-weise, -weis,
adv. (
auch adj.),
nach der art von gliedern, in gliedern, nach gliedern, glied für glied. seit mitte des 16.
jahrh. tritt gl.
neben das ältere glidweis(e);
im gegensatz zu diesem erscheint es zuerst in militärischer sphäre und ist in dieser am gebräuchlichsten; hier hat es gliedweise
fast ganz verdrängt, während auf andern gebieten gliedweise
bevorzugt bleibt. 11)
militärisch, vgl. glied IV:
in gliedern, nach gliedern geordnet: den feind wider zurcktreiben, dieweil er nicht gliderweisz oder in der ordnung kan anlauffen L. Fronsperger
kriegsordn. 98
a; alsdenn so wirt ... ein hauffen oder regiment fuszknecht, doch gliederweisz, umb das ander eingefhrt (
in furten, engpässe)
ders., kriegsbuch 1 (1578), 39
a; am allerersten und zu vorderst reyten gliederweisz die vom adel Kirchhoff
milit. disciplina (1602) 110; gliederweis marschieren Kramer 1, 537
c; die soldaten gliederweis stellen 2 (1702) 953
b; soll das bataillon mit der gantzen fronte gliederweise avancieren oder retirirend feuren v. Fleming
d. vollk. teutsche sold. (1726) 226; es ist die frage, ob nicht die salven, gliederweise abgegeben, noch wirksamer wären Wilhelm I.
militär. schr. 1, 307;
im sinne der wendung in ganzen gliedern
zur kennzeichnung schwerer verluste: sie fielen von der menge ihrer feinde gliederweise Lohenstein
Armin. 1, 41
a; der feind schien sich alles so eingerichtet zu haben, um gliederweise niedergemäht zu werden Laube
ges. schr. (1875
ff.) 3, 55; Hebbel 9, 142
W.; gelegentlich auch von schiffsformationen: auch werden solche grosze schiffe gliederweisz mitten ein in taxi gefhret W. Dilich
kriegsbuch (1607) 257. 22)
auf die glieder bzw. gliedabschnitte des menschlichen bzw. thierischen körpers erst seit dem 17.
jahrh. bezogen und stets selten, da hierfür gliedweise
sich durchaus behauptet; glied für glied, jedes glied einzeln: solt auch ein henckersknecht mich gliederweis zerfleischen A. Gryphius
gedichte 573
P.; als er in die worte ausbrach, dasz er sich lieber stck- und gliederweise zerreiszen lassen wolle, als das pabstthum niederlegen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 64; eher hier am platz lasz ich mein leben, gliederweis zerstückt Grillparzer
s. w. 8, 48
S. 33)
auf die übrigen bedeutungen von glied
nur gelegentlich bezogen: glied einer kette (
bildlich): man siehts, dasz dinge, die geschehn, wodurch sie immermehr entstehn, und wie verwirrt sie sich vermengen, je dennoch gliederweis an einer kette hängen Brandenburg
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 6, 70;
von der pflanze (
vgl. glied VI): im herbst kann man die wurtzen (
der rabellen) ... an ein temperirtes ort bringen, bisz das stengelwerck, die wie eine mistel gliederweise zusammengesetzt sind, nach und nach abfAellet W. H. v. Hohberg
georg. curiosa 1, 648; wenn wir an einem ... buchenstamme stehen, so können wir nicht mehr sehen, dasz ... er ... gliederweise erwachsen ist E. A. Rossmässler
d. wald 82;
in baukunst und technik: das abbrechen einer kriegsbrücke ... kann ... gliederweise stattfinden v. Alten 1, 7 (
vgl. glied VIII B 1
b);
allgemein von theilen gegenüber dem ganzen: gliederweise '
nach und nach' Reichel
kl. Gottsched-wb. 26; die kunst, etwas gliederweis nach seinen arten wieder aufzulösen grafen Stolberg
w. 17, 94; der (
Lohenstein), was in andern man nur gliederweise preiszt, hier voller wunder läszt aus einem buche blicken
bei Lohenstein
Armin. 2, a 3
b;
besonders wenn das organische hervorgehoben werden soll: das grosze gesetz ..., dasz alles gliederweise wächst Herder 31, 545
S. 44)
der adjectivische gebrauch, der sich heute bei den bildungen mit -weise
immer mehr durchsetzt, begegnet schon zu beginn des 19.
jahrh.: dem gliederweisen lauffeuer E. T. A. Hoffmann
ausgew. schr. (1827) 7, 427. —