glaubwürdigkeit,
f.; im späten 15.
jh. auftretende ableitung von glaubwürdig. 11)
zu glaubwürdig 1;
als eigenschaft einer person, deren einzelne aussage oder gesamte rede auf grund ihrer sittlichen, geistigen u. s. w. qualität, ihres ansehens, ihrer stellung u. dgl. als wahr angesehen werden kann. in älterer sprache öfter auch dem heutigen sinne von '
autorität'
nahestehend, vgl. authoritet glaubwirdigkeit, ansehligkeit, gwalt Simon Rot
dict. (1571) c 2
b: wie geloubent aber und mainent in den alten sin ernsthaftikait, guot treffenlich sitten, wyszhait, rAvte, ernietung und erfarung. das selb ding dann in inen gebirdt und machet etwas geloubwirdigkait, also daz die mer und höcher dann ander geschetzt werden, versteen, fürsechen, wissen und können Niclas v. Wyle
translat. 140
K; die warheit es (
das alter) bezeugen thut, solche glaubwirdigkeyt noch heut bey würrden behelt lant und leut Hans Sachs 1, 236
K.; nach dem denn Paulus sein authoritet und glaubwirdigkeit gnugsam dargethon, fehret er fort in seiner underschrifft, und erzelet, was sein lehr seye Gretter
erklär. d. ep. Pauli an d. Römer (1566) 16; Luitprand beruffte sich auf die glaubwürdigkeit seiner würde Lohenstein
Arminius (1689) 2, 546
a.
in neuerer sprache ausschlieszlicher '
vertrauenswürdigkeit in bezug auf die wahrhaftigkeit': dadurch erwirbt er (
der dichter) sich zugleich einen gröszern grad der glaubwürdigkeit Eschenburg
entwurf (1783) 126; so ists ein besonderes geschenk, dasz Burnet ... uns die geschichte seines lebens ... mit der glaubwürdigkeit einer guten ehrlichen frau erzählet Herder 23, 124
S.; den durchschlagendsten nachweis konnte der graf mit zwei worten leisten, soweit es die zeichnungen betraf, und für das übrige genügte seine glaubwürdigkeit dem gerichtsbeamten vollkommen, als er erklärte, der, welcher die stecken bemalt, könne kein anderer sein als ich G. Keller
ges. w. (1889) 3, 242; im interesse meiner eigenen glaubwürdigkeit, im interesse der wahrheit musz ich doch einige äuszerungen des herrn vorredners richtigstellen Bismarck
polit. reden 4, 358
Kohl; (
die vereidigung) ist nicht geboten, wenn ... die aussage nur nebensächliche dinge betrifft und gegen die glaubwürdigkeit des zeugen keine bedenken bestehen Triloff
reichsdienststrafordnung v. 26. 1. 37., 61.
vereinzelt in vermengung mit glaube III A 2 b: (
da er) also ein augenzeuge war, so verdiente er viel glaubwürdigkeit Fr. Nicolai
literaturbr. (1769) 4, 307. 22)
zu glaubwürdig 2
mit sachobjekt verbunden, von aussagen, berichten, urkunden u. dgl.; sinnverwandten wörtern wie '
wahrhaftigkeit, zuverlässigkeit, gültigkeit, echtheit'
sich nähernd, aber mit dem unterschied, dasz doch nur ein subjektives urteil, kein objektiver beweis vorliegt, vgl. guotduncken, ansähen der warheit, glaubwirdigkeit, gfelliger scheyn der warheit
probabilitas Frisius
dict. (1556) 1061;
in religiöser hinsicht, vgl. glaubwürdig 3: verborum illius auctoritatem, dy glaubwirdigkeitt der wortt, dy Christus redet im evangelio (
v. j. 1521) Egranus
predigten 51
Buchwald; sonst erst jünger bezeugt: lustige historien, ... die aber nicht alle von gleicher glaubwürdigkeit seyn mögen Gottsched
vernünft. tadlerinnen (1727) 1, 136; es haben zwar einige neuere nordische gelehrte daher anlasz genommen, an der glaubwürdigkeit solcher urkunden stark zu zweifeln
