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gewerbig

nhd. bis sprichw. · 3 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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3 in 3 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewerbig

Bd. 6, Sp. 5599
gewerbig (bei Schweizer schriftstellern gewirbig), abgeleitetes adjectiv, das der neueren sprache nur noch im schweizerischen schriftgebrauch angehört. die älteren belege weisen zwei richtungen der entwicklung auf: mit dem verbum werben, gewerben hat das adjectiv das festhalten an der sinnlichen grundbedeutung der bewegung gemein, doch verengt sich die hierauf beruhende bedeutung rührig, thätig, gern in der richtung auf gewinn, erwerb. diesz ist namentlich der gang der schweizerischen entwicklung. von anfang an jedoch steht neben dieser kennzeichnung einer eigenschaft die mehr appellativische verwendung, die sich eng an gewerbe = commercium anlehnt, gewerbig ist hier = gewerbtreibend. dieser zweig der entwicklung ist ganz abgestorben. 11) die auf der sinnlichen grundvorstellung beruhenden bedeutungen beweglich, rüstig, anstellig, thätig. fleiszig: si tet als die gewirbigen binlein, die das süsz honig aus den manigfeltigen blumen eintragend. Johannes Meier vorr. zu Elsbet Stagels leben d. schwestern zu Tösz. Vetter s. 4; sag, was hat die stat vür ein handel? er sprach: 'es ist ein groser wandel, ein namhaft und ein genge stras der Tewtschen, so an unterlas da webern mit gewerbiger hant durch das gepürg in das Welschlant und in andre lant hin und wider. H. Sachs (lobspruch d. stadt Salzburg) 22, 484 Götze; so habe ich doch allein allhie für den gemeinen soldaten, auch gemeine handtgewärbige, jedoch auszerlesen unnd wol erfahrne künstlein anzeigen unnd lehren wöllen. Raimund Minderer medicina militaris (1620) 144 (handgewerbige in späteren ausgaben); wenn sie ganz klein sind, so kräzt sie die mutter nimmt sie der vater, so wie sie aber ab deren armen kommen, so entfremden sie sich auch mehr oder weniger den herzen, es sei dann ein b'sungerbar hübsches und g'wirbiges kind, das sich fest zu ketten weisz an dem einen oder dem andern herzen. Gotthelf geld und geist oder die versöhnung (1852) 401; er ist gewerbig, wenn man ihm mit holzschlägel auf den grind gibt. Schweizer sprichwort bei Wander 1, 1652; e gwerbige mensch (sich viel umthuend). Schmeller 22, 982. 22) bedeutungsverengerung in der richtung auf gewinn, erwerb. 2@aa) nur aus älteren wörterbüchern belegt ist die auch unter gewerbhaftig (s. d.) verzeichnete passive bedeutung: res quaestuosa, fast nuzlich und gwünsam, gewärbig. Cholinus-Frisius 722b; ebenso Maaler 178b. 2@bb) dagegen reiht sich ungezwungen hier an: und kam her gen Augspurg ... zu einem kramer, genant Ulrich Schön, was auf dasselbe mal ain reicher gewerbiger kramer. B. Zink (d. städtechron. 5) 126; dann daselbst allweg und noch verstendig, gwerbig, kunstreich volck, guter sitten gewonet, die kein grobheit gebrauchen. Trithemius chronica d. Franken 66b; nein, fragst du nach verdienst, so sieh den Porcius, er ists, bei dem man sich zum manne modeln musz; steif, ehrbar, ordentlich, in seinem thun bedächtlich, gewirbig, zum gewinn war nie ein weg verächtlich, er ist aus versicht (!) keusch, bricht sich und andern ab, und lässet ohne sich ja keine leich ins grab. Haller (der mann nach der welt) schweiz. ged. 125 (vgl. dazu Schönaich neolog. wb. 258, 30 Köster); bald aber fanden sie im weben feiner leinwand gröszern gewin; bald ward diesz und handel mit köstlichem linnen die vornehmste ihrer gewerbigen thätigkeit. Zschokke klass. stellen der Schweiz 149; unter diesen umständen wird eine jede oberkeit ihren grössten gewinn und vortheil von der beschützung der freiheiten finden, durch welche das hausglück stiller, gewerbiger und arbeitsamer einwohner gesichert und geäuffnet wird. Pestalozzi schriften 12, 157; ja, du hast eine gewerbige gescheite frau, da gescheiteste von meinen kindern. schade, dasz die nicht ein mann geworden ist, die hat einen unternehmenden geist. Auerbach edelweisz 249. 33) der appellativische gebrauch; die anlehnung an gewerbe = commercium. 3@aa) attributive verbindungen. 3@a@aα) unser vater ist genant Burkhart Zingg und was auf dasselb mal ain gewerbig man und arbeit auf der Steirmark und het er und guet und was beseszen zu Memingen. B. Zink (deutsche städtechron. 5) 122; item welcher in Mals sein haus hat und päurliche rechte thuet ... dem ist vergunt, dasz er zwei rinder ... halten ... doch ob einer ein gwerbiger mann wäre, der ein rosz hätte, der soll ein rind weniger halten. weisth. v. Mals (österr. weisth. 4, 29); vor dem lewenthor (bei Ulm) war auch ein herrlich vorstatt, die reichet bisz zum spital für Götzingerthor hinausz, da sassen vil gewerbig burger und kaufleute innen, auch die besten handwercker und herbergen. S. Franck Germania 396b. 3@a@bβ) der rOemisch knig Sigmund liesz angentz alle sine reisigen in der statt gassen verhten, die burger von Costentz in gweer und harnisch gerst, usz bevelch des knigs, damit wechslern, koufflten und anderm gewirbigem volck, dero usz aller christenheit vil da warend, kein schad geschehe. Tschudi Schweiz. chron. (z. jahre 1415) 2, 7b Iselin; welcher aber in stetten, flecken ... und fürnemlichen an gewerbigen orten, als an gassen oder plätzen, ein wohn oder behausung bawt, dem sol kein dachgefell oder träff auff die gemeind ohne kendel und rinnen zuo gelassen noch gestattet werden. Fronsperger bauordn. 31a; eine andere wohlthat welche die grafschaft Mark ihm verdankte, war die verwandlung der accise oder verbrauchsteuer in eine für ein offenes gewerbiges land passendere abgabe mittelst fixation. Pertz aus Steins leben 1, 45; ich spreche von Yverdon, oder Iferten, nächst Lausanne und Vevey, das gewerbigste und ansehnlichste städtchen des Waatlandes. Zschokke klass. stellen der Schweiz 278; die alten gewerbigen reichsstädte .. schwangen sich nie ganz wieder zu dem vorigen wohlstande empor. Becker weltgeschichte (1830) 9, 162. 3@bb) die substantivierung: allen und iglichen geistlichs und weltlichs stands, ... darz kauflten, schiffluten, verechtern, gewerbigen, flossern ... gnad und alles gt. patent des pfalzgrafen Philipp von 1493, ztschr. gesch. Oberrh. 9, 427; wir haben usz furstlichem gemt uns, unsern landlten und unsern, auch gemeinem gewerbhandel z gde und erlichterng vil beswernis den selbigen gewerbigen und súnderlich, die wine keúfen und verkefen uff den Rine, unsern kramern zu Winheim ... ernuowert. ebenda.
6272 Zeichen · 98 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gewerbig

