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gierlich

mhd. bis Dial. · 3 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gierlich adj. und adv.

Bd. 7, Sp. 7386
gierlich, adj. und adv. , cupidus. zu 1gier. ahd. kirilîho, kerilîho (s. dazu bei 1gier), mhd. girlîch; nl. entspricht geerlijk 'begeerig, hebzuchtig' woordenbook 4, 693. — zu mnd. gīrlīk Schiller-Lübben 2, 114a, und mnl. gierlike, adv., Verwijs-Verdam 2, 1957, s. 1gier und geierlich, teil 4, 1, 2, 2563. — die ältere form girlîch bis ins 16. jh.: dt. myst. 1, 314 Pf.; Hans Sachs 22, 164 K.-G.; daneben mit ie Diefenbach 134c (15. jh.); Hans Sachs 15, 316 K.; auch gyerlichen (md., 15. jh.) Diefenbach 61a. alte form des adv. auf -en bis ins 15. jh.: girlichen Heinrich v. Hesler apok. 5978 H.; gierlichen Diefenbach 134c. — das wort ist bis in das ältere nhd. gebräuchlich. 11) von anfang an ist das in gier steckende intensive moment stark entwickelt, vor allem bei adverbieller verwendung, voll verlangenden, zupackenden eifers, heftig, rasch: quantotius huueo keroliho ahd. gl. 1, 237, 20; avide kiriliho ebda 2, 260, 6; vgl.: raptim zuck-, snel-, girlich (md., 15. jh.) Diefenbach 484b; avide gyerlichen ebda 61a. — auch gelegentlich als bereitsein: sponte kerilicho, wilin (9. jh.) ahd. gl. 4, 20, 15; vgl.: wann ob es noch mglich were das ich als offt strb sovil selen in der hell sein ... so wer noch mein leichnam bereit die ding alle ze leiden mit girlichem willen (cum libenti voluntate) und aller volkommnester liebe Birgitte (1502) 96b. besonders gern daher vom kampf: hurta! wie die werden gæn ain ander brogten! enmitten do si zogten zesamene sus girlich Joh. v. Würzburg Wilhelm 14725 Regel; (der bischof) getruwete wol ... das er ouch in kein ander wise des krieges möhte ein ende han denne mit strite, ... darumbe zogete er gar girliche gegen den burgern (die feinde) Jac. Twinger (1400) in chron. d. dt. st. 9, 658; trat er gen den veindten vnd schluog sich mit in. girlich was der man, das er stund zum fordristen daran Teuerdank 76, 119 H. in weiterer anwendung: das gierliche verlangen nach ehr und eitelem hochwesen ist die ehrsucht Schottel ethica (1669) 168. 22) beliebt hauptsächlich im bereich des animalischen. beim trieb nach nahrung mit geradezu sinnenfälliger vorstellung des gierigen zuschnappens, das an den stamm gīr- erinnert, zumal bei md. autoren: daz wart umbe daz getan, alse ienre Leviathan ... so girliche irslunde den menschen ane sunde Hartmann rede v. glouben bei Massmann ged. 647; swen her (Christus bei der versuchung) iz (das brot aus steinen) girlichen eze Heinrich v. Hesler apokal. 5978 H.; der visch den angel girlich schlückt vnd muosz zuo lest erwürgen dran Seb. Brant narrenschiff 45 Zarncke. für üppiges schwelgen: comessari kostlich leben, gierlichen eszen (md., 15. jh.) Diefenbach 134c. übertragen von der fressenden heftigkeit des feuers: so denne daz (fege-)viwer siner materje ie mêr an dem menschen vindet, sô ez ie girlîcher sich dar ane heftet dt. myst. 1, 314 Pf. im erotischen, sinnliches begehren ausdrückend: Crispinn girlich sinne uz blchait da traten ... 'herre' sprach si, 'mir wart nie kunt lieber man uf erden' Johann v. Würzburg 13034 R.; gar eng ward mir die welt. do sich zu fleiss mein aug girlich darin (in das mädchen) verschoss, von krankhait ward ich plaug Oswald v. Wolkenstein 100 Schatz; und saget: welcher hie auff erdt ein weib gierlich ansehen thut und begert ir in seinem muth im hertzen zu dem werck unrein Hans Sachs 15, 316 K.; [] doch also daz sie (Thamiris) den girlichen kúnig ... verhret Steinhöwel de claris mulieribus 176 lit. ver. ebenso vom tier: wann als ... das pferd ... den selben platz erkent, hat das nach seiner girlichen art nach der stuoten gewinnelt und geschrien H. Boner Justinus (1532) 5a. — geistlich gewendet, von der göttlichen minne: und mit dem umbevahin irvúllit sich elliu min girde und ist vrolich min gelust ... und min girlichiz herze ist irlúhtit st. Georgener prediger 171 R.; (Christus) was diu menscheit inne sô mit girlîcher minne, und ouch erbermde ân ende grôz het er in sînem sinne bei Bartsch meisterlieder 257. 33) mehr dagegen zurücktritt die sonst bei gier-stämmen häufige verwendung als 'habsüchtig': vil maniger, der ze helle ist komen niuwan durch girlîchen muot und ninder kristenlîchen tuot, niuwan horden unde sparn Biterolf u. Dietleib 13393 Jänicke; wand er (der reiche) mit girlicher pflicht (habsucht) den kopf hete an sich gekart passional 23, 89 K.; (im 9. gebot:) klag got, hastu heymlich verletzt deyns nechsten hausz, girlich nachgsetzt Hans Sachs 22, 164 K.-G.; das die leute scharren, krimmen und kratzen und dem pfenning auffs gierlichst und listigst nachstellen A. Taurer feigenbaum (1593) e 7a. 44) objectiv gebraucht bezeichnet gierlich das ziel des verlangens, das begehrte oder zu begehrende, auch mit dem beiklang des begehrenswerten: der fünfte ast (des palmbaums) ist diu begerunge, daz der mensche unsirs herren gert mit allen sinen sinnen, von allem sime hercen, also kreftecliche, daz er alle sine girde gedenit het an den girlichen got bei Wackernagel altdt. pred. u. gebete (1876) 140; ich (Maria) bin ouch sîn werder trôn, ich bin sîn ougenweide, ich bin der gotheit girlîch crôn, wan ich mich mit im cleide bei Bartsch meisterlieder 208; Jesus ..., du bist ain signuft der gOetlichen sAelkait und edelkait und bist unzallich vOellú sskait, und alles daz an dir ist, daz ist alles girlich und lustlich st. Georgener prediger 70 R.; vnd möchten vil laidsamer sachen ingerissen sin, die iren tod gemachet hetten dir girlich Niclas v. Wyle translationen 124 Keller; 'spannend': dises pchlin mit sampt andern aylffen die sein ... verloren ... gewesen vnd neulich ... wider gefunden, also das die matery wider neue ist bey geleerten vnd vngeleerten vnd darumb dester lustiger vnd girlicher zuo lesen Albrecht v. Eybe spiegel d. sitten (1511) 171b.
5793 Zeichen · 143 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gierlichAdj.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    gierlich , Adj. Vw.: s. girlich

