glaubenslos,
glaubenlos glaublos,
adj.; im 16.
und 17.
jh. herrscht die form glaublos
stark vor, die noch ins späte 18.
jh. hineinreicht. 11)
zu glaube I A 1
u. 2, '
ohne (
rechten)
religiösen glauben'; wo steht das geschrieben? das ein gottloser, glaübloser mensch müge daher tretten und auff der kirchen glauben und meinung consecrirn? Luther 38, 202
W.; die spitzen und glaublosen sophisten 11, 450; eines glaublosen hertzen ahnen 28, 586; wie die patriarchen von Adam bis auf Moysen schrifftlosz, und dannocht nit glaubenlosz gewest seyn H. Emser
wyder d. falsch genanten eccles. (1524) I 4
b; dargegen aber der gottlosz, verstocket, glaublosz sünder grosz ... H. Sachs 18, 42
K.-G.; die tode, glaubenlose schaar hat hier kein ewig leben
M. Rinckhart
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 1, 457; die glaublosen in der angst hin- und herpamplen Dannhauer
cat.-milch (1657) 1, 134; vergebens bemühe sich eine glaubenslose wissenschaft, ... die ursachen nachzuweisen D. Fr. Strausz
ges. schr. (1877) 3, 209; unser glaubloses zeitalter Jean Paul
w. 44, 33 (
Hempel); die welt wird immer glaubensloser Rosegger
schr. II 2, 314;
vom handeln eines solchen menschen: gott mit glaublosen, faulem, nichtigem werck spotten Luther 30, 2, 389
W.; vernunfft-, lieb- und glaublose viehische lust H. Ammersbach
teutscher vielfrasz (1664) 64; manches gebet ist nur ein glaubloses geplapper Kramer
t.-ital. 1 (1700) 531
a; packt euch, ihr glaubenslosen sorgen, aus meiner gottgeweihten brust B. Schmolck
s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 831. 22)
zu glaube II B 3
u. D, '
ohne redlichkeit, treulos, wortbrüchig'
; vgl. perfidus eyn tru-
vel globloser (
voc. v. ende d. 15.
jhs.)
bei Diefenbach
gl. 425
c; treüwlosz, glaublosz
nulla fide esse Frisius
dict. (1556) 884
a;
im 16.
jh. verbreitet, später nur vereinzelt: weil sie treulosz unnd glaublosz an ihm geworden wären J. Pomarius
postilla (1590) 3, 161
a; trauet den Walen nicht, es seind glaublose leut J. Petersen
chronica (1557) 92; es sei nur ein leichtfertig gericht gewesen, damit man treubrüchig und glaublosz zuo werden ein farb gesuocht Wurstisen
Pauli Aemilii ... historien (1572) 2, 264; obwol dieser glaublose mann mit seiner vergifteten zunge den Chytraeum ansticht Paullini
philos. luststunden (1709) 1, 20;
mit glaube II B 1
sich mengend, '
kein vertrauen, ansehen besitzend': (
gelübde,) weliche ein ieder by glouben und frommkeit halten schuldig ist oder aber er wirt gloublos vor den menschen Zwingli
dt. schr. 1, 330;
zu glaube II B 2 '
ohne kredit',
nach älterer quelle wiedergegeben: durch seine wortlosigkeit (
wortbrüchigkeit) und gewaltthätigkeit wären ihrer viele güterlos, erblos, glaubenlos gemacht Dahlmann
gesch. v. Dännemark 3, 224. 33)
zu glaube III A 1
von etwas, dem man keinen glauben schenken, das man nicht für wahr halten kann, '
unglaubhaft'
; im religiösen bereich: warum hand sy das wort gottes gloubenlos gemacht, indem dasz sy zwungen hand, man sölle irem wort als vil gloubens als gottes wort geben? Zwingli
dt. schr. 1, 224;
profan: rathet und lüget zu, so ihr je einige glaublose lügen noch in euer meisterlichen lügentaschen habt J. Adrian
send- u. warnungsbrieff (1609) 16,
wo aber auch 2
möglich scheint; ... er stürtzet mann und pferd und wirket wunderwerk und gar glaublose dinge Joh. Freinsheim
t. tugentspiegel (1639)
bei Schottel
haubtspr. 62; thaten glaubenlos machen Michaelis
bei Kinderling
reinigk. d. dt. spr. (1795) 395; die bibel, ... die abgeschabte, glaub- und nutzlose urkunde des ausschweifenden morgenlandes! Herder 6, 196
S. 44)
vereinzelt zu glaube III B 1 c, '
ohne hoffnungsvolle erwartung': da gedenckt die glaublosz seel aller hoffnung einicher erlösung (
aus der türkischen gefangenschaft) entsetzet, ... es sey mit yhr ausz und ladet auf sich verzweiflung und abfall Seb. Franck
weltbuch (1534) 102
a,
wo jedoch auch 1
hereinkreuzt; durch einen ... aberglauben, dasz ich ein unternehmen nicht aussprechen dürfe, wenn es gelingen solle, verschwieg ich selbst Schillern diese arbeit, und erschien ihm daher als untheilnehmend, glauben- und thatlos Göthe 35, 91
W. —