größte,
adj. u.
adv. 1) Eine Ausdehnung nach irgend einer Richtung überhaupt, besonders in die Höhe zu bezeichnen. Die Erde ist groß. Der Garten ist vier Morgen groß. Wie groß ist der Berg? für, wie hoch. Wie groß ist die Entfernung? für, wie weit ist es? 2) Einen beträchtlichen Raum einnehmend, eine mehr als gewöhnliche oder mehr als mittelmäßige Ausdehnung habend. Ein großes Land, eine große Stadt Ein großes Gebirge, ein sich weit erstreckendes; in diesem Falle verschieden von einem hohen Gebirge. Die große Zehe, die größte und dickste von allen Zehen des Fußes. Große Augen. Große Augen machen, bildlich für, sich verwundern, erstaunen, weil man dann die Augen gewöhnlich weiter öffnet. Einen mit großen Augen ansehen, erstaunt, verwundert; wofür man im gemeinen Leben auch sagt, groß ansehen, groß anschauen. »Sie sah ihn groß
an.« I P. Richter. Die vier großen Profeten, weil ihre Schriften einen größern Raum einnehmen, als die der zwölf kleinern. Ein Kunstwerk ins Große anlegen (R.), die Anlage dazu groß machen, so wie es werden soll. Große Schritte machen, weite. Damit ist schon ein großer Schritt vorwärts gethan, uneigentlich, dadurch ist man schon beträchtlich vorwärts gekommen, dadurch ist schon viel gewonnen. »Er ist arm, aber seine Schritte zum Glücke sind groß und sicher.« Sonnenfels. Das Wasser wird groß, ist groß,
d. h. schwillt hoch an, ist hoch angeschwollen oder gewachsen. Einen hohen Grad der Größe anzudeuten, wiederholt man im gemeinen Leben das Wort groß. Ein großes, großes Haus, Stück Uneigentlich bedeutet groß (1) Erwachsen. Die Kinder werden groß und kosten dann mehr. Vieh groß ziehen. Die Großen wie die Kleinen
d. h. die Erwachsenen wie die Kinder. Zuweilen, aber unrichtig, wird größer auch für älter gebraucht. Mein größerer Bruder. (2) Der Zahl, der Menge nach einen beträchtlichen Umfang habend, aus vielen Theilen, aus vielen Einzelnen bestehend. Eine große Anzahl. Eine große Menge. Der große Haufe,
d. h. das gemeine Volk, der Pöbel, weil dieser der zahlreichste Theil sowol in einem Staate, als auch in einer Stadt ist. Ein großes Gastmahl anstellen, eine große Hochzeit ausrichten,
d. h. für viele Gäste und mit vielen Gerichten Der große, größere oder äußere Rath, der aus mehreren Personen bestehet; in Gegensatz des kleinen, kleinern, engern oder innern Rathes. Х Groß Geld und Gut daran wenden,
d. h. vieles. Х Ih habe mir es ein Großes kosten lassen,
d. h. viel, viel Geld. Ih möchte es nicht für ein Großes thun. Ein großes Hundert, eine Zahl von 120 Stücken; ein Großhundert. Ein großes Tausend, eine Zahl von 1200 Stücken; ein Großtausend. I Großen handeln (en gros), mit Waaren, die man gleich in Menge, nicht in Stücken verkauft. (3) Einen hohen Grad der innern Stärke habend. Eine große Wärme, Hitze, Kälte Eine große Freude, Traurigkeit. Х Ein großes Geschrei von etwas, über etwas machen oder erheben, auch uneigentlich, mehr davon sprechen, als es verdient, es wichtiger machen, als es ist. So auch, eine Sache größer machen, als sie ist. Großen Schaden, Vortheil von etwas haben. Sie hat große Ähnlichkeit mit ihrem Vater. Sich große Mühe machen. »Wir werden durch große Mühseligkeiten nicht selten zu einem dauerhaften Glücke geführt.« Sonnenfels. Großes Lob einernten. Ein großer Lohn, eine große Strafe. Ein großer Verdienst. Große Verdienste um den Staat haben. Ein großer Mann, der in seinem Fache viele und seltne Kenntnisse besitzt und viel leistet. Ein großer Künstler, Gelehrter, Dichter Ein großer Spieler,
d. h. ein Spieler, der geschickt, fertig spielt, und auch viel und gern spielt. Ein großer Trinker, Schläger, Lügner, Betrüger Х Je größer der Schelm, je (desto) größer das Glück! Ein großer Verstand, ein umfassender, durchdringender. Es ist noch eine große
Frage, ob
d. h. es ist noch sehr die Frage, es ist noch sehr ungewiß, ob I Kartenspiele hat eine große Frage noch eine andere Bedeutung. S.
