neben in Kreuzf 1184. – in subjektlosem Passiv: sô nû geherberget wirt, / [...] Wh 460,23; nâch dem sô geherberget ist, sô sulen die brûdere [...] StatDtOrd 113,24. – subst. Inf.: swenne man diu gezelt / durch herbergen ûf sluoc UvZLanz 9076. – tr. ‘etw. als Lagerplatz nutzen’, hier präd. Part.Prät.: daz mer man allenthalben siht / geherbergt zehen mile lang. / von den kyelen ist gedrang, / von koken barken tragmvnt TürlArabel F 866 2 ‘Quartier schaffen, besorgen; jmdm. Unterkunft bei jmdm. zuweisen’ vrowe mîn, / [...] ich wold des marschalcamptes mich / hînt underwinden [...]. / herbergen wold ich in der stat / gewalticlîch [kraft meines Amtes als Marschall] UvLFrd 250,5; dô der tuomvogt ze Wienen quam, / er herberget sô als daz wol zam, / in al der stat gewalticlîch. / da enwas dehein burgære sô rîch, / er müest in dâ herbergen lân. / dô das herbergen was getân [...] ebd. 250,26. 29; mîn herre mich vür gesendet hât, / des marschalc bin ich alhie, / wâ ich geherberge oder wie Mai 210,38; wir wellen auch, daz dehain vnser marschalch [...] ninder hintz dehainem purger gestte herwergen suͦl, an swo im der rihter hin zaige, [...] vnd svͦln auch bede der rihtær vnd der marschalch dehain miet dar vmbe enphahen, si herwergen als zimlich vnd pillich sei. si suͦln auch niht herwergen datz den witiben vnd datz den hausgenozzen UrkCorp (WMU) 2345,41,43,44 3 ‘irgendwo, bei jmdm. (als Gast, Fremder) vorübergehend wohnen, übernachten, Quartier beziehen, Unterkunft finden’ 3.1 allg.: sie quamen zvͦ einer burcstete, / da der gotis holde / inne herbergen solde Ägidius 1294; geherberget ein man / dâ ims der wirt wol gan, / dem gezimt deste baz / sîn schimpf unde sîn maz Iw 2689; ob ein brûder wizzentlîche unde âne nôtdurfte zu den herberget, dî dâ sint bôses lûmundes StatDtOrd 82,4; si soͤnt oͮch [...] also herbergen, das si moͤgen betten und sclaffen von den lúten under einem sunderlichen tache Mechth 4: 27,40; in den perg ain weytes loch, / dar inn der ausserwelte degen / herbergte fur den regen HvNstAp 6720; HlReg 35,24; Lilie 18,28; ParzRapp 394,16; Seuse 284,30. – in subjektlosem Passiv, wohl hier anzuschließen: von gesinde noch von gesten / wart geherberget / sô wunneclîchen alse hie Tr 601. – übertr.: do der [Gott] da geherbergote der si gebildote, / also geistlichen si [Maria] in enphie AvaLJ 5,5; also scult ir ime garwen daz hûs iwers herzen unde scult daz reinen uon aller slahte unrehte, so herberget min trhotin in iwerm herzen unde gît îv die ewigen genâde Spec 138,3; noch ist ein hüs, daz dem almehtigen got vil lieb ist [...]. das ist eines iegelichen seligen menschen hercze, [...] daz da rain ist von haupthaften svnden: [...]. do hat inne geherberget chuͤsch vnd diemvͤt, gedulte vnd gehorsam, triͤwe vnd warhait Konr 23,71; cunst unde nâhe sehender sin [scharfe Urteilskraft] / swie wol diu schînen under in, / geherberget [gesellt sich] nît zuo zin, / er leschet kunst unde sin Tr 35 3.2 in rechtl. Kontext: swer mit gewalt uf den andern herberget, der ist fridebræch MGHConst 2:598,41 (a. 1256); der Geschädigte erscheint auch als Akk.-Obj.: swer den andern mit gewalt herwerigt, [...] daz sol er im mit der zwigvͤlt gelten UrkCorp (WMU) 475AB,31,34. – im Zusammenhang mit Herbergsrecht bzw. Beherbergungspflicht: wil der voit herbergen in die stat, daz sol er tuͦn, swelhen enden er wil, an der stete schaden UrkCorp (WMU) 29,43,44,46,47; ez sol chein graf in siner graschaf [...] mer herbergen danne dristund in dem iar DRW 5,739f. (Rockinger, Dm.; a. 1256); subst. Inf., hierher oder zu 4: die korherren von Illimvnster die gebint fvr daz herbergen anderhalben mvtte waitzn vnde zwæne mvtte rocken vnde fvnfzehn mvtte habern UrbBayÄ 1325,e; UrkCorp (WMU) N109AB,5,4. N770,16 4 ‘jmdm. Unterkunft geben, jmdn. unterbringen, gastlich aufnehmen’, vereinzelt refl.: ‘sich wo niederlassen’ 4.1 ohne weitere Bestimmung: ir sult [...] den durftîgen herbergen Spec 45,26; dô wart geherberget Gêre unt sîne man NibB 744,1; ein wirt herbergte geste / und tet in daz aller beste StrKD 116,1; di reine was verschalden, / so daz si nieman halden / noch herbergen solde Elis 4929; swaz geste kvmet mit hvnden vnd mit vederspil vnd mit vil gesindes, die sol man niht herwegen SpitEich 14,5; swer herberget oder spîset wizzenlîche einen man der veræhtet ist, er muoz dar umbe wetten die hant SpdtL 220,11; swer der ist, der ein unendelich versprochene frauwen huset oder herberget WüP 62,4 4.2 mit Ortsangabe: daz si herbirgen ein durftigen. daz och si got hêrberge in sineme riche PrWack 17,6; daz klôster [...], / dar man die herren herberget Ottok 9818; nu enthielt der stern sich alda / gliches ob dem dache, / da aller vreuden sache / geherberget inne was Pass I/II (HSW) 2307; übertr.: eya du allersnoͤdestú creatur, wie lange wiltu din unnútze gewonheit herbergen in dinen fúnf sinnen? Mechth 7: 3,8 4.3 mit Richtungsangabe: man herbergte si wol / in ein hûs, daz was vol / alles, des man haben solde Ottok 75267. – übertr.: siv geherbergote aber den aller hohesten got in die tovgini ir libes PrWack 8,47; refl.: so herberget sich got in daz haus MvHeilGr 1840. – hierher oder als intr. zu 3: die boten herbergen hiez man in die stat NibB 152,1. 248,1; Kudr 319,1
MWB 2 1379,6; Bearbeiter: Tao