gierlich,
adj. und adv. ,
cupidus. zu 1gier.
ahd. kirilîho, kerilîho (
s. dazu bei 1gier),
mhd. girlîch;
nl. entspricht geerlijk '
begeerig, hebzuchtig'
woordenbook 4, 693. —
zu mnd. gīrlīk Schiller-Lübben 2, 114
a,
und mnl. gierlike,
adv., Verwijs-Verdam 2, 1957,
s. 1gier
und geierlich,
teil 4, 1, 2, 2563. —
die ältere form girlîch
bis ins 16.
jh.: dt. myst. 1, 314
Pf.; Hans Sachs 22, 164
K.-G.; daneben mit ie Diefenbach 134
c (15.
jh.); Hans Sachs 15, 316
K.; auch gyerlichen (
md., 15.
jh.) Diefenbach 61
a.
alte form des adv. auf -en
bis ins 15.
jh.: girlichen Heinrich v. Hesler
apok. 5978
H.; gierlichen Diefenbach 134
c. —
das wort ist bis in das ältere nhd. gebräuchlich. 11)
von anfang an ist das in gier
steckende intensive moment stark entwickelt, vor allem bei adverbieller verwendung, voll verlangenden, zupackenden eifers, heftig, rasch: quantotius huueo keroliho
ahd. gl. 1, 237, 20;
avide kiriliho
ebda 2, 260, 6;
vgl.: raptim zuck-, snel-, girlich (
md., 15.
jh.) Diefenbach 484
b;
avide gyerlichen
ebda 61
a. —
auch gelegentlich als bereitsein: sponte kerilicho, wilin (9.
jh.)
ahd. gl. 4, 20, 15;
vgl.: wann ob es noch mglich were das ich als offt strb sovil selen in der hell sein ... so wer noch mein leichnam bereit die ding alle ze leiden mit girlichem willen (
cum libenti voluntate) und aller volkommnester liebe
Birgitte (1502) 96
b.
besonders gern daher vom kampf: hurta! wie die werden gæn ain ander brogten! enmitten do si zogten zesamene sus girlich Joh. v. Würzburg
Wilhelm 14725
Regel; (
der bischof) getruwete wol ... das er ouch in kein ander wise des krieges möhte ein ende han denne mit strite, ... darumbe zogete er gar girliche gegen den burgern (
die feinde) Jac. Twinger (1400)
in chron. d. dt. st. 9, 658; trat er gen den veindten vnd schluog sich mit in. girlich was der man, das er stund zum fordristen daran
Teuerdank 76, 119
H. in weiterer anwendung: das gierliche verlangen nach ehr und eitelem hochwesen ist die ehrsucht Schottel
ethica (1669) 168. 22)
beliebt hauptsächlich im bereich des animalischen. beim trieb nach nahrung mit geradezu sinnenfälliger vorstellung des gierigen zuschnappens, das an den stamm gīr-
erinnert, zumal bei md. autoren: daz wart umbe daz getan, alse ienre Leviathan ... so girliche irslunde den menschen ane sunde Hartmann
rede v. glouben bei Massmann
ged. 647; swen her (
Christus bei der versuchung) iz (
das brot aus steinen) girlichen eze Heinrich v. Hesler
apokal. 5978
H.; der visch den angel girlich schlückt vnd muosz zuo lest erwürgen dran Seb. Brant
narrenschiff 45
Zarncke. für üppiges schwelgen: comessari kostlich leben, gierlichen eszen (
md., 15.
jh.) Diefenbach 134
c.
übertragen von der fressenden heftigkeit des feuers: so denne daz (
fege-)viwer siner materje ie mêr an dem menschen vindet, sô ez ie girlîcher sich dar ane heftet
dt. myst. 1, 314
Pf. im erotischen, sinnliches begehren ausdrückend: Crispinn girlich sinne uz blchait da traten ... 'herre' sprach si, 'mir wart nie kunt lieber man uf erden' Johann v. Würzburg 13034
R.; gar eng ward mir die welt. do sich zu fleiss mein aug girlich darin (
in das mädchen) verschoss, von krankhait ward ich plaug Oswald v. Wolkenstein 100
Schatz; und saget: welcher hie auff erdt ein weib gierlich ansehen thut und begert ir in seinem muth im hertzen zu dem werck unrein Hans Sachs 15, 316
K.; [] doch also daz sie (
Thamiris) den girlichen kúnig ... verhret Steinhöwel
de claris mulieribus 176
lit. ver. ebenso vom tier: wann als ... das pferd ... den selben platz erkent, hat das nach seiner girlichen art nach der stuoten gewinnelt und geschrien H. Boner
Justinus (1532) 5
a. —
geistlich gewendet, von der göttlichen minne: und mit dem umbevahin irvúllit sich elliu min girde und ist vrolich min gelust ... und min girlichiz herze ist irlúhtit
st. Georgener prediger 171
R.; (
Christus) was diu menscheit inne sô mit girlîcher minne, und ouch erbermde ân ende grôz het er in sînem sinne
bei Bartsch
meisterlieder 257. 33)
mehr dagegen zurücktritt die sonst bei gier-
stämmen häufige verwendung als '
habsüchtig': vil maniger, der ze helle ist komen niuwan durch girlîchen muot und ninder kristenlîchen tuot, niuwan horden unde sparn
Biterolf u. Dietleib 13393
Jänicke; wand er (
der reiche) mit girlicher pflicht (
habsucht) den kopf hete an sich gekart
passional 23, 89
K.; (
im 9.
gebot:) klag got, hastu heymlich verletzt deyns nechsten hausz, girlich nachgsetzt Hans Sachs 22, 164
K.-G.; das die leute scharren, krimmen und kratzen und dem pfenning auffs gierlichst und listigst nachstellen A. Taurer
feigenbaum (1593) e 7
a. 44)
objectiv gebraucht bezeichnet gierlich
das ziel des verlangens, das begehrte oder zu begehrende, auch mit dem beiklang des begehrenswerten: der fünfte ast (
des palmbaums) ist diu begerunge, daz der mensche unsirs herren gert mit allen sinen sinnen, von allem sime hercen, also kreftecliche, daz er alle sine girde gedenit het an den girlichen got
bei Wackernagel
altdt. pred. u. gebete (1876) 140; ich (
Maria) bin ouch sîn werder trôn, ich bin sîn ougenweide, ich bin der gotheit girlîch crôn, wan ich mich mit im cleide
bei Bartsch
meisterlieder 208; Jesus ..., du bist ain signuft der gOetlichen sAelkait und edelkait und bist unzallich vOellú sskait, und alles daz an dir ist, daz ist alles girlich und lustlich
st. Georgener prediger 70
R.; vnd möchten vil laidsamer sachen ingerissen sin, die iren tod gemachet hetten dir girlich Niclas v. Wyle
translationen 124
Keller; '
spannend': dises pchlin mit sampt andern aylffen die sein ... verloren ... gewesen vnd neulich ... wider gefunden, also das die matery wider neue ist bey geleerten vnd vngeleerten vnd darumb dester lustiger vnd girlicher zuo lesen Albrecht v. Eybe
spiegel d. sitten (1511) 171
b.