gottesbild,
n. ,
selten gottbild Pückler, Fulda (
s. u.). 11)
eine nach gottes bild und wesenheit geprägte gestalt oder erscheinung. 1@aa)
in terminologisch fester prägung vom menschen als dem ebenbild gottes im anschlusz an 1. Mos. 1, 27;
oft der bedeutung 2 '
abbild, nachbild gottes'
nahestehend, insofern als bild
in jüngerem gebrauch vornehmlich '
nachgeschaffenes bild'
meint: gottesbild
ipse homo effigies divina Stieler
stammb. (1691) 148.
vielleicht schon bei Luther
als kompositum aufzufassen: auch die weibes bilde, die auch menschen und gottes bilder sind, sowol als wir (1543) 53, 421
W.; ihr (
die kräuter) seyd, ihr stummes volck von mir darumb geschafft, dasz ihr dem gottesbild, dem hOechstgezierten thier tragt, wie ein weiser koch, die stete nahrung fr Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 479; er (
der mensch) ja selbst das leibhafte gottesbild im grossen tempel der welt, den gottes hauch, rathschlusz und kraft beseelte Herder 6, 307
S.; kein mensch ist, und du selber nicht, ein reinbewahrtes gottesbild Rückert
ges. poet. w. (1867) 11, 360.
spezieller von menschen, die in einem verhältnis besonderer zugehörigkeit zu gott stehen: sei mir du, Maria, milde, gegen dieses leben wilde, o du süszes gottesbilde! Tieck
schr. (1828) 5, 484; an deine kinder hänge nur dein herz, in deren adern rollt dein eignes leben; das gottesbild, in deine hand gegeben, es nicht zu lieben, wäre herber schmerz A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 3, 157; kein heiliger gottbild auszudenken als eine mutter mit ihrem kind Fulda
neue gedichte (1900) 245.
ähnlich: die hochtheuren heiligen seelen haben in dieser welt Christi leib angezogen, dasz sie also als ein gottesbild im himmel stehen Jac. Böhme
s. w. 6, 94
Schiebler. so auch von Christus: ich musz jhn sehn, ich musz jhn haben, das höchste gut, den schönsten knaben, ich musz jhn schaun das gottes-bild A. Silesius
heitige seelenlust 251
ndr. 1@bb)
in der anwendung auf gegebenheiten innerhalb des schöpfungsbereichs zur bezeichnung ihrer vollkommenheit; im ersten beleg deutlich mit a
gekreuzt: weil er (
der mensch) einen kleinen grad perfektibilität
d. i. gottesbild mehr hatte (
als der affe) Herder 7, 73
S. von der natur: stiller gottestempel! kaum dasz in weitem morgenraum dort vor dir, o gottesbild, ein und noch ein lüftchen spielt Herder 29, 440
S. ähnlich in anderer beziehung, mit dem beiklang des elativen: dies (
das leben in treue, redlichkeit usw.), meine freunde, ist das heilige gottesbild der vergangenheit, dies ist das alte, das germanische, das deutsche, wohin wir anbetend zurückschauen ... müssen E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Dtsch. (1845) 4, 27. 22)
das von menschenhand geformte künstlerische, meist plastische abbild, nachbild gottes oder eines gottes. vom biblischen gott; bei Luther
noch in getrennter schreibung: und (
gott) gibt eine regel, welche bilder verpoten sind, nemlich, die man auffricht, als weren sie gottes bilder 16, 441
W.; er (
der jude) werde im althebräischen widerwillen gegen gottesbilder nicht leicht ein besonderer bildhauer werden H. Laube
ges. schr. (1875) 1, 397.
das abbild, die plastik des gekreuzigten Christus, das kruzifix: neuleidend wendet das entweihte gottesbild sein flehend auge zum vater auf Göthe I 8, 289
W.; es war die zeit des groszen kirchenfests, von pilgerschaaren wimmelten die wege, bekränzt war jedes gottesbild Schiller 12, 418
G.; ich seh ein kreuz dort ohne heiland ragen, als hätte dieses kalte herbsteswetter, das stürmend von den bäumen weht die blätter das gottesbild vom stamme fortgetragen Lenau
s. w. 1, 134
Barthel. von einem nicht christlichen gott, götterstatue: noch eh der sturmwind und das alter hin in den schutt der Athenertempel und ihrer gottesbilder auch dich begräbt Hölderlin
s. w. 3, 59
Hell.; darum war der ursprüngliche römische gottesdienst ohne gottesbilder und gotteshäuser Mommsen
röm. gesch. 1 (
111912) 173. 33)
seltener die vorstellung von gott: denn darumb ist er (
Christus) auch komen und gibt sein wort vnd geist, das er solch teuffels bild mit scheuslichen hOernern vnd glenden augen, wegreisse und zerstOere, und dafr das rechte, liebliche, veterliche gottes bild jnn unser hertzen bringe (1534) Luther 37, 461
W.; und die individuen schaffen sich wieder ein gottbild nach ihrem eigenen idealisirten bilde Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 301.
in jüngerem gebrauch auch objektiviert von der in geistigen äuszerungen, etwa in einer dichtung, sich abzeichnenden gottesanschauung: erst dieser religiöse optimismus konnte zu einer verweltlichung des gottesbildes führen, wie sie uns im K(
önig) R(
other) begegnet Gertrud Schmid
christl. gehalt u. germ. ethos i. d. vorhöf. geistlichendichtg. (1937) 104; darum ist es auch kein zufall, dasz gerade H(
artmann v. Aue) die prägung des gottesbildes der epoche erst- und zugleich einmalig ... gelingt
verfasserlex. 2 (1936) 214
Stammler. —