Eintrag · Frühneuhochdeutsches Wb. (FWB)
gestalt
gestalt
- ›Gestalt, äußere Form, Modell, Rahmen, Umriß, die / den eine (meist konkret, auch abstrakt gedachte) Bezugsgröße bleibend hat, in der man sie denken kann oder die sie (aus einer anderen Gestalt wechse
- ›Figur, Gestalt, äußeres Erscheinungsbild, Aussehen des individuellen Menschen, auch Gottes, Christi‹; oft mit Bewertung nach der Dichotomie ,schön/häßlich‘, dann Tendenz zu ,Schönheit‘; teils metonym
- ›Art, Weise, Spezies, Ausprägung‹; am ehesten hier anschließbar eine Fülle formelhafter, zumindest ansatzweise phrasematischer Verwendungen in (oft) adverbialer oder (tendenziell und seltener) konjunk
- phras.: etw. hat die gestalt [...] a) ›etw. verhält sich so, hat die Bewandtnis, daß [...]‹; b) ›etw. sieht sich so an, als [+ Konj.]‹; letztere Variante deutlich seltener; jeweils anschließbar an 3.
- ›als Gestalt gedachte (und insofern mit 1 und 2 assoziierbare) Substanz, Wesen e. S./ P.‹; speziell (und häufig belegt) mit Bezug auf Leib und Blut Christi in der „Gestalt“ von Brot und Wein.
- ›Grund, Ursache; Ziel, Absicht, Zweck einer Handlung‹; zwischen der kausalen und finalen Variante ist nicht immer mit Sicherheit zu unterscheiden; im Beleg Wyss Tendenz zur Konjunktion von in gestalt.
- steht mit vorangestelltem Adjektivattribut für dessen Inhalt, z. B. freundliche / sündliche gestalt ›Freundlichkeit‹ / ›Sündhaftigkeit‹ (bzw. funktional äquivalente Konstruktionen).
- steht mit nachgestelltem Genitivattribut für dessen Inhalt, z. B. in gestalt der erbärkeit ›in ehrenhafter Weise‹, nach gestalt der herren gesandten ›nach Rang, Stand der Herren Gesandten‹; nach gesta
- als Konjunktion, auch in der Fügung in gestalt und in der Form gestalten, jeweils schwach belegt, in unterschiedlichem logischen Sinne gebraucht: a) ›da, weil‹ (kausal); b) ›falls, wenn‹ (konditional)