Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)
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getüncht , participiales adjectiv zu tünchen (s. d.). schon die althochdeutschen glossen zeigen die attributive verwendung des particips, von der die isolierung der verbalform ausgeht, und zwar treten schon hier die beiden grundformen einander gegenüber: gitunichotan. Steinmeyer und Sievers 1, 673 als glosse zu Amos 7, 7 (super murum litum, der herr stuond auff einer klaibte maur. Eck, bei Luther andere fassung; auff einer beworffen maur. Dietenberger) und gitunchoto glosse zu Jeremias 12, 9 avis tincta (var. gimaler). Steinmeyer und Sievers 1, 629 (mein erbe ist wie der sprincklicht vogel, umb welchen sich die vogel samlen. Luther; gspräckleter vogel. Eck; manigferbiger vogel. Dietenberger). 11) die erste der beiden verbindungen ist aus Luther bekannt, der sie in sinnlicher grundbedeutung und in übertragung gebraucht. 1@aa) in sinnlicher grundbedeutung: das volck bawet die wand, so tünchen sie dieselben mit losem kalck .. sihe so wird die wand einfallen. was gilts, denn wird man zu euch sagen, wo ist nu das getünchte, das jr getüncht habt. Hes. 13, 12 (wo ist die bestreiche, die jr klaibt habt. Eck; wo ist nu der mörtell, mit dem jr geworffen habt. Dietenberger); eben zur selbigen stunde giengen erfur finger, als einer menschenhand, die schrieben gegen dem leuchter uber, auff die getünchte wand in dem königlichen saal, und der könig ward gewar der hand die da schreib. Luther Dan. 5, 5. ebenso Dietenberger (flache wand. Eck. Petri im Basler nachdruck von 1523 führt getünchte wand im verzeichnis der unverständlichen wörter auf und übersetzt es mit geweisste, bekleibte. Frommann 6, 42); getünchte wand. Corvinus 133; getünchte sachen an den wenden crustae. 235; eine getünchte wand, une paroi blanchie Schwan (1782) 740; da der rath Reifenstein in Caserta bei ihm war, so machte Hackert einige versuche à l'encaustique; sowohl auf feine pappendeckel als auf holz, und auch auf getünchte mauer, oder auf grosze tavolezze, die er tünchen liesz, dasz sie also wie eine mauer waren. Göthe (Hackert) 37, 288; um nun auch den höhern kunstsinn zu befriedigen, so hatte man schon, und wahrscheinlich in besonderen werkstätten, sich auf die fertigung kleinerer bilder gelegt, die, auf getünchte kalktafeln gemahlt, in die weite getünchte wand eingelassen, und durch ein geschicktes zustreichen, mit derselben völlig ins gleiche gebracht werden konnten. Göthe (Zahns ornamente und gemählde aus Pompeji) 44, 148. vgl.abgetünchte wand unter abtünchen th. 1, sp. 145. 1@bb) in übertragener bedeutung: der hohepriester aber Ananias befalh denen die umb jn stunden, das sie jn auffs maul schlügen. da sprach Paulus zu jm, gott wird dich schlahen, du getünchte wand. Luther apostelgesch. 23, 3 (paries incrustata, τοῖχε κεκονιαμένε; got niderslach dich du geweiste want. cod. Teplensis; du vergleiszte wand. Eck, ebenso Dietenberger). die anschauung, auf der diese übertragung beruht, geht noch deutlicher aus einer anderen bibelstelle hervor, in der Luther das particip übertüncht gebraucht: jr heuchler, die jr gleich seid wie die ubertünchte greber, welch auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller totenbein, und alles unflats. Matth. 23, 27. hier knüpft der gebrauch bei Klopstock an, der wiederum auf die späteren schriftsteller von einflusz war: ich will nicht eher ruhn, als bis dein hasser erwürgt ist! als bis ich von des Nazaräers vergossenem blute volle hände zum hohen altar der dankenden bringe, und sie über mein haupt, das lange schon grau war, erhebe! also sagt' er, und feurte sich an zu wähnen, die gottheit decke getünchte gräber nicht auf; doch nannte sein herz ihn heuchler! Klopstock Messias 4, 173; sollen vielleicht dem eroberer nur schandmale den lauten namen ewigen? nicht dem hochverräther der menschheit, nicht dem scheusal, dem heuchler auch, so der freiheit opfernd, kettenumrasselte freie würgt? nein, so wählet ihr nicht, vergesset eh die eroberer, als dasz ihr nicht der freiheit getünchte vergötterer hinstellt, wie sie waren. das denkmal 2, 170; indem er (der inquisitor) zu dem getünchten Philipp sagte: ich weisz es, ich weisz es, was schuld ist, dasz die empörer nicht sind gedämpft worden! die grosze gelindigkeit des Alba ist schuld. gelehrtenrep. (werke 12, 357); im städtchen giebt es des jubels viel, da halten sie hochzeit mit tanz und mit spiel, dem fröhlichen blinkt der wein so roth, die braut nur gleicht dem getünchten tod. Chamisso der spielmann; die kirche ist treulos geworden, denn ohne führer, ohne licht, läszt sie verwildern ihre horden, entgegentaumeln dem gericht. der klerus möchte gerne bannen den strahl des himmels von der welt, er möchte um die erde spannen sein schwarz getünchtes lügenzelt. Lenau (Savanarola) 2, 229. 22) an getüncht, tinctus knüpft an: wie? was? was willst du? — fährt der mohr ihn schnaubend an. ein kerlchen mit getünchten wangen, ein ding von marcipan, kommt und begehrt ich soll den zaum ihm langen? wann ward so was erhört. Wieland (des maulthiers zaum) 18, 337; Poseidon fährt mit rossen durch die wellen, sein dreizack macht die felsenküsten beben, empor sich inseln aus der tiefe heben und flammen blutgetüncht, die nacht erhellen. W. v. Humboldt sonette (Poseidon) 112.
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15.–20. Jh.
Neuhochdeutschgetüncht
Grimm (DWB, 1854–1961)
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Cotta, M. (2026). „getuencht". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/getuencht/dwb?formid=G12894
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Cotta, Marcel. „getuencht". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/getuencht/dwb?formid=G12894. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „getuencht". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/getuencht/dwb?formid=G12894.
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