Frage 1). I dieser Bedeutung wird groß im gemeinen Leben und in der leichten Schreibart auch als Umstandswort allein gebraucht. Etwas nicht groß achten, es nicht sehr, es wenig achten. »Was ist der Mensch, daß du ihn groß achtest?« so hoch, so sehr. Hiob 7, 17. Er bekümmert sich nicht groß darum, wenig. »Die flüchtigen Hülfsleistungen eines schlummerköpfigen Bedienten konnte Dreischachtel nicht groß in Anschlag bringen.« Kl. Schmidt. Uneigentlich gebraucht Lavater groß von demjenigen hohen Grade, wodurch etwas vorzüglich in die Augen fällt, die Aufmerksamkeit erregt: »Große Fälle von Schönheit und Höflichkeit.« I der Mahlerei heißt groß mahlen, mit breiten Pinselstrichen mahlen und die Gegenstände in große Massen vertheilen, damit ein so gemahltes Stück in der Entfernung eine gute Wirkung hervorbringe. (4) Als eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung, verbunden mit dem Begriffe der Wichtigkeit, sowol wegen der Menge, als auch wegen der Beschaffenheit der Folgen, viel Wichtigkeit habend. Einen großen Anschlag fassen. Große Thaten thun. Etwas Großes unternehmen, ausführen. Große Laster, Tugenden. »Es giebt große Tugenden, welche dem Zärtlinge des Glücks gänzlich verborgen bleiben.« Dusch. Unsre große und ewige Bestimmung. I Großen wie im Kleinen treu sein. Das hat etwas Großes zu bedeuten. Es muß ihm etwas Großes begegnet sein. (5) Viele Vorzüge vor der Menge habend, vornehm. So werden Personen, welche die ersten Stellen im Staate einnehmen, und gewöhnlich um die Person des Fürsten oder in dessen Nähe sind, große Männer oder Große genannt. Die großen Herren. † Die große Frau, in Österreich, die Benennung der erstgebornen Erzherzoginn, auch wenn sie noch in der Wiege liegt. »Das stolze Verdienst verschließt sich den Zutritt zu den Großen, und verachtet den Zutritt zu den Geringen.« Gellert. — — Mir scheint kein Großer gleich, Wenn ich entzückt in deinen Armen lausche. Hagedorn. Die große Welt,
d. h. die vornehmen Leute. Besonders, viel innere hohe Vorzüge und erhabene Eigenschaften besitzend. Eine große Seele, der alle oder viele vorzügliche und erhabene Eigenschaften im hohen Grade eigen sind. So sagt man auch, ein großes Herz haben, ein Herz, das hoher, erhabener Gefühle fähig ist; überhaupt, von den vorzüglichen Eigenschaften des Gemüthes. »Das Herz ward mir groß,« es öffnete sich hohen erhabnen Gefühlen. Kosegarten. Ein wahrhaft großer Mann,
d. h. ein Mann mit einer großen Seele. »Der Überwinder einer Welt ist kein so großer Mann, als der unschuldig Leidende, der allen seinen widrigen Schicksalen eine standhafte Geduld entgegensetzet.« Dusch. Karl der Große. Friedrich der Große. Der große Gott, in welchem alle vortreffliche und erhabne Eigenschaften im höchsten Grade vereiniget sind. Große Eigenschaften, erhabene. Groß denken,
d. h. edel, erhaben denken. Der Söhne Herz ist meiner Hoffnung Pfand, Sie denken groß, wie sie geboren sind. Schiller. (R.) Ein großes Wort,
d. h. ein erhabener, wichtiger Spruch. Du sprachst ein großes Wort. Seh'n wir doch das Große aller Zeiten Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, Sinnvoll, still an uns vorübergeh'
n. Schiller. Oft wird groß auch von falschen oder ungegründeten, erdichteten, äußern und innern Vorzügen gebraucht. Groß thun, sich Vorzüge beilegen und zur Schau tragen, die man gar nicht oder in so geringem Grade besitzt, daß sie den Namen nicht verdienen. So auch, sich mit etwas groß machen, damit groß thun, damit prahlen. Groß prahlen. Mit lächelnder Verachtung sieht die Dame Das weise Paar, mit seinem Flitterkrame Von falschen Tugenden und großen Wörtern an, Wieland;
d. h. prahlerischen. Die Aussprache des o im zweiten und dritten Grade der Steigerung, ist bald gedehnt, bald geschärft; die gewöhnlichere Aussprache ist jedoch die gedehnte.