ders., beytr. z. crit. historie (1732) 1, 117; je mehr ich diese worte (
aus Sueton) ansehe, je mehr verlieren sie in meinen augen von ihrer glaubwürdigkeit. ich finde sie abgeschmackt, ich finde sie unrömisch, ich finde, dasz sie andren stellen in dieser lebensbeschreibung offenbar widersprechen Lessing 5, 276
M.; weil ich ursache hatte zu hoffen, dasz gerade das unerwartete dieser wendung die glaubwürdigkeit der vision selbst nicht wenig vermehren würde Schiller 4, 243
G.; nun beliebt es ihm (
dem verfasser der reisebeschreibung) aber ... alte und neue fabeln einzuschalten, wodurch denn das wahre selbst seine glaubwürdigkeit verliert Göthe 7, 188
W.; der mangel der originale (
in Gundlings auszug zur brandenburgischen geschichte) kann aber nicht hindern, die auszüge, die den stempel der glaubwürdigkeit tragen, zu benutzen Ranke
s. w. (1867) 25, 170; deshalb die glaubwürdigkeit seines attestes zu verdächtigen, darin scheint mir eine härte, eine kränkung zu liegen, die ich im namen des gewählten auf das entschiedenste zurückweise Bismarck
polit. reden 1, 285
Kohl; (
meldungen,) gegen deren glaubwürdigkeit ich nichts vorzubringen hatte A. Winnig
heimkehr (1935) 154. —
in näherem anschlusz an glauben,
vb., III B
für die subjektiv geglaubte tatsächlichkeit, wirklichkeit der existenz eines dinges u. ähnl.: Joseph Addisons verwerffung dieser personen (
der geister), wenn sie in eine fortgesetzte handlung verbunden werden, weil es ihnen an glaubwürdigkeit und möglichkeit mangle Bodmer
v. d. wunderbaren (1740) 136; so lang aber die glaubwürdigkeit dieser sachen nicht ausgemacht ist, läszt sich nichts mit zuverlässigkeit von ihm bestimmen
M. I. Schmid
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 47; der versteinerte regen, die dichten weiszen felsen ... waren artikel, von deren glaubwürdigkeit wir selbst sie nicht genugsam überzeugen konnten G. Forster
s. schr. (1843) 2, 57.
in fester verbindung historische glaubwürdigkeit: folglich muszte er nottwendig, als er zur auferstehungsgeschichte kam, alles mitnehmen, was man von jeher wider die historische glaubwürdigkeit derselben eingewendet hat Lessing 13, 22
M.; so ist es schwer, ferner zu zweifeln, ohne alle historische glaubwürdigkeit wegzuläugnen v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 162.
innere glaubwürdigkeit: unächt mögen die schriften sein, die ideen sind ächt und ohne beweis einleuchtend durch innere glaubwürdigkeit J. H. Voss
antisymbol. (1824) 2, 229; die meisten thatsachen tragen das gepräge innerer glaubwürdigkeit an sich Jac. Grimm
kl. schr. 4, 277.
anders, mit vollerem gehalt von würdigkeit '
würdigkeit, glauben zu finden'
hinsichtlich religiöser lehren, prophetischer aussprüche u. dgl.: so bald mit gründlichkeit gezeigt wird, dasz zwischen der religion und zwischen den erfahrungen und beobachtungen aus dem ordentlichen, uns bekannten laufe der natur kein streit sey, ... so ist dieses für einen jeden nachdenkenden geist einer von den mächtigsten beweisen ihrer alle zweifel weit überwiegenden glaubwürdigkeit J. A. Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 69; kann man es leugnen, dasz jetzt manche den gemeinen christenglauben mit der griechischen und punischen glaubwürdigkeit für eins halten? Herder 20, 19
S.; daher ist auch die glaubwürdigkeit der mantik mit der magie verwandt Schopenhauer
w. 4, 301
Grisebach.