Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gremelich
1.1 zur Beschreibung von affektiven Zuständen
1.2 zur Beschreibung der Heftigkeit und Grausamkeit von Ereignissen, Sachverhalten und Handlungen
1.3 adv.
2 ‘wild, bedrohlich, gefährlich’
1 ‘feindselig, wütend, grausam’ 1.1 zur Beschreibung von affektiven Zuständen: mit gremelîchem muote diu küniginne sprach / ‘wer hât dir erloubet [...] den gemach [um den Brief zu lesen] ?’ / [...] / dô viel im vor vorhten der brief ûz der hant WolfdA 478,3; nu was der herre Dietrîch / durch sînen muot gremlîch / erhertet in den sinnen / daz er mit unminnen / vil guoten rûm wolde hân Bit 11226. 6413; daz her [Christus] zur erden queme, / [...] / die menscheit zu irlosen, / swie wol her der bosen / irkante gramelichen nit HeslApk 17701; der [Richter des Jüngsten Gerichts] schinet danne gramelich, / als allez unrecht richtet sich ebd. 20265 1.2 zur Beschreibung der Heftigkeit und Grausamkeit von Ereignissen, Sachverhalten und Handlungen: schirmens und bereitens tet dir nie sô nôt. / dir nâhet sicherlîche der gremlîche tôt WolfdD (J) 6:159,2; si tâten an den liuten diu gremelîchen leit OrtnAW 520,3; dô brâhte man der helde driu tûsint unde mêr. / si wânden niht erwerben alsô gremelîchiu sêr NibC 1506,4; NibB 880,2; NibA 1906,4; an mir und mînen friunden der schade ist gremelîch. / wir wolden Rüedegêren getragen haben dan NibC 2373,2; dirre louf [des Geköpften] [...]was gremelîch NvJer 11774 1.3 adv.: dar nach wirt im widersait / gremlich [wird ihm der Krieg erklärt] von des westen her [Herr] Daniel 7215; die ringe wurden versniten / so gremlich mit den swerten Dietr 3364; Rab 442,1; NibC 2424,3; din [Marias] jamerliches clagen und den wuͦff, so du dar umb hattest, daz din suͤsses kint als gremlich was ertoͤdet Seuse 546,16. 68,6; Cranc Vorr. Abd 330,9 2 ‘wild, bedrohlich, gefährlich’ ‘ich sach daz gerne, / dô er sô gremlîchen saz / und man im daz helmvaz / abe lôste und im daz swert nam: / er was ein wênic worden zam’ / sprach diu küniginne Bit 12675; der dritte der gesellen [Hagen] der ist sô gremelîch, / (unt doch mit schœnem lîbe, küneginne rîch) / von swinden sînen blicken, der er sô vil getuot. / er ist in sînen sinnen, ich wæne, grimme gemuot NibB 413,1; NibC 1704,4; den vianden was er [Kaiser Karl] gremelich, / den armen was er heimelich Rol 697. – si ersprancten mit ir schalle ein tier vil gremelîch, / daz was ein ber wilde NibB 946,3; Johannes evangeliste / sagit uns wie er sehe / ein dier vil spehe / ein dier vil gramelich LAntichr 673
MWB 2 912,56; Bearbeiterin: Baumgarte