gliedlein,
n. ,
diminutivum zu glied;
ahd. lidali, lidilin,
mhd. lidelîn;
als plur. dient häufig gliederlein (
s. d.),
vgl. gliedchen, gliederchen;
das nebeneinander von sg. gl.
und pl. gliederlein
bes. deutlich bei Schottel: solches wort letter, das ist membra, die glieder oder gliederlein nach hochteutscher mundart ... kan also litera nach der teutschen wurtzel ein glidlein oder litterlein seyn ... dieselben gliderlein
haubtsprache 53;
obd. in der regel auch gliedlein
als pl., in älterer sprache flectiert bes. im dativ: yn den zarten glydlinen C. Hedio
chron. germ. (1530) K 6
b;
das suffix erhält sich als -lin
schriftsprachlich auf alem. boden z. th. bis zum ausgang des 16.
jahrh., ebenso bei Luther geliedlin Dietz 2, 137
a;
daneben vereinzelt gliedlen Wirsung
artzneyb. (1588) 547
c. 11)
hauptsächlich als dim. zu glied II
von den menschlichen oder thierischen körpertheilen 1@aa)
bei kindern. 1@a@aα)
allgemein: ... es were denn sach, dasz das kindtlein klein und zart were mit schmalen kleinen gl. J. Ruoff
hebammenbuch (1580) 77; Wirsung
artzneyb. (1588) 547
c; 1@a@bβ)
speciell vom kindlichen penis (
vgl. glied II B 2
a):
ebda 113. 1@bb)
zur steigerung, bes. in negativen wendungen: der dritte (
grad) ist dermassen heisz, dasz er auch kan höchlich beschädigen, wann man eyn glidlin am leibe eyne zeit lang lasst darinnen pleiben Sebiz
feldbau 399; jener tag ..., da ieder leib zu seiner sel auch artig sich mues wider finden, dasz wol kein eynigs glidlein fähl J. Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 70. 1@cc)
von kleineren körpertheilen: ein mal so seynd diese zwey kleine gliedlin (
die hoden) von gott und der natur ... zu diesem erschaffen Wirsung
artzneyb. 312
d;
für die zunge Eyering
proverb. copia 1, 3. 1@dd)
bei beweglichen künstlichen figuren: hast du, geneigter leser, nie die berühmten Nürnberger gliedermänner gesehen, so, kunstreich aus holz geschnitzelt, ihre gl. nach jedem druck bewegen? W. Hauff (1890) 2, 141. 1@ee)
bei thieren: wie sonderliche krafft und wirckung jedes gl. desselben (
des körpers der biene) hat, ist mir so genau nicht bekant Harsdörffer
gesprächspiele 2, 229
f. 22)
gelenk (
vgl. glied I),
die verkleinerungsform wohl beeinflusz von lat. articulus, vgl. articulus lideli
vocab. optimus 12
a W.; articulus glidlin Diefenbach
n. gl. 36 (
die glossierungen natürlich nicht eindeutig, vgl. z. b. lidilin
articulus [
digiti] Graff 2, 189); ingleichen wird (
beim vogelausnehmen) der schweiff samt dem fleisch, auch die flgel bey dem ersten gleichlein oder gliedlein ... abgeschnitten W. H. v. Hohberg
georg. curiosa (1682) 2, 722;
vgl. Stieler 670. 33)
angehöriger einer socialen oder politischen gemeinschaft (
vgl. glied III B): hoff ich, man werd mich schätzen gleich ein gliedlein in desz Phoebi reich J. Ammann
charta lusoria (1588) H 3. 44)
internodium, nodulus einer pflanze (
vgl. glied VI A) Stieler 670; und im anfang des glentzen erscheynen bey den gelydlin der beliben reben knOeppflein J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 33
v. 55) '
theil eines ganzen, particula' Stieler 670; denn sie nicht das geringste geliedlin von der artikel einem uns lassen künnen noch wollen Luther
bei Dietz 2, 137
a;
in rein technischem sinn: 'gl. (
bleiarbeiter)
heiszt das kleine runde glied, welches unter der ablauffläche ist' Jacobsson 5, 699
a. 66)
in etymologischer spielerei für letter buchstabe Schottel
haubtsprache 53 (
s. o.). —