glupisch,
adj. ,
niederdeutsch, sich in der verbreitung im wesentlichen mit glupen (
s. d.)
deckend, auch im ungarischen bergland bekannt, s. Schröer 55
b,
jedoch in der abweichenden bedeutung '
albern'.
neben glup(i)sch
begegnet vereinzelt glüp(i)sch: glüpisch Frisch
wb. 1 (1741) 358
b, glîpsch Damköhler
Nordharzer wb. 62, jlîpsch Liesenberg
Stiege 146, glîpsk (
neben glüpsk) Siebs
Helgoland 226,
dazu vgl. die redensart: Lübisch recht glüpisch recht
ius Lubecense, ius captiosum Pistorius
thes. paroem. (1715) 77,
noch heute bekannt: Lübsch recht, glüpsch recht, Lübsch geld, hübsch geld Mensing
schlesw.-holst. wb. 2, 405.
zu glupsch
gehört auszerdeutsch nl. gluipsch (
neben häufigerem gluiperig
und dem part. adj. glupend),
dän. glubsk,
schwed. glupsk.
eine ältere form des adj., vielleicht die grundform zu glup(i)sch,
begegnet im altfries.: of een man hadde een gluyp betene (
beiszenden) hunt Richthofen
fries. rechtsquellen 266 § 1;
vgl. auch Lasch-Borchling
mnd. hwb. 1, 124. 11) '
scheelsehend, tückisch, hinterlistig, falsch'.
in dieser bedeutung seit dem 16.
jh. bezeugt, wie das verbum anfänglich nur im niederdeutschen: den muthwilligen und glupeschen (
totschläger)
bei Dreyer
monumenta anecdota (1760) 1, 377 (
aus d. 16.
jh.); van den glupschen bouen (
buben)
nd. jahrb. 31, 54 (
aus Reval, um 1550); hemelik und glubesch (
vom dolchstosz)
hamburg. chron. 86
Lappenberg (16.
jh.);
seit dem 18.
jh. begegnet glupsch
in der schriftsprache: ob ein mann, der das herz hat, einem jedem, sobald er mus, zu sagen, was er denkt, die niedrige muthlosigkeit, die wälsche bosheit haben kan, (ich bediene mich eines provinzialausdrucks) gluhpsch zu kommen J. Th. Hermes
Sophiens reise 4 (1778) 238; aber sie solten es doch lieber harsch und barsch heraussagen als so glubsch zu schweigen Fr. L. Stolberg
br. an J. H. Voss (1785) 125; (
wir) seien dennoch nicht zu beschuldigen, es hinterrücks (gluhpsch) gethan zu haben J. Th. Hermes
verheimlichung u. eil (1802) 1, 289; er ist ein recht tückischer, glupscher kerl Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 4, 128; er ist glupsch wie ein dänisches kutschpferd B. Goltz
exacte menschenkenntnis 2 (1859) 55.
als '
finster-drohend': der teufel selbst könne unmöglich so glupsch aussehen (
wie der losbrechende stier) J. G. Müller
Siegfried von Lindenberg 2 (1781) 211; an der schwelle standen aber noch zwei schnurrbärtige gensd'armen mit säbel, tasche und gewehr und recht glupsch in die stirn gedrückten dreieckigen hüten Gaudy
s. w. 2 (1844) 137;
vgl. ebda 16, 65;
als '
grob, unfreundlich',
s. Frischbier preusz. wb. 1, 239; Betcke
Königsberger ma. 30: 'das wees ich ja nich, von was sie leben'. 'i, sein se man blosz nich so glupsch, mutter Wolffen' Gerh. Hauptmann
d. biberpelz (1893) 25; nanu! sie sind ja alle mit einmal jejen mir so glupsch ..., sonst jeben die härren mir immer ein kiszchen H. Sudermann
sturmgeselle Sokrates (1903) 66; ihr solltet froh sein, dasz ich zurecht gekommen bin, euch an einer groszen torheit zu hindern, und ihr solltet jetzt lieber nicht glupsche augen machen und nicht gnätzig tun Hans Grimm
der gang durch den sand (1916) 272;
vielleicht hierhin auch: beth endlick de eine magd quam wedder hervör, se sach my glupisch an und sede, unse vaer de hefft nu nichts behoff van juwer waer Lauremberg
scherzged. 55
ndr. 22)
beträchtlich weiter greift die verwendung in den mundarten, s. vor allem Mensing
schlesw.-holst. 2, 399; Frischbier
preusz. 1, 239.
der ursprünglichen bedeutung nahe stehen noch verwendungen im sinne von '
rücksichtslos' Mi
mecklenb. 27; '
gewalttätig' Danneil
altmärk. ma. 65; Doornkaat-Koolman
ostfries. spr. 1, 644; '
grob, plump, derb' Mi
a. a. o.; Flemes
kalenb.-hannoversche ma. 337; Schambach
Göttingen 65;
daher auch eine glupsche hand, faust Danneil
a. a. o. 65;
brem.-niedersächs. wb. 2, 520; ein glupscher schlag Schütze
holstein. id. 2, 520;
auch die bedeutung '
unerwartet'
steht dem ausgangspunkt noch nicht ganz fern; vgl. glupsch kommen Schiller-Lübben 2, 124 (
aus Mecklenburg); Mensing
a. a. o.; aus der bedeutung '
unerwartet, überraschend'
mag sich die weitere '
ungewöhnlich grosz, viel', '
auszergewöhnlich in seiner art'
entwickelt haben, vgl.: 'etwas ist glupsch
ist ungewöhnlich grosz, viel',
gern vom glücksfall (ein glupsches glück, ein glupscher zug) Danneil
a. a. o.; Dähnert
a. a. o.; brem.-niedersächs. wb. 2, 520; es ist glupsch kalt, eine glupsche kälte (
sehr verbreitet),
s. Schambach
a. a. o.; Danneil
altmärk.-plattdt. ma. 65; Frischbier
a. a. o.; Mensing
a. a. o. diese letzte verwendung im sinne einer reinen steigerung musz älter sein, da sie auch im niederländischen begegnet: een gloepsch kopje '
ungewöhnlich grosz' Verwijs-Verdam 2, 2004;
vgl. auch die in der Groninger ma. allgemein übliche verwendung von glupend (gloepmd) '
zeer, bijzonder' ter Laan 263.
die schriftsprache kennt diesen gebrauch noch nicht, doch vgl.: ich musz nur ganz glupschen viel arbeiten Fritz Reuter
br. 507
Weltzien; hei fung glupschen an tau wirtschaften
ders. w. 2, 417
Seelmann.