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gewerbig ( bei Schweizer schriftstellern gewirbig ), abgeleitetes adjectiv, das der neueren sprache nur noch im schweize…

  2. modern
    Dialekt
    gewerbigAdj.

    Pfälzisches Wb.

    ge-werbig Adj. : ' gelenkig, flink ', geweʳwich, -isch [verbr. westl. WPf Don-Lenauh]; vgl. gewerblich , gewerfig , gewe…

  3. Sprichwörter
    Gewerbig

    Wander (Sprichwörter)

    Gewerbig Er ist gewerbig, wenn man ihm mit dem Holzschlägel auf den Grind gibt. ( Schweiz. ) – Kirchhofer, 148.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewerbig

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gewerbig 2 Analysen

ge- + werb + -ig

gewerbig leitet sich vom Lemma werb ab mit Präfix ge-, mit Suffix -ig.

Alternativen: gewerb+-ig

gewerbig‑ als Erstglied (1 von 1)

gewerbigkeit

DWB

gewerbig·keit

gewerbigkeit , f. , ableitung zum vorhergehenden, die anfangs weiter verbreitet, neuerdings nur noch Schweizer schriftstellern angehört. dem…

Ableitungen von gewerbig (1 von 1)

ungewerbig

DWB

ungewerbig , adj. , gth. v. gewerbig 1 ( beweglich ): ungewerbig hende Dietenberger christl. verm. E 4 b ; mundstücke für ein junges pferd m…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gewerbig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gewerbig/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „gewerbig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gewerbig/dwb. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gewerbig". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gewerbig/dwb.
BibTeX
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