gräusal,
grausal,
m., n. ,
schauder und schauder erregendes. seit dem 13.
jh. bezeugtes verbalabstraktum auf -(e)sal
zu 2grauen,
vb.; zuerst in der md. literatur bzw. in der ordensdichtung, dann auch ins obd., bes. alem. übergehend. die mhd. normalform grûwesal
erscheint verkürzt als grûsal,
bes. im alem. auch umgelautet als grüsal,
diphthongiert entsprechend als grausal
und gräusal, greusal. grüsel, gräusel
u. ä., mit abgeschwächtem suffixvokal, könnte auf ursprünglich fugenvokallose bildung weisen, sofern nicht, wie vor allem bei nicht umgelauteten formen, verwechslung oder vermischung mit grusel,
m. (
teil 4, 1, 6,
sp. 984)
vorliegt. überhaupt ist eine scheidung zwischen beiden wörtern kaum möglich, auch nicht nach dem geschlecht; denn die postverbale bildung grusel
ist mask., gräusal
ist wie auch sonst bildungen auf -sal
neutr., aber auch, und zwar auch in formen mit vollem suffixvokal, mask. der literarische gebrauch reicht bis ins 17.
jh.; die obd. maa. bewahren das wort weiter, von dort findet es seit dem späten 18.
jh. gelegentlich wieder eingang in die schriftsprache. dagegen könnte das wort in seinem jüngeren objektiven gebrauch bei nicht obd. schriftstellern unter 3 b
auch eine parallelbildung zu scheusal
sein. 11)
zufrühest im objektiven sinne, schreckliches, verabscheuungswürdiges, z. t. geradezu lärm, aufheben: so sal der werlde itelkeit dir sin rehte als ein gruwesal
väterbuch 15 183
Reiszenberger; do daz der tuouil gesach daz er vorliesen solde der im so lange gedienit hatte (
ein sünder beweint in einem sarg seine sünden), do was iz im vil leit vnd machete michel gruowesal vffeme kirchove vnd groz gedoze, in den wortin daz er den armen man von dannen vortriebe (14.
jh.)
dt. pred. d. 13. u. 14. jhs. 72, 18
Leyser; und was Hercules mit einem grossen greusel vorzeiten davon abgetribenn, mit einem erdbidem, das er disen felsen nit gewan Boner
Justinus (1532) 46
a; (
das gefängnis in Konstantinopel) ist mehr ein tummel- und kampffplatz christlicher gedult, als ein stockhausz. wanns mOeglich wAere, hieher alle folterungen, grausz- und scheusAele, ohne einige ausznahme einer unmenschlichkeit zusammen zu fhren, wrde es doch nicht geglaubet werden Happel
relationes cur. (1683) 2, 368
a.
hierher wohl im sinne von '
schreckhorn' (
in Straszburg wurde zur erinnerung an eine den juden vorgeworfene brunnenvergiftung nachts ein horn geblasen; vgl. Martin-Lienhart
elsäss. 1, 283
a): so süllent sie (
die wächter auf dem Straszburger münster) ouch allewegen zuo rehter zit blosen die dinte, den grüsel, den judenblosz und den tag hürnen (15.
jh.)
Straszburger zunft- und polizei-verordnungen d. 14. u. 15. jhs. 509
Brucker-W.; vnd do er (
Jesus) kummen was für das husz des fürsten Jayri ..., do sah er do die todenpfiffer hürnen, wie man hye den grysel hürnt, vnd den juden blost Keisersberg
postill (1522) 3, 107
a;
vgl. unt. 4 gräuselhorn. 22)
häufiger im subjektiven sinne. durch furcht und schrecken verursachter schauder: grusal wirt si bedecken (
operiet eos formido) (
Hes. 7, 18) Claus Cranc
prophetenübers. 188
Ziesemer; darmete er (
der feind) gar groszen gruszal den luten machte, das man sine gewalt daste erschrecklicher furchte vnde betrachte Stolle
thüring. chron. 116
lit. ver.; von disen zween menschen empfieng das roemischs volck ein greusel vnd scheuhen H. Gholtz
lebendige bilder (1557) F 2
b; desz montags frh ... hOerete ich ein horn blasen: so bald kam mich ein grAeusahl an Moscherosch
gesichte (1650) 2, 62.
seltener übelkeit, ekel, abscheu: würt etwan ainem der im schif sitzt schwilckern, der selbig vnwill vnd graüszel, seind hie (
im christlichen leben) gresseliche gotzlesterung, damit ettwan die guoten cristen menschen vom teüfel angefochten werden Keisersberg
schiff d. penitentz (1512) 6
d; dann er hett eynen greusel vnnd scheuhen ab aller grymmigkeyt vnd todschlegen Boner
Herodian (1532) 56
a. 33)
im 19.
jh. gelegentlich wieder in der schriftsprache. 3@aa)
furchtschauder: und lachte über diese ihre rede einen schochen, dasz den gesellen ein gräusel ankam Mörike
w. 23, 171
Maync; die haben einen gräusel davon getragen, dasz sie's ein paar tag lang geschüttelt hat H. Kurz
ges. w. 5, 122
Heyse. 3@bb)
schrecken, abscheu, anstosz erregendes: so viel von dem grausale, der dem hrn. pastor (
Goeze) gleich am eingange des weges (
in einer schrift Lessings) aufstiesz (1778) Lessing 13, 109
L.-M.; (
ein freund) kommt nach Göttingen, und vertraut das symbolbuch einem jünger, der es seinem meister als ein grausal vorlegt J. H. Vosz
antisymb. (1824) 2, 98; er ging auf lauter schlangen, auf natter und skorpion, er hat sich's unterfangen und spricht dem grausal hohn Tieck
schr. (1828) 13, 165.
in persönlicher beziehung: schon bis zum gürtel ragt er (
der riese) ob den zinnen, ihm kann nicht kraft noch kühnheit widerstehn. jetzt glückt es ihm, den gipfel zu gewinnen, und als die städter dieses grausal sehn, hört man ein schreien, ein geheul erschallen Gries
Bojardos verl. Roland (1835) 4, 353.
mit dem moment des erstaunen erregens, von einem durch leistung und besitz imponierenden menschen, vgl. schweiz. id. 2, 809: sieh, dort der grosze, ... das ist der junge bauer auf dem Knubel, das ist ein grüsel, mit geld und kraft mag den keiner Gotthelf
ges. schr. (1855) 7, 11. 44)
vereinzelte zusammensetzungen: