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götzenbild

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

götzenbild n.

Bd. 8, Sp. 1451
götzenbild, n. die an götze D 1 'heidnischer gott' anknüpfende bildung ist seit dem 16. jh. (noch nicht bei Luther) bezeugt, sie breitet sich aber erst seit dem 17. jh. stärker aus, nachdem das simplex götze seine prägnante bedeutung 'bildwerk' (s.götze B) weitgehend eingebüszt hat. neben den normalen formen mit der genitivfuge -en begegnen vereinzelt solche mit gekürzter fuge: götzbild Melissus bei Zinkgref auserl. ged. 5 ndr.; gotzebild luxemb. ma. 151. 11) abgott, bes. in bildlicher darstellung. wie götze D 1 ursprünglich mit einem verächtlichen nebenton belastet, der aber doch entschieden schwächer als beim simplex ist und der seit dem 18. jh. ganz fortfallen kann. 1@aa) aus biblischer sicht von den abgöttern der juden oder heiden: wenn ir secht heyden, weib und mann, die götzenbilder beten an, so sprecht im hertzen: o herr wol, allein man dich anbeten sol Hans Sachs 15, 230 lit. ver.; Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 2, 528; nun konnte ihre (der Israeliten) poesie keine götzenbilder schaffen, so wenig sie der tempel und das gesetz litt Herder 12, 87 S.; wie sie (die menschen) aber nach und nach gott vergaszen, und sich sogar götzenbilder machten Chr. v. Schmidt ges. schr. (1858) 15, 59. 1@bb) häufiger allgemein von den bildwerken heidnischer gottheiten oder solchen der niederen mythologie: Carolus Martel, könig der Francken ... liesz also die heydnische götzenbilder darnider reissen Zinkgref apophthegmata (1628) 433; J. Prätorius glückstopf (1669) 525; teraphim waren götzenbilder, oder wenigstens etwas geformtes heiliges Herder 6, 458 S.; (in einem germanischen stamm) führte man das götzenbild jeder einzelnen mark ... an allen umgränzungen hin Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 12; (die männer) hatten den Püsterich auf ein brett geschnürt und trugen den schweren erzenen kobold mühsam den berg hinauf. das alte götzenbild ruckelte auf seiner tragbahre Kluge Kortüm (1938) 643. 1@cc) jünger auch in einer freilich nur selten bezeugten anwendung auf christliche heiligenbilder, ohne unmittelbaren zusammenhang mit dem prägnanten gebrauch von götze D 3 'heiligenbild': ich komme heute weder von der Maria zu Cotignac, ... noch von sonst einem andern christlichen oder heidnischen götzenbilde Thümmel reise (1791) 7, 3; bei den kathol'schen leuten ..., die da lauter steinerne götzenbilder um sich hatten Holtei erz. schr. (1861) 10, 14. 1@dd) gelegentlich in vergleichenden wendungen, götze D 1 i entsprechend: und ich erstarrete gleich wie ein götzen-bild Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 99; die mädchen drehten sich ganz steif ... mit toternsten weitoffnen augen wie götzenbilder Kahlenberg Eva Sehring (1901) 57. 22) der übertragene gebrauch stimmt zu götze E. 2@aa) die wendung jemandem ein götzenbild errichten umschreibt in mehr oder weniger abschätzigem sinne die verehrung, die jemandem (oder einer sache) zuteil wird: dasz wier ... der Fortun kein götzen-bild aufrichten, sondern dem himmel darum zu fusse fallen sollen Butschky Pathmos (1677) 25; kein einziges der ihm (Kant) zu ehren errichteten götzenbilder stehe (seit der geburtsstunde der metakritik) mehr auf seinen füszen Göthe IV 14, 109 W. 2@bb) häufiger steht götzenbild für das übermäszig verehrte selbst, dem jemand verfallen ist, das als sache nachgeahmt wird oder dem als person man nacheifert; vgl.: idolum götzenbild, it. dasjenige, woran man seinen narren gefressen Wächtler manual (1714) 202: sol ich nun auch alsbald anbeten das götzenbild, nemlich das herkommen, welches der gemeine mann in städten und dörffern auffgerichtet hat Schupp schr. (1663) 499; euch meyn ich, die ihr nur der ahnen menge zählet, ... die ihr das götzen-bild des kalen adels ehrt poesie d. Niedersachsen (1721) 2, 61 Weichmann; die andern umklammern hartnäckig das geliebte götzenbild einer monarchischen unumschränktheit Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 476; dies bild (einer frau) da oben ist das götzenbild, dem alles du geopfert, — jugend — leben Agnes Miegel spiele (1927) 4. in diesem sinne finden sich wendungen wie ein götzenbild machen u. ä.: als er (Apollo) das götzenbild der schönheit und liebe volkömlich schön zu mahlen gesonnen Zesen Assenat (1672) 8; diese leute (die sprachgesellschaften) wollen dem tiefsinnigen sprachgeist nicht bescheiden nachspüren, sondern ihn umstoszen und ein elendes götzenbild an seine stelle setzen (1819) Jac. Grimm in: briefw. 1, 22 Leitzmann; wie jedermann ... sie (die junge kaiserin) geliebt, verehrt, ein götzenbild gemacht aus ihrer schönheit Tieck schr. (1828) 1, 80. von ähnlichen voraussetzungen her, auf die fragwürdigkeit menschlicher tugenden anspielend: geht menschen, schnitzt nur selbst an euren götzen-bildern, lasst gunst und vorurtheil sie nach belieben schildern Haller ged. 63 Hirzel.
4824 Zeichen · 85 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Götzenbild

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Das Götzenbild , des -es, plur. die -er. 1) Ein Götze, in der zweyten Bedeutung; zum Unterschiede von Götze, so fern es …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Götzenbild

    Goethe-Wörterbuch

    Götzenbild Kultbild (einer heidnischen Gottheit); einmal in polem Versen zur Verhöhnung eines geistl Widersachers Der br…

  3. modern
    Dialekt
    Götzenbildn.

    Mecklenburgisches Wb.

    Götzenbild n. a. Spr. Götzenbild: '(einen Kirchenraum) mit den GOetzen unde klOetzen Bilderen (vollstopfen)' Gry. Paw. B…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit goetzenbild

3 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von goetzenbild 2 Komponenten

goetzen+bild

goetzenbild setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

goetzenbild‑ als Erstglied (2 von 2)

götzenbildchen

DWB

goetzen·bildchen

götzenbildchen , n. , dim. zu götzenbild ( s. d. ). im eigentlichen sinne: an der marschwanderstrasze ( wurde ) ein unzüchtiges götzen-bildg…

götzenbildner

DWB

goetzen·bildner

götzenbildner , m. : die menschwerdung Coli's ...: eine scene, die der götzenbildner oft in kupfer ausgeführt ... hatte Gutzkow ges. w. (187…

Ableitungen von goetzenbild (1 von 1)

götzenbilde

MNWB

götzenbilde , -bē̆lde , n. , Götzenbild, Heiligenbild , sitten alse vormâlede g. steif, stumm, verstockt.

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Cotta, M. (2026). „goetzenbild". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/goetzenbild/dwb?formid=G24145
MLA
Cotta, Marcel. „goetzenbild". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/goetzenbild/dwb?formid=G24145. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „goetzenbild". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/goetzenbild/dwb?formid=G24145.
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