gutartig,
adj. ,
vereinzelt adv.; im 16.
jh. auftretend und aus der verbindung gute art (
vgl.gut II B 1 a,
sp. 1267)
entwickelt, wobei gut verschiedenen bedeutungen zugehören kann. 11)
in älterer sprache und technisch entsprechend gut II A 2 '
von hochwertiger beschaffenheit': die edlen und gutartigen füllen erkennet man bei natürlichen und leiblichen eigenschafften
M. Herr
feldbau (1551) 185
b; es laszt auch ein guotartige stuot kein anders dann ein guotartigs rosz zu ir Chr. Bruno
de inst. christ. foem. (1566) 42
b;
ebenso vom boden '
fruchtbar',
vgl. Staub-Tobler 1, 477; je gutartiger die eisensteine, desto günstiger stellt sich der brennmaterialverbrauch Muspratt-Stohmann 2, 1199;
selten sonst: verschiedene seiner kleinen gedichte sind zum theil gutartige früchte desselben Göthe 49, 36
W. 22)
häufiger vom menschen, seiner geistigen und sittlichen anlage nach, also sowohl gut I A 2 d
als auch besonders gut V B 5
einbegreifend; vgl. gutartig
bonae indoles Henisch 1790: so findet man auch gutartige ingenia W. Bütner
dialectica teutsch (1588) 107
a; gift also selbst, find ich, kann in gutartigen naturen zu etwas besserm sich veredeln Schiller 3, 10
G.; diser guotärtige fürst ward unversehenlich ausz diser zeit erfordert C. Wurstisen
Pauli Aemilii ... hist. (1572) 2, 51; da sich in ainer geplütschaft unablässig vil tugendbeflissene ... herfür thaten, das man verursacht worden, aus hoffnung der gutartigen nachkommenschafft, die lehen ... erblich zu verleihen Fischart 3, 41
Hauffen; dem, was der Deutsche gemüth nennt, dem innern gefühl, worin alle gutartige menschen übereinkommen,
d. h. also der humanität Göthe 41, 2, 277
W.; er heiszt Vulpius und ist mir als ein gutartiger junger mann bekannt IV 9, 152;
besonders von kindern, vgl. gutärtig, knab guter art
bonae indolis puer Dentzler
clav. (1716) 1, 353
b, gutartig
ingenuus 2, 143
a: ein gutärtiges kind achtet auf seines vatters wort
F. Wysz (1653)
nach Staub-Tobler 1, 477; beide waren sehr gutartige, wohlgesittete kinder Chph. v. Schmid
ges. schr. 4, 75; das bewusztsein andern lieb zu sein, ... giebt der gutartigen jugend einen kompasz in die hand Roon
denkw. 1, 35;
ebenso von den seelischen organen: ihr gutartig gemüthe Bodmer
Noah (1752) 61; (
die) meynung ... dasz ein schöner leib eine gutartige seele verkündiget Wieland I 3, 332
akad.; die philosophen bewiesen ihnen: sie wären rohe thiere, die zwar alle tugenden, aber gänzlich ohne verdienst, aus bloszem instinkt und gutartigem herzen ausübten Klinger
w. 10, 101;
nur vereinzelt von den handlungen selbst: das dieselbigen erstlich gutartiger sitten folgends landläufiger sprachen, auch solche deutlich mit wolgelöseter zungen auszusprechen färtig seien Fischart 3, 283
Hauffen. 33)
die hauptsächlichste verwendung in neuerer sprache schlieszt sich an gut IV C
an und erhält bedeutungen, die denen von gut IV A
entsprechen. 3@aa)
von menschen '
wohlmeinend, freundlich'
; vereinzelt wie gut IV A 1 b
β mit präposition: immer hast du mir gefallen, denn du warst treu im dienst und gutartig gegen meine gesellen Freytag
ges. w. 8, 105;
wie gut A 1 b
β,
doch klingt meist noch gutartig 2
mit hinein, wie namentlich der gegensatzbegriff bösartig
zeigt: so wie jene alten volksdichter ist er (
Gerhard) ungeheuchelt und unangestrengt fromm, naiv und tüchtig; gutartig und freundlich macht ihn die seligkeit seines glaubens Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 3, 354; vergnügt über die landschaft und die gutartigen leute Freytag
ges. w. 16, 122; manche dieser zwerge waren gutartig und den landbewohnern ... behülflich br. Grimm
dtsche sagen 1, 117; unter der gesundesten, nüchternsten, mäszigsten, fröhlichsten und gutartigsten nazion von der welt Wieland
s. w. (1794) 7, 225; tausend segen wurden mir von diesem gutartigen volke nachgewünscht Fr. v.
d. Trenck
lebensgesch. 1, 226;
aber mit betonter ausnahme des ethischen beiklangs: es giebt eine geringere, eine faunen- und satyrennatur in der menschlichen bildung, die wir nicht verläugnen können; sie ist ... gutartig, dienstfertig, wohlgefällig, freundlich Herder 17, 364
S.; wo menschen, die nur gutartig, nicht sittlich sind, sich höchstens bis zum mitgefühl mit der leidenden thierheit erheben Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 2, 127
Minor; mehr nach gut IV A 2
hin passiv im sinne '
gutmütig, friedlich': die einwohner in diesem see waren friedliche, gutartige leute G. Forster
s. schr. 4, 26; die leute sahen mich an ..., aber waren so gutartig und lachten nicht Seume
spazierg. (1803) 140; aber nein! auf meine ehre, das gutartige meisterlein denkt ohnehin nicht daran Jean Paul
w. 1, 371
Hempel; selbst wenn sie es geradezu vergessen hätten, würde ihnen dies bei einer so gutartigen person ... keinen eintrag tun A. v. Droste-Hülshoff
br. an L. Schücking 227; auch nahm michs wunder, dasz er ... auf dein zureden sogleich wieder gutartig geworden ist G. Forster
s. schr. 9, 302;
ebenso verwendet: es war ein gutartiger, allerliebster frühlingstag Hippel
lebensl. 3, 2, 402;
anders, wie gutartig 3 d (
vgl.gut IV A 2 b)
im sinne '
harmlos, ungefährlich': von den vielen arten der geisteskranken sind die gutartigen immer der häuslichen pflege und aufsicht vorbehalten gewesen
M. Heyne
körperpflege (1903) 168. 3@bb)
bei abstractis im sinne '
aus freundlicher, wohlwollender gesinnung entspringend': empfindsamkeit, ... die aus der gutartigen ansicht von der menschlichen schwäche und kleinlichkeit flieszt Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5, 150; deine gutartige kindlichkeit Kortum
Jobsiade (1799) 108; sie zitterten für Meropen selbst, die durch die gutartigste übereilung gefahr lief, die mörderin ihres sohnes zu werden Lessing 9, 383
L.-M.; also die gerechtigkeit laster? das nicht, aber höchst gutartige einfalt Schleiermacher
Platons w. (1804) 6, 109; (
eine) bibliothek ..., daraus er nach dem antriebe seiner gutartigen laune las Göthe 46, 85
W.; mehr objektiv nach 3 d
hin '
als harmlos anzusehen, nicht bösartig': (
die weichmütigkeit ist) eine gutartige leidenschaft Kant
s. w. (1838) 7, 390
Hartenst.; ob sie (
die erscheinungen des gesetzlosen ungefährs) als bösartige oder als gutartige erscheinungen ausfallen werden, müssen wir erwarten Fichte
s. w. 5, 496; die unschuldige eitelkeit, sie ist die gutartige verzierung des daseins G. Keller
ges. w. 3, 134; diese (
satire) ist an den meisten stellen gutartig genug Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 2. 3@cc)
von tieren, die nicht bösartig und gefährlich sind, vgl. gut IV A 2 b,
im sinne '
harmlos, lenksam, fromm': ja, das ich euch auff den hund bring (welches thir ... unter allem das ... gutartigest ist), habt ihr nicht gesehen, wie andechtich er das marckbein verschiltwachtet Fischart
Garg. 23
ndr.; die feldelefanten helt man vor guhtahrtig, zahm, und lehrsam O. Dapper
Africa (1670) 15
a; auch haben wirklich alle rinder dieses thals ein glänzendes silberweisz, und sind auszerordentlich gutartig mit ihren ungeheuern groszen hörnern Heinse
s. w. 4, 363
Sch.; der kleine geselle (
ein gorilla) war nichts weniger als gutartig Brehm
tierl. 1, 62;
mit negativer bewertung '
geduldig, einfältig': gutartig wie die schafe Kant
w. (1838) 4, 298
Hartenst. 3@dd)
von krankheiten '
harmlos, ungefährlich'
ihrer natur nach, oder auch '
leichte form zeigend, ohne komplikationen vorübergehend',
vgl. benignus morbus, eine gutartige kranckheit, wird genennet eine solche kranckheit, die keine sonderlich böse zufälle hat Blancard
med. wb. (1710) 87: man weis, dasz ein gutartiges fieber über das gift in unsern bösen feuchtigkeiten sieget Gottsched
d. neueste (1751) 8, 527; alle (
impfpocken) sind gutartig, und die meisten schon auf dem rückwege Schiller
br. 2, 49
Jonas; folgen, welche selbst nach den gutartigsten masern drohen Bremser
medic. paröm. 282; diese frau bekam viermal das bösartige friesel, einmal das gutartige
allg. dtsche bibl. anh. 37-52, 1413; Herders kinder haben die natürlichen, doch gutartigen blattern Göthe IV 6, 154
W.; die sogenannten gutartigen hypertrophien entstehen gewöhnlich dadurch, dasz kleine exsudationen sich ... wiederholen Sömmerring
menschl. körp. 8, 1, 88;
ähnlich: die gutartigen säfte verirren Schiller 1, 160
G.; alles bisher vorgetragene gilt nur von dem regelmäszigen und gutartigen verlaufe der krankheit Bremser
medic. paröm. 272. 44)
gelegentlich adverbiell gewendet; wie 2: dieser wackere mann ... arbeitete ... an der geistlichen erziehung seines pathen, der ihm gutartig zuhörte und mit häufigem 'ja, ja' beistimmte
M. Meyr
erzähl. a. d. Ries 2, 266;
wie 3 d: epidemien können bösartig seyn und doch ... personen gutartig kranken
allg. dtsche bibl. 6, 76.