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geberden

nhd. bis sprichw. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geberden

Bd. 4, Sp. 1736
geberden, gebärden, zeitwort zum vorigen; es ist erst nhd. entwickelt, so viel bezeugt ist, das alte einfache gebaren vertretend und allmälich verdrängend. auch im 16. jh. noch bei Dasypod., Maaler nicht verzeichnet, im 17. noch bei Schönsleder nicht, und doch vom ersteren selbst schon gebraucht (1, a). übrigens noch nhd. auch berden (s. d.), wie berde für geberde, noch bei Stieler 78 wie eine braut bärden, instar sponsae superbire. 11) intr., wie eben auch bärden, gebaren. 1@aa) geberden machen: gesticulari manibus, mit den henden zierlen oder geberden. Dasyp. 86b; ago gestus, ich geberd, hab geberden. Alberus Bb 2b; grallator, der uf alle weis geberden kan. Cc 2a, vgl.geberdgaukler; mit den schulteren geberden, agere gestum humeris (Cic.). Henisch 1385, 61. 1@bb) gebaren, sich in geberden so und so verhalten: ein verstendiger geberdet weislich, ein narr wirft die augen hin und her. spr. Sal. 17, 24; wol ists fein, wo eine jungfraw oder weib from ist, das sie ehrlich und reinlich gekleidet und gezieret sei und euszerlich fein züchtig geberdet. Luther bei Dietz 2, 17b (vgl. unter geberde 5, c die kleidung eingerechnet); also redet und geberdet, wie er leute fur im hat. das., von Christus (vgl. u. geberde 5, a das reden eingerechnet); das sich einer stellet als ein gott und auch also geberdet. das.; ich wil also freundlich geberden, dasz ich noch wol der liebst soll werden. Alberus Es. 101; geperd eim wilden thier ganz gleich. H. Sachs II, 2, 91a; er geberdet einfältig, ist aber ein arger fuchs. Henisch 1385, 59; anders geberden, als ihm umbs herz ist, ist nicht bidermännisch. das. (das ihm zu einem in geberden gedachten einer oder man); (weisz) wie die und die gebehrd't, es ist kein weib noch mann, an welchem sie nicht was zu tadeln finden kann. Rachel 1, 123. wolgebehrden, eleganti gestu moveri, übelgebehrden in gestu nimium esse Stieler 79. 1@cc) auch erweitert, wie gebaren, vom verhalten, verfahren in bestimmten fällen, lagen, wie das subst. geberde 6 gleichfalls: aber so spricht er (gott): ich wils uber dein denken und vernunft machen, wil dazu (dabei) geberden als wolt ich liegen und eben (gerade) das widerspiel thun. Luther 4, 113a (1556 122a), vgl. ähnlich von gott unter geberde 4, b; er ist aus dem orden getreten und nun in weltliches priesters kleide geberdet. br. 2, 183; Paulus .. asz, trank und geberdet mit den Jüden nach dem gesetz .. und mit den heiden asz, trank und geberdet er on gesetz. post. 1528 60b, zugleich vom einhalten der cultusgebräuche, die er als geberde (s. d. 4, a) bezeichnet; die am aller fürstlichsten geberden wollen. bei Dietz 2, 17b, wie gebaren, auch von der fürstlichen pracht z. b. bei einem feste. 1@dd) geberden, so und so aussehen, erscheinen, wie geberde 5, d von der erscheinung, auch dem angenommenen scheine, daher 'scheinen und geberden': auch were es kein glaube, wo es schiene und geperdet wie der glaube acht und die wort lauten. und eben darumb ists glaube, das es nicht scheinet und geperdet wie der glaube und die wort lauten. Luther post. 1528 9a (Dietz). gewiss auch sonst in allen andern bed. des subst., dessen bedeutungskreis selbst noch nicht erschöpft ist oben. 22) sich geberden, die jetzt allein übrige gebrauchsform, wie es auch heiszt sich gebaren, sich gebären (s. sp. 1638), gewiss auch im 16. jh. schon: sich närrisch geberden, bardum se facere. Henisch 1385, wie noch jetzt; nun musz ich mich aufs new oder anders geberden, stellen, nunc mihi gestus est capiendus novus. das.; er weisz sich hübsch zugebehrden, elegantem gestum agit. Stieler 79; bei hof ist lustig leben .. ein jeder ticht und tracht sich also zu geberden, dasz seiner wird geacht — (echo) gelacht. Logau 1, 10, 21; die frau Orgon mag sich nun geberden wie sie will, so hat sie doch nichts an dem gewinnste zu fordern. Gellert 2, 292 (lustsp. 1748 s. 358), anspielung auf die art wie ein zorniger, wütender sich geberdet, 'mag sie noch so böse werden' u. ä.; ich habe bei nonnen gelegen und sie wie andre weiber gefunden, lasz mich nun sehen wie sich eine schwärmerin dabei geberdet. Klinger 3, 168; vielbedeutend geberdeten sich die priester und summten. Göthe 1, 276; ich seh in zierlicher gestalt ein artig männlein sich gebärden. 41, 106; Philinen .. die fortfuhr sich mit einer scheinheiligen, unschuldigen miene gar artig zu geberden und zu betragen. 18, 243; die übrigen gebärdeten sich jeder nach seiner art. 18, 257; sie sind ein mann und denken: wie gebärdet sie sich bei einem nothwendigen übel .. die thörin! 19, 86; Newton werde sich seltsam gebärden müssen, um das bedingte .. licht .. darzustellen. 59, 174; es ist auch hier höchst merkwürdig, wie er sich herumdrückt und wie seltsam er sich gebärdet. 59, 168, von wissenschaftlichem verfahren. jetzt wol nur noch so in tadelndem sinne, sich seltsam, toll, wie ein unsinniger geberden u. ä., im hause z. b. zu einem widerspenstigen kinde: geberde dich doch nicht so. auch von verstellung, z. b.: sich geberden als ob man krank wäre Ludwig 699, vgl.gebaren II, 2 so. von angenommenem, unberechtigtem thun überhaupt z. b. er gebärdet sich als genie, als der unentbehrliche u. ä. 33) in kühner neubildung trans., durch geberden darstellen: gesondert sind die freud' und der zeitvertreib, wie oft auch dieser jene gebehrdete. Klopstock od. 1798 2, 29 (verschiedene zwecke), der blosze zeitvertreib sich wie die wahre freude geberdete. aber mehr trans. als refl. klingt doch auch Henischs mich aufs new geberden unter 2, gestum novum capere. 44) zusammensetzung nachgeberden: er wird sich bald also nachgeberden, hos gestus mox imitabitur Frisch 1, 63a.
5666 Zeichen · 119 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gebêrden

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gebêrden , verb. reg. act. welches nur als ein Reciprocum üblich ist, sich geberden, Geberden machen, so wohl von den Ge…

  2. Sprichwörter
    Geberden

    Wander (Sprichwörter)

    Geberden 1. Der muss sich vbel geberden, der dem Teuffel will verfehren. Lat. : Formidabilis sit oportet, qui Diabolo fo…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geberden

12 Bildungen · 11 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von geberden

ge- + berden

geberden leitet sich vom Lemma berden ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von geberden 2 Komponenten

geber+den

geberden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

geberden‑ als Erstglied (11 von 11)

Geberdenausdruck

Campe

geberden·ausdruck

○ Der Geberdenausdruck , des — es , d. Mz . ungew. der Ausdruck der Empfindungen und Gedanken durch Geberden, und die Art und Weise dieses A…

Geberdenkunde

Campe

geberden·kunde

○ Die Geberdenkunde , o. Mz . die Kunde, Kenntniß der Geberden und dessen was sie ansdrucken sollen (Pantomimik ).

geberdenkunst

DWB

geberden·kunst

geberdenkunst , f. mimik, pantomimik. Engel mimik 1, 23 u. ö., vgl. Adelung. auch nl. gebarenkunst.

Geberdenlehre

Campe

geberden·lehre

○ Die Geberdenlehre , o. Mz . die Lehre, wie man Empfindungen und Gedanken durch ausdruckvolle und verständliche Geberden ausdrucken solle (…

geberdenlos

DWB

geberden·los

geberdenlos , ohne geberdenspiel: weil wir wirklich eine sehr geberdenlose nation sind. W. v. Humboldt an Göthe s. 106 .

geberdenspäher

DWB

geberden·spaeher

geberdenspäher , m. ausspäher der mienen und geberden ( wegen der mienen s. das folgende ): doch hab ich immer sagen hören, dasz geberdenspä…

geberdenspiel

