gehöfte,
n. coll. zu hof,
hofstätte u. ähnl. 11) 1@aa)
es erscheint zuerst am Niederrhein im 14.
jh., gehufte: ouch suolen wir den (
gepachteten) hof bouwechtich halden an gehuofte unde an vrede (?). Höfer
urk. 79,
vom jahre 1309,
aus dem Kölnischen (uo
oft für u
wie û).
dem entspricht dann (
wie lucht
für luft
u. a.)
clevisch gehucht, woenstede,
mansio, mansiuncula etc. Teuth. 101
b,
in einer nrh. urk. von 1413 der hof met all sinen gehuchten (Sch.
u. L. 2, 35
a),
nl. im 15.
jahrh. ghehuchte
suburbium, proastinum hor. belg. 7
2, 30,
im 16.
jahrh. ghehucht
vicus paganus s. rusticus, un hameau, ghehuchtken
viculus Kilian,
noch jetzt nl. gehucht
n. dörfchen, weiler u. ä. (
vergl. unter c). 1@bb)
dann md. gehofte
im 15.
jh., im nordosten (Bech
Germ. 20, 36): in desim jâre vorbrante Osterode die stat, das nicht meer bleib wen di kirche unde des pfarrers gehoffte. J. v. Pusilge
scr. rer. pruss. 3, 239 (1400); her lies desin alle ir güttir unde gehofte vorbürnen in den grunt. 322 (1410),
also wie jetzt, die gebäude die einen hof bilden. 1@cc)
nl. aber auch gehucht
gefilde, gegend, '
een geheel ander woord dan het boven behandelde en hoogstwaarschijnlijk afgeleid von hoeve,
in den ruimeren (
weiteren)
zin van veld'
nl. wb. III, 896,
z. b. eensame ghehuchten
einer insel. so wird aber auch jenes cölnische gehufte
vielmehr zu hufe, hube
gehören, wie schon der vocal angibt, also gehûfte,
das ganze das ein huber, gehuber, gehover (
s.gehöfer 1,
c)
zu verwalten hat, hauptsächlich der grund und boden, der denn auch in jener bestimmung des pachtvertrags wahrscheinlich gemeint ist, denn sie steht mitten in andern bestimmungen über die behandlung der hoflant
mit aussaat und düngen (mirgelen),
und vom weinbau heiszt es nachher ebenso: dat wir die wîngarde boulichen solen halden van alrehande bouwe,
d. h. bou
bezogen auf die behandlung des bodens, nicht auf gebäude (
vgl.bauen 7
vom weinberg).
nur sind die gebäude natürlich nicht ausgeschlossen und konnten im anschlusz an hof (
was aber auch den gesammten hofbesitz und grund meint, vgl. gehöfer 2,
c a. e.)
im begriff sich leicht auch vordrängen, theils in bezug auf einen einzelnen hof,
wie wol in der urk. von 1413
u. a, theils in bezug auf eine ganze gemeinde, wie in Kilians
vicus, viculus oder in dem '
suburbium',
worin der gegensatz zur stadt wirksam wurde, der doch den begriff des baulandes als anhang noch mit sich bringt. kurz es ist wol auch, wie sich das bei gehöfer
in benachbartem gebiete herausstellte, von hube (hûve, hôve)
ausgegangen und dann erst zu hof
hinübergetreten, zugleich mit kürzung des vocals, wie in nl. gehuchte,
ursprünglich gehoechte,
mnl. auch gehochte
Serv. 2, 520. 522 (
nl. wb. III, 895).
das md. gehofte
im ordenslande ist dann aber entweder wirklich ein andres wort oder schon mit der umdeutung vom Niederrhein aus dorthin verpflanzt, denn nd. ist es überhaupt nicht. aber noch jetzt nrh. gehüchte
n. gehöfte, auch gehüchter
schlechtes gebäude, schon bei Lacombl.
arch. 3, 322 geheuchter oder wonstede (Sch.
u. L. 2, 35
a). 22) 2@aa)
nhd. gibt es vor Adelung
blosz Frisch 1, 460
a,
aber nur als alt, aus Staphorst
hamb. kirchengesch. I, 1, 549,
der da mlat. mansus
u. a. mit gehöfde
übersetzt, diesz aber nach der aufnahme ins wortregister zu urtheilen selbst als altd. meinte. bei Adelung (1775) gehöft
sg., gehöfte
pl., alle zu einem ackerhof gehörigen gebäude, z. b. ein dorf von dreiszig gehöften,
er bezeichnet es als besonders im Niedersächsischen üblich, gewiss in [] hinblick auf Staphorst
und Frisch,
denn er stellt auch wie diese mlat. hoffata
praedium rusticum dazu. es wird nach 1,
b im nordosten in gebrauch geblieben und von dort aus vorgedrungen sein, wie Hupel 74
aus Livland gibt gehöfte
hofraum. 2@bb)
bei schriftstellern: beide folgten reitend nunmehr eilig der eilenden heerde, bei einsam gelegenen weitläufigen gehöften vorüber. Göthe 22, 153 (
wand. 2, 9); das reiche gelände flieht vorüber (
bei der fahrt auf dem see), dorf um dorf, gehöft um gehöft bleiben zurück. 23, 173; so eilt' ich sicher unterm heilgen schirm des gastrechts von gehöfte zu gehöfte. Schiller
Tell 2, 2; das gehöfte ist unendlich grosz, man könnte ein vorwerk drin anlegen. Bettine
tageb. 168; er ritt ohne lebewohl zu sagen .. davon .. keinen blick wandte er nach dem gehöfte zurück. Immermann
Münchh. 1, 141,
vom hofe des hofschulzen; dasz es über das ganze gehöfte zu hören war. Holtei
Lammfell 50. 2@cc)
seltner in einer stadt, wie doch auch schon unter 1,
b des pfarrers gehoffte
im 15.
jh.: brachte mich zu einem canonicus, dessen groszes haus und weitläufiges gehöfte (
in Trier) mich und meine compendiöse equipage freundlich und bequemlich aufnahm. Göthe 30, 7 (
camp.). 33)
man schrieb auch gehöfde, wie schon Staphorst
u. 2,
a, nach gebäude
u. ähnl.: half er auch feld und gehöfd' anbaun durch kenntnis und vorschusz. Voss
idyllen 1801
s. 79 (
die freigelass. 61); lasz dein schönes gehöfd' und die schönen bestellungen wildern. 205 (
die büsz. jungfr. 104); wenn sie (
die eltern) ihr gehöfd an die kinder abtreten. 349,
in den pros. anm., zu den freigel. 221; wir finden auch anderen sitz noch hier in unserm gehöfde.
Od. 16, 45 (
urspr. hof, 1806 gehege).
auch gehöf, wie gebäu
u. ähnl.: gegen die thür des gehöfs stand jene. Voss
Od. 16, 159; es liegt in metallener kiste verschlossen, in des Mopsus gehö
f. Platen 4, 13 (
verh. gabel 1).
das ist doch nur eine willkürliche bildung, und auch bei gehöfte
ist das -t
das rechte, wie bei geschäft,
selbst wenn ein -d
das ursprüngliche war (
vgl. sp. 1610).
übrigens ist das ganze wesentlich ein bücherwort.