Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gesellicheit stF.
1.1 allg.
1.2 direkt bezogen auf das Beizusammensein mit anderen, ‘Gesellschaft’
1.3 rechtl. ‘Teilhaberschaft’
2 ‘gesellschaftsfähiges Benehmen, Höflichkeit’ (vor dem Hintergrund von 1 )
1 Verbundenheit, Gemeinschaft (als Bestandteil adelig-höfischen Lebens das Teilen einer Lebensweise, Handlung oder Haltung; aber auch freundschaftlich) 1.1 allg.: daz er gelobte sunder / den von der tavelrunder / sîn rîterlîch gesellekeit Parz 308,29; dô weinden durch gesellekeit / mit ir manc juncfrouwe clâr ebd. 431,20; mit ganczer gar ainhellikait / und guͦter gesellekait WernhMl 6062; da rittent do die ritter nach, / der was zwai hundert nach der zal. / die hatent sich oͮch úber al / gezwaiget mit gesellechait [paarweise verbunden] RvEWh 6025 1.2 direkt bezogen auf das Beizusammensein mit anderen, ‘Gesellschaft’ daz sim êre bæren / mit rede und mit gesellekeit Tr 3391; Gyburc diu künegîn / bat al diu juncvrouwelîn, / daz si in næmen in ir gesellekeit, / und daz si im semften gar sîn leit Wh 296,17; diu künegîn in dem venster lac, / diu der gesellekeite phlac ebd. 243,18; magez mit iweren hulden sîn, / ich priche iu nu gesellekeit [lasse euch allein] Parz 402,11; er bat den wirt gesellekeit, / "lât mit mir ezzen dise magt." ebd. 550,14. 784,25; hern Adam [...] / und ain weib aus ertreich / aͮn natürleich gesellchait Teichn 464,813. – die unervorhten / [...], dies marcrâven leit / sô truogen mit gesellekeit, / daz si nâmen gelîche phliht / der vlüstebæren geschiht Wh 235,10; der vürste et selbe vierde reit: / niht mêre was ir gesellekeit ebd. 246,4; der gesellikeit / und der grôzen triwe / danct im der soldan niwe Ottok 47654; friuntschaft und gesellikeit / erbôt in der soldan ebd. 47990. – ~ leisten, tuon ‘Gesellschaft leisten’ Artûs bat sîner swester suon / gesellekeit dem künege tuon Parz 221,8; der von Salzpurc selbe wart / zuo der reis bereit. / dem teten gesellikeit / von Gurke bischolf Johan [...] Ottok 17398; er leiste ir wol gesellekeit; / wan er nam sich ir senede leit / vil inneclîche mit ir an Tr 1433; ich gevolg iu wol ze vuoz, / gesellekeit ich leisten muoz Wh 131,30 1.3 rechtl. ‘Teilhaberschaft’ sal der R., sine erben [...] in der stat alle burgerliche rechte haben, beyde an koufen vnd verkoufen vnd an ander gesellikeit DRW 4,503 (CDWarm; a. 1348) 2 ‘gesellschaftsfähiges Benehmen, Höflichkeit’ (vor dem Hintergrund von 1): Heimrîch durh gesellekeit / bat Rennewarten sitzen dort / ûf den teppich an der tavelen ort Wh 274,2; mir wære gesellekeit unkunt, / soldet ir mîn garzûn sîn ebd. 131,26; ir enwedriu dâ niht vergaz, / ir gesellekeite / wârns ein ander vil bereite Parz 763,3; manger in der schuzzel wandelt / und smucket daz beste in sinen munt: / dem ist gesellikeit unkunt, / der sinen genozen uberizzet Jüngl 572
MWB 2 561,36; Bearbeiter: Diehl