gewidern,
verb. ,
verstärktes widern (
s. d.),
vgl. wideren
mhd. wb. 3, 623
b; Lexer 3, 833.
wie beim einfachen verbum sind auch beim compositum zwei bedeutungsrichtungen zu unterscheiden, je nachdem es an wider =
adversus oder an wider =
rursus (
neuhochd. wieder)
anknüpft. 11)
zu wider (
adversus)
fallen die ersten belege für das compositum so früh, wie die für das grundverbum, in die althochdeutsche periode (Graff 1, 639).
sie sind freilich nur spärlich und nehmen auch in der mittelhochdeutschen zeit (
mhd. wb. 3, 623
b)
nur wenig raum ein, sie reichen aber verhältnismäszig weit in die neuere sprache. so spärlich die belege flieszen, lassen sie doch eine grosze mannigfaltigkeit der fügeweise überblicken: transitiven und reflexiven gebrauch, persönliches und sächliches object. manche fälle lassen eine zweifelsfreie deutung überhaupt nicht zu. die bedeutung verhindern, zurückhalten,
die in der verbindung mit einem persönlichen object sich leichter differenziert, hält sich bei der verbindung mit sächlichem object in engen grenzen. 1@aa)
mit persönlichem object. 1@a@aα) sie sint so sama chuani,selb so thie Romani; ni tharf man thaʒ ouch redinon,thaʒ Kriachi in thes giwidaron. Otfrid 1, 1, 60
Erdmann (
nach der Heidelberger handschr. gegen widaron
in der Freisinger); 1@a@bβ) dann Pilatus sasz bald darnach zu gericht auff diesem gerichtstul, und hiesz die Jüden jren schatz herfür thun, den sie corban nennten, dasz er das wasser zweihundert stadia weit möcht in die statt führen, und als sie sich gewidert, hat er vom gerichtsstul den kriegsleuten ein zeichen gegeben, dasz sie mit kolben vil Jüden erschlagen ... Adam Reiszner
Jerusalem 1 (1565), 31
a. 1@bb) si uero post ea uoluerit stabilitatem suam firmare non rennuatur talis uoluntas ... aftar diu ... statiki ... festinon ... si kevvidarot solih ... Kero
benediktinerregel cap. 61
Hattemer 1, 116; ich hilue dir gerne hinnen wilt du helt dingen dar zu dem chunige Marsilien dune maht iʒ nicht gewideren. behalt lip unt rum wilt du des nicht tun. dinen botich wirue ich den uogelen. Konrad
Rolandslied 149, 8
W. Grimm; sprichet ain man den andern an der wirs geborn ist, er widert es wol. sprichet ain hôchgeborner ainen an der wirz geborner ist danne er, er enmag sîn niht gewideren.
Schwabenspiegel landr. § 350
Wackernagel 311 (
vgl.: die aver bat geboren is, den ne kan die wers geborne nicht verlecgen,
var. geweigern, verwerffen.
Sachsenspiegel landr. 1, 63).
im folgenden ist mehrfache deutung möglich: widern
kann ebenso gut zu rursus
als zu adversus
gezogen werden, und die varianten haben die entscheidung verschiedenartig getroffen: der gen Troy reit, u underwegen manchen seltzamen gedancken u anschlag het, wie er dem grafen sein betrug möcht gewidern, und gedacht offt bei jm selbs ... Huge Schappler (1537) 52
b (
die Hamburger handschr.: wie er graue Frideriche sinen muttwillen nieder legen mochte. 52 r
a Urtel; der druck von 1500: wie er dem graffen siner boszheit möchte vergeltē. lxvii
b). 1@cc)
aus diesem bedeutungszusammenhang zweigt das mundartliche adjectiv gewiddersch
ab, vgl.: 'ein gewidderscher kerl' ist einer, der vielleicht seine nubben hat, hinter dem aber doch etwas stecken kann. S. Saul
ein beitrag zum hessischen idiotikon 16. 22)
zu wider (
rursus)
setzen die belege erst später ein; sie reichen nicht über das 14.
jahrh. hinaus und sind auf mitteldeutsches gebiet beschränkt: 2@aa)
mit object der person: daʒ er uns hie erloste, und er aller hoste zu disem nider geniderte, daʒ er uns mite gewiderte uʒ der sunden phule zu deme hoen stule, da wir zu manigen iaren uʒ gevallen waren? Heinr. Hesler
Ev. Nic. 154
Helm. 2@bb)
mit object der sache: sin iare niemant gewid'n kan, sw' alt ist, d' sol loben got daʒ in gevristet hat d' tot so lange ... Hugo v. Trimberg
renner 6666; und hîldin darûf engin rât, wî sî mit werlîchir tât den sô vîentlîchin pranc besît geschubin, der sî twanc, und gewidirtin den schadin, dâmit sî sus wârn vorladin von der brûdre twengin. Nicolaus v. Jeroschin
chron v. Preuszenland 17, 165
Strehlke.