Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
geschreie stN.
2 in rechtl. Zusammenhängen (vgl. differenziert DRW 4,457f.)
2.1 ‘Gerüfte, Hilferuf’ des Opfers oder von Zeugen einer Tat, vgl. geruofede
2.2 ‘Vorladung’
2.3 ‘Aufgebot, Aufruf zur Heerpflicht’
1 ‘Rufen, Geschrei’ (von Mensch und Tier): si wuofent unde weinent mit michelem gescreie AvaJG 7,4; KvHeimUrst 1601; die frowe hup do so ho / ir geschreige vber al, / daz erbibete der sal / vnde allez, daz dar inne was Herb 9775; schal, geschreige, ruf, doz ebd. 10148. 13713; Parz 789,13; ‘ach und och und ach owe!’ / dis bitterkait und daz geschre, / nim war SHort 890; groz geschre vnd ah owe Martina 45,6; ein grosser geschrei in den kirchen MerswBrf 313. – man och nit me hoͤret / in dem wald der fogel geschrey, / als sie dann hoͤren tuͦt der mey MinneR66 7; alsô macht der leo auch seineu welf lebentig mit geschrai BdN 204,3; der hunde geschrey MarcoPolo 38,25. – ‘Unruhe, Tumult, Aufruhr’ swenne ein geschrei wirdet in der stat, swer dar gewæfint kumet, der sol daz nût beziron UrkCorp (WMU) 248AB,14,29; dô Pilâtus sach daz her nichtes nicht inschaffete, abir daz daz geschrei wart grôzir, dô nam her wazzir und twuͤc sîne hende EvBeh Mt 27,24 2 in rechtl. Zusammenhängen (vgl. differenziert DRW 4,457f.) 2.1 ‘Gerüfte, Hilferuf’ des Opfers oder von Zeugen einer Tat, vgl. geruofede : ‘her richter, muz he denne schrien?’ ‘ia.’ so sal he schrien [...] ‘cetar [formal notwendiger Anklageruf, vgl. zêter ] uber einen Heinrich, der minen vrunt Cunrat gewunt unde gewatschart [die Kleider zerrissen] hat.’ schriet he also [insgesamt drei Mal] , so ist he rechte volkumen an dem geschreie StRFreiberg 157,22; Mühlh 96,3 u.ö.; jst aber, daz ein geschrai an in [den Brandstifter] wirt oder daz man sin anders inn wirt, wa er si, so svͤln all di nachzogen, die daz geschrai hoͤrn UrkCorp (WMU) 1800AB,8; als pald sy das geschrey horen, daz der raub geschehen ist, sindt sy pflichtig den raub weren oder vnterstoren vnd den rauber zw fenknus pringen StatTrient 146; UrkBresl 102 (a. 1324); Frl 3:30,3 2.2 ‘Vorladung’ cum gladio et clamore, quod geschrie dicitur [nach auswärts vorladen] RegErzbKöln 3(2),182 (a. 1289); gibet den klegeren urlaub, dat sy [...] yrs yrsten geschreyes begynnen WeistGr 2,212 (vor 1350 kopial) 2.3 ‘Aufgebot, Aufruf zur Heerpflicht’ vnde die volge sol er och niht tvͦn wan zv einem geschreye durch dez landes not UrkCorp (WMU) 2070,27. 1800AB,20; swenn ein geschrai wirt in dem land ze Chernden, ist daz er dem geschrai nachvolget mit seinem aufgeworfen vænlein UrkÖsterrErbl 161,39 (a. 1307); vnd sint auch schuldig zu vnserm hornblase vnd zu vnserm degelichen geschreye uss zuziehen mit vns vnd vnsern mannen WeistGr 2,3 (a. 1321)
MWB 2 547,19; Bearbeiter: Diehl