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gierlichadj. und adv.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gierlich , adj. und adv. , cupidus. zu 1 gier. ahd. kirilîho, kerilîho ( s. dazu bei 1 gier), mhd. girlîch; nl. entspric…

  3. modern
    Dialekt
    gierlich

    Rheinisches Wb.

    gier-lich Rip Adv.: g. esse (fresse) gierig, hastig.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gierlich

9 Bildungen · 1 Erstglied · 7 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gierlich 2 Analysen

gier + -lich

gierlich leitet sich vom Lemma gier ab mit Suffix -lich.

Alternativen: gi+-er+-lich

gierlich‑ als Erstglied (1 von 1)

gierlichkeit

DWB

gierlich·keit

gierlichkeit , f. , cupiditas; abstractbildung zu gierlich. nur im älteren nhd. bezeugt, als girlichkeit ( von 1495) Diefenbach 15 c , gyrli…

gierlich als Zweitglied (7 von 7)

begierlich

DWB

begier·lich

begierlich , cupidus, expetibilis: die drit predig sagt von zuo vil essen und trinken und von begirlichem nachlaufen und anhangen dem geschl…

menagierlich

GWB

mena·gierlich

menagierlich sparsam Überhaupt muß ich in dieser ganzen Sache wünschen, daß auf das m-ste zu Werke gegangen werde. Besonders auch, damit man…

Unbegierlich

Campe

unbegier·lich

Unbegierlich , — er, — ste , adj . u. adv . nicht begierlich, keine ungeordnete heftige Begierden empfindend. Davon d. — keit .

unregierlich

MeckWB

unregier·lich

Wossidia unregierlich unregierbar, unlenkbar: 'n unregierlich Kind Ro Rostock@Ribnitz Ribn ; Pierd' sünd so unregierlich NeuhR; so unregierl…

Ableitungen von gierlich (1 von 1)

begierlich

DWB

begierlich , cupidus, expetibilis: die drit predig sagt von zuo vil essen und trinken und von begirlichem nachlaufen und anhangen dem geschl…