grabtuch,
n. ,
auch grabetuch (
älter)
und grabestuch.
zufrühest in der Lutherbibel (
s. u. 1 a). 11)
grabkleid, leichentuch, tücher, in die ein toter eingewickelt und mit denen er ins grab gelegt wird, vgl. Hulsius-Ravellus
t.-frz.-ital. (1616) 144
b; Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1158
b. 1@aa)
im biblischen bereich: vnd der verstorbene (
Lazarus) kam her aus, gebunden mit grabtücher an füssen vnd henden
Joh. 11, 44; Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 497
Reithm.; und der gestorbne ging heraus im grabtuch, das ihm händ und füsz umfing Rückert
ges. poet. w. (1867) 11, 90.
im anschlusz an Matth. 27, 59;
Joh. 19, 40; 20, 5
auf die grablegung Christi anspielend: dergleichen von den grabtüchern, dornencrone, schwamm und andern werckzeugen der creutzigung Christi hin und wieder steht G. Arnold
unpart. kirchen- u. ketzerhist. (1699) 296
b; diesen abend ist alles (
ein wundverband) abgelegt, gleich den grabtüchern des auferstandenen Hamann
in: Fr. H. Jacobi
w. (1812) 4, 3, 403.
gern in erbaulicher allegorese: und bitt, verbirg die sünden mein, verhüll sie in das grabtuch dein
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenlied (1903) 1, 91; mein grab hat Christi grab geweyht, sein grabetuch mein sterbekleid Schmolck
trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 1124. 1@bb)
auszerbiblisch: (
der geist) hat am leib kein claidung an, denn ein weises grabtuch allein Hans Sachs 20, 313
lit. ver.; [] welches ihnen dann genugsam zu verstehen gab, dass dieses (
hemd), so ihnen gelassen wurde, ihr grabtuch oder sterbkittel seyn solte Grimmelshausen 1, 391
Keller; die frau wand sich aus den grabtüchern los, trat heraus und ging gerades schritts auf ihr haus zu br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 226. 22)
bahrtuch: a black cloth laid over a coffin Ludwig
t.-engl. (1716) 803; Campe 2 (1808) 438
a: heut aber mag im (
dem toten Alexander d. gr.) nicht mehr werden von allen königreichen der erden denn zu aim grab, lang sieben schuch, bedeckt mit eim schwarzen grabtuch Hans Sachs 16, 446
lit. ver.; zwanzig genien umstanden mit fackeln in den händen den altar, vor dem der todtensarg erhaben ruhte, mit weiszbekreuztem grabestuch bedeckt Schiller 14, 70
G. 33)
in bildlicher und uneigentlicher anwendung. 3@aa)
symbolisch und stellvertretend für tod und begräbnis: sieh anstatt der grabestücher, die du nun genug beklagt, auf die edlen sittenbücher, die du neulich zugesagt (
trostgedicht auf den tod der ehefrau) Gottsched
ged. (1751) 139; nein: eh soll krieg entvölkern diesz mein reich, und ihr panier ... mein grabtuch sein
Shakespeare 8 (1801) 195.
so auch in umschreibenden verbalverbindungen: ob nun gleich Raleg ... hiebei nicht sonderlich viel zu sprechen hatte: musz er doch, durch geheime anhetzung, an dem grabtuche des grafens (
von Essex) mitgewirckt haben Francisci
traursaal (1672) 3, 95; künde morgen, ob die sonne deiner huld mir werde leuchten oder ob mit salzger thräne ich mein grabtuch soll befeuchten (
liebeslied) Gaudy
s. w. (1844) 11, 106. 3@bb)
in naturhaftem vergleich, vorwiegend von 2
her empfunden: das weisze grabtuch, das der schnee aufs grün gedeckt Rückert
ges. poet. w. (1867) 8, 535; Holtei
erz. schr. (1861) 36, 303; tausende der ehrgeizigen, welche dort gekämpft, waren nicht mehr; ihre pläne, ihre kühnen entwürfe und ihre leiden barg das grüne grabtuch, welches ein neuer frühling über sie ausgebreitet Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 42.
auch von 1
her: und der wald hob sich wie ein auferstandener, von seinen grabtüchern entbunden, in das neue licht Ernst Wiechert
d. kleine passion (1929) 231. —