Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
hantgemâl stn.
1. das wort erscheint in folgenden formen: hantgemal, hantgemahel, hantmal, hantmahal, hantmæhele, hantgemælde, hantgemæle; eine scheidung aber nach den stämmen mahal und mâl ist nicht anzunehmen, sie fallen vielmehr alle zu letzterem worte trotz der auffallenden häufigkeit der schreibung mahal selbst bei sonst correcten schreibern. es ergiebt sich dies aus den bedeutungen.
2. es bedeutet
a. überhaupt ein durch die hand bewirktes zeichen, wie ähnlich gesagt wird nagelmal. vgl. Msh. 3,161. a, wo es vom gekreuzigten heisst do er die hantgemele empfienc durch die wir erlœset sîn, und alt. bl. 1,258ff. wo ein durch schläge und stösse gegebenes zeichen hantmâl genannt wird, doch so dass es bereits doppelsinnig auf die folgenden bedeutungen hinweist.
b. das handzeichen, in glossen manuscriptum, chirographum übersetzt.
c. das grundstück, von welchem ein schöffenbar freier sein handzeichen als hauszeichen führt (vgl. über das institut der hausmarken und den gebrauch germanischer völker, wonach ein an einem grundstücke haftendes zeichen zugleich dem besitzer zur beglaubigung seiner willenserklärung dient, Hom. a. a. o. 10.), eines vollfreien freies gut, die grundlage der freiheit und des namens, herrensitz, stammgut, familiengut, in urkunden mansus nobilis viri, prædium libertatis, bonum avitum. von stellen mhd. dichter werden durch diese von Homeyer zuerst entwickelte bedeutung namentlich die folgenden drei erklärt. daʒ sint dev drev geslahte (von den söhnen Noahs) dev gestent mit durnahte, eineʒ daʒ ist edele di hant daʒ hantgemahele, di andere frige lute di tragent sich mit gute, di driten daʒ sint dienestman also ich uirnomen han, drunder wurden chnechte Diemer 15,3 ff. daʒ er in niht gar verstieʒe und im sînes landes lieʒe hantgemælde, daʒ man möhte sehn dâvon der herre müeʒe jehen sîns namen und sîner vrîheit Parz. 6,17 (vgl. auch die folgenden verse). der site was sô getân, ze Rôme newas nichein edel man, er ne worhte ime ein hantgemæle (al. gemeld, gemahel) daʒ man immir von im sagete ze mære. do quam iʒ alsus, daʒ der kunic Hêlius ein spilhûs worhte, so er baʒ ne dorfte von guoteme marmelsteine kaiserchr. ed. Massm. 7159 ff. mehr beispiele, namentlich aus urkunden, s. bei Homeyer a. a. o.