Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
herbërge stswF.
2 ‘(vorübergehende) Unterkunft (bes. für Fremde, Gäste), Quartier, Gasthaus’
2.1 allg.
2.2 in besonderen Verbverbindungen, oft artikellos
3 ‘Beherbergung(spflicht), Herbergsrecht’
4 ‘Wohnung, Wohnstätte, (Wohn-)Haus’
4.1 mit Poss.-Pron.
4.2 ohne Poss.-Pron.
1 ‘(Heer-, Feld-) Lager, Lagerzelt, -hütte’ in die [feindliche] herberge si în ranten Kchr 15813; uon den herbergen er reit Rol 1650; dô Turnûs solde dannen / varen mit sînen mannen / hin ze herbergen En 6471; daz velt herberge stuont al blôz, / wan ein gezelt, daz was vil grôz Parz 54,11; kvnig Bilas / [...] hiez blasin die businen, / [...] vn̄ dy gecelt uf hebin san, / der reise beginnen, / ir herberge brinnen Athis A** 7; die herberge wurden an gezunt Wh 316,25; die brûdere sulen ouch von den herbergen [ de castris ] oder von dem hûs niht sô verre âne urlop varen, daz sî daz gerûfte, ob ez wirt in dem here, oder die clocken niht mugen gehôren StatDtOrd 114,10. – Jagdlager: dâ mit [mit dem Hornsignal] in wart erkant, / daz man den fürsten edele dâ zen herbergen vant NibB 944,4; jâ sih ich einen bern, / der sol mit uns hinnen zen herbergen varn ebd. 947,3. 951,1. – ~ nemen, vâhen (mit Richtungs- oder Ruhekonstr.) ‘(an einem Ort) den Lagerplatz abstecken, das Lager, die Zelte aufschlagen, sich lagern’: ûf den plân / nam er [der Marschall] herberge wît Parz 354,11; dâ nâmens ouch herberge / ûf einem vesten berge Tr 5501. 5611; dem here was herberge genomen / [...] zeime klôster: daz verbran Wh 202,19; sô der vane gesetzet ist, umme den sulen sî herberge nemen zu ringe ûzewendic der capellen snûren StatDtOrd 113,2; wanne die brûdere ir herberge sulen vâhen ebd. 113,9; dekein brûder sal ime selben noch sîner geselleschaft herberge vâhen, ê danne der marschalc geherberget wirt ebd. 113,12 2 ‘(vorübergehende) Unterkunft (bes. für Fremde, Gäste), Quartier, Gasthaus’ 2.1 allg.: jan’ hânt niht mêre sorge dise degene / wan umb’ die herberge, [...] / wâ wir in disem lande noch hînte nahtselde hân NibB 1636,3; sîn herberge ist mir gesagt, / daz er die schœnen stat vermeit / und eine smæhe gazzen reit / vor dem graben in ein hiuselîn Wh 112,6; daz korn muost unser herberge sîn UvLFrd 339,26; sin este verre fur sich gant, / so daz dez hymels fogel hant / vnder dem schaden reste / als in herburgen geste EvStPaul 2971 (vgl. Mc 4,32); tabernum: herberge UrkKölnSchr 1,237. – bildl.: do mahte im [Gott] wol gecemen / div herberge also reine, / sin muͦter v̄ mæit al eine Wernh D 2503; des heiligen geistes rat, / der in sines herzen grat [in seinem Herzen] / volle herberge vant Pass I/II (HSW) 20315; Loheng 1523. – im Zusammenhang mit Bürgschaftsverpflichtungen als Ort des Einlagers: so svln die selben bvͤrgen, ob sis gimant werdent, zi Alzey in ein herbergen varen UrkCorp (WMU) 673,9. 1638,43 u.ö.; eine êrbære, êrsame, offene ~ s. DRW 5,736 2.2 in besonderen Verbverbindungen, oft artikellos: – ane bieten: daz er [ der wirt ] [...] sî vrœlîch enpfienc, / und bôt sî die herberge an Iw 5943. – biten: der herberge begunde si bitten Kchr 1583; [der Pilger] bat der hereberge in der minne [ in caritate ] KLD:GvN 40: 1,5. 40: 2,5; swenne nôthafte liute, / [...] bâten der herberge Sibote 67; si hât’ ouch bî aller wochen / sente Gedrûden nie gesprochen / noch umb kein guote herberge gebeten Reiher (GA) 381. – enphâhen: di selege furstinne / kunde umme godes minne / joch mit keiner leie rede / zu Isenache in dirre stede / herburge nie enphahen Elis 5001; in die stat Samaritaner / sie [...] gingen, / daz sie ym herberge enphingen [damit sie eine Unterkunft für ihn besorgten] EvStPaul 7657 (Lc 9,52). – geben: sante Gêrdrût dir herberge gebe Tobiassegen 78; guote herberge gap man den gesten sint NibB 1297,4; man gap in herberge unt hiez behalten ir gewant ebd. 1433,4; KarlGalie 13422. – gewinnen: dâ si herberge gewan / dar ne mûste dehein man / neheine wîs nâher komen En 5231; dô mit den gesten [...] / hûs und stat gevüllet was / und man herberge in gewan, / daz man ir nimmer mochte hân, / dô sluoc man hütten und gezelt / alum die stat ûf daz velt / von pfelle und ouch von sîden HvFreibTr 565. – nemen: den gesten herberge wâren nu genomen NibB 1179,1; die guoten herberge er dô nam, / daz im von wirte selch gemach / eines nahtes nie geschach Iw 976; mit Richtungs- oder Ruhekonstr.: daz si [die Einwohner] herberge næmen in daz lant [außerhalb der Stadt Quartier nahmen (um alle Gäste in der Stadt unterzubringen)] NibB 1363,3; an eine scône wisen breit / heten herberge genomen / ir boten En 5307; er und sîn trûtgesellîn, / und nâmen ir herberge / in dem velse und in dem berge Tr 16771; HvFreibTr 6034; UvLFrd 160,18; KvWTroj 25047; Elis 4900. – schaffen: dô schûf man dem helide / herberge unde selide En 6260; NibB 512,1. 1176,4. – ze ~ sîn ‘übernachten’: ez sol auch chain froͤmder vischer pey der stat vischern ze herwerg sein StRMünch 442,18. – suochen: er gie zuo einem berge, dar ûf ein burc stuont, / unt suochte herberge, sô die wegemüeden tuont NibB 485,4; ein herburge er suͦchte, / da inne ouch he geruͦchte [...] / gemaches sunderliche plegen Elis 223; mit Dat.d.P.: man suochte herberge, die besten, die man vant, / Sîvrides knehten NibB 128,2. – tuon: ich hain vur bereit mich dar zo, / dat ich uch guede herberge do HagenChr (G) 1950. – vâhen: an der friunde selden froun Hilden [für Frau Hilde] si dô herberge viengen [Unterkunft bereiteten] Kudr 465,4; bildl.: nu begunde ouch strûchen der tac, / daz sîn schîn vil nâch gelac, / unt daz man durch diu wolken sach / des man der naht ze boten jach, / manegen stern, der balde gienc, / wand er der naht herberge vienc [für die Nacht Quartier machte] Parz 638,6 3 ‘Beherbergung(spflicht), Herbergsrecht’ her mûz [darf] niechein gebot, noch herberge, noch bede, noch dînst, noch chein recht [Pflicht] uffez lant sezzen, ez en willekore daz lant SSp (W) 3:91,3; daz dorf [...] git ovch zv bête drv phvnt vn̄ zv einen male īme iare ein herberge, zv grase mit zehen rittern oder zv hovwe mit fvnf rittern UrkCorp (WMU) N 350,33; daz unser hof in dem selben dorfe [...] vrî vn̄ ledik sîn sol vor allen betten, herebergen, getwancsal, diensten vn̄ stîvren ebd. 1480,5; daz ihc min herberge sol han vf dem selben guͦte ebd. 2282,26; u.ö.; aver ze Swaige git man zwa herberge, aine bi dem hevͦ, die ander bi gnaden oder zwai pfvnt UrbBayÄ 1484,g. – Abgabe zur Ablösung der Herbergspflicht: ouch han wir [...] zcuͦ lene [...] zcwenczig hofe und zcen schillinge geldes, daz heizzet herberge LehnbMeissen 179 4 ‘Wohnung, Wohnstätte, (Wohn-)Haus’ 4.1 mit Poss.-Pron.: die magit begunden si uragen / ob si im wolde volgen zir eigen herbergen [vgl. zuo eigenen seliden Gen 1019 ] GenM 43,29; dô der vride wart getân, / daz volc huop sich von strîte sân, / manneglich zen herbergen sîn Parz 413,23; der keiser der ist hin / gevarn an die herberge [= palas V. 198 ] sîn Wildon 3,193; wer den andern haimsuͦcht in zorn oder mit scheltworten oder in auz seiner herberg her auz vodert OberBairLdr 181 4.2 ohne Poss.-Pron.: swâ obene bî dem wazzer ein herberge stât, / dâ inne ist ein verge NibB 1544,2; vrow, du kunds din vröude bergen, / bitz du quems zuͦr herebergen, / da din nichte ze wanen plach MarlbRh 71,36; wonunge oder herberge SSp (W) 2:71,2; StatDtOrd 114,15; so sie nu da herburge enphingen [ qui cum domi essent Mc 9,32] EvStPaul 3943; zen herbergen [nach Hause] giengen die liute von der stat NibB 1057,1. 1822,4; sus gienc ez vrolic her abe / und quam zu herbergen sint MarLegPass 25,217; Tr 2251. 18405; HvFreibTr 1151. 1223; in relig. Sinne: got gebe iu, frowe [Frau Welt] , guote naht. / ich wil ze herberge varn Walth 101,22. – hat ein man eigen rouch, daz ist gemitte [gemietete] herberge StRFreiberg 44,17. – an einem Ort, in einem Haus zur/ ze ~ sîn ‘wohnen’ Veredemius [...], / mit dem er [...] / was da zur herberge / in einem wilden walde Pass III 454,83; derselb unser rat sol och von sin selbes hus, da er selb wil ze herberg inne sein, [...] niht stiwren StRMünch 41,20 (= UrkCorp (WMU) 1975AB,33,32 ).
MWB 2 1376,33; Bearbeiter: Tao