geräms,
n. ,
entstanden aus geremze (
vgl. sp. 1617),
collectiv zu ahd. rama,
mhd. ram,
stütze, gestell, nhd. rahmen
theil 8, 64,
s.gerähme.
nebenformen: oberd. gräms,
auch krems, krembs, gerembst, gerämst,
siegerl. gerähmster,
ostfries. gerâmte,
s. u. 11)
gitterwerk aus holz oder eisen: geremze
supra lobium magistrorum civium Laurent
Aach. stadtrechn. 187, 1 (14.
jh.); geremmecz,
cancellus Dief. 94
b, geremcz, gerämbsz Dief.-Wülcker 612, geremms Alberus, krembs Rädlein 565
a;
noch vorarlberg. schwäb. schweiz. gräms Schm.
2 2, 102. Schmid 424. Seiler 145
b;
mnl. gheraemte, gheremte,
compages, sepimentum Kilian.
insbesondere 1@aa)
im und am hause: geremsz,
clatri, geschrenckt geremsz,
cancelli (geschrenckt getter D 1
d) Dasypodius T 8
d '
partium domus nomenclatura'; die untere weitläufige hausflur, welche neben der thüre ein groszes hölzernes gitterwerk hatte, wodurch man unmittelbar mit der strasze und der freien luft in verbindung kam. einen solchen vogelbauer, mit dem viele häuser versehen waren, nannte man ein geräms. die frauen saszen darin um zu nähen und zu stricken; die köchin las ihren salat; die nachbarinnen besprachen sich von daher miteinander, und die straszen gewannen dadurch in der guten jahrszeit ein südliches ansehen. Göthe 24, 12
bei schilderung seines elternhauses; plur. diese gerämse
ebenda; dieses (
auf die strasze herausgebaute) geräms war meistentheils oben offen, weil es von jenen überhängen (
den weit vorspringenden oberen stockwerken und dem vorspringenden dache) genugsam bedeckt war. es hing durch eine besondere thüre mit der hausflur zusammen, welche nachts eben so sorgfältig als die hausthür selbst verschlossen wurde. dieses geräms war für die familie um so wichtiger, als man in jenen zeiten oft die küchen nach der strasze zu, die zimmer aber nach den höfen zu anlegte, wodurch die häuser sämmtlich eine burgartige gestalt erhielten und man nur durch das gedachte geräms eine gewisse communication mit der strasze und dem öffentlichen gewann.
an Reinhard 123. 1@bb)
im kloster: N. N. ligt zu München bei den parfotten (
Franciscanern) im krembs. Schm.
2 1, 1369; im crembs oder gäter.
ebenda. 1@cc)
in der kirche die schranke, welche altar und chor vom schiff, bisweilen auch den ober- vom unterchor trennt: ein yseren gerempze of tralye,
perrae ante chorum. Dief. 261
b aus gemma gemmarum; ein gerembsz insz kore. Diefenb.-Wülcker 612 (
Darmstadt, von 1516). 1@dd)
als einfassung der treppe u. s. w., geländer: geremcze,
margo Dief. 349
b;
lorica, ein lene oder geremsz und gelender an den stägen oder gengen und erckeren. Dasyp.
lat.-germ. P 5
b. Y 1
b, gerembsz der stegen, gengen, erckeren
germ.-lat. E 5
c; gerems,
peribolus Schönsleder T 8
a;
noch luxemburgisch geriemss,
das durchbrochene geländer, la balustrade Gangler 175. 1@ee)
als verschlusz des gefängnisses, thürgitter: etliche (
gefängnisse) haben funffzehen, zwantzig, dreiszig klafftern tieffe gruben .. oben im gewälbe mit engen löchern und starcken thüren oder gerämsten, dadurch lassen sie die gefangen, welche an jhren leibern sonst nicht weiter gebunden, mit stricken hinunter und ziehen sie auff, wann sie wollen, also wider herausz. Prätorius
berichte von zauberei (1629) 117, gerembsten
ausgabe von 1613. 1@ff)
fenstergitter: mit hültzenen oder eisenen gerembsen oder läden.
Frankf. ref. VIII, 7 § 3. 4; was mein ist, hältst du nicht hinter deinem eisenkrems, höhnte Cyprian. und du stirbst noch einmal (als gefangener) hinter einem andern eisenkrems, knirschte Gottfried voll zorn. Auerbach
dorfg. 4, 277;
in der gaunersprache gerähms,
fenstereisen Grolman 1, 24
b. 1@gg)
bodengitter in eigenartigen pferdeställen: zu einem jeden pferdt ein stall, von ein lauter gegitter, auch ist unten der boden ein geremss und ist erhoben von der erden, damit der koth durchfallen kan. Hulsius
schiffarth (1598) 2, 34. 1@hh)
im wasserbau: gerämse,
an abbrüchigen ufern eine dem rechenwerk ähnliche verwahrung von holz Ehrenberg
baulex. 260. 1@ii)
gitterwerk in teppichmustern: kunden (
gestalten) wie man hinder Job und S. Töngis (
Antonius) malet, in spilen und mummereien brauchet, auff die pfäl vor vogelschewen stellet, für (
anstatt) gerems und compartement (
abtheilung in felder) auff teppich sticket, damit man die kinder schweiet.
Garg. 18
b (19
Sch.). 1@kk)
gitterwerk in gestalt eines vogelkäfigs: dairzo macht man dem (
gefangenen) bischof ein iseren geremsse as ein vogelskorf buissen an der muiren vam slos, umb den zo beschimpen, ind der bischof moiste dairin gaen sitzen ind daerbinnen bliven, so dicke und so lange as der greve woulde.
chron. d. d. städte (
Koelhoffsche chron.) 13, 634, 8; nit in einer sänffte, sonder in eim eiszenen gerämsz sollt man ein bösz weib füren. Eppendorf
Plutarchi sprüch (1534) 171. 22)
rahmenwerk, gestell: fenestrale, vensterram, ein geremetz Dief. 229
c; gerähms,
rahm Kramer 1, 306
b,
aachenisch geräms Müller-Weitz 66,
schwäb. gräms Schmid
a. a. o.; ostfries. gerâmte,
gerahme ten Doornkaat - Koolman 1, 611
b,
nordfries. girâmti Johansen 130;
stangen- oder lattengestell um den stubenofen, s. ofengeräms;
siegerländ. das gerähmster,
hoch aufgebautes, wenig haltbares gestell von leisten, bretern u. s. w., und danach übertragen kopfputz, frisur Schütz 2, 13
b. 33)
knochengerüste, skelett Müller - Weitz
a. a. o. nebst der weiter abgeleiteten bedeutung '
gespenst'; gerämsch,
gerippe, sehr magere, knochige person. Hönig
Kölner mundart 73
a;
nd. dudegerämmsch,
totengerippe Firmenich 1, 452;
ostfries. gerâmte ten Doornkaat-Koolman
a. a. o.; mnl. gheraemte,
ossa arida, sceleton Kilian,
nnl. geraamte Kramer 1, 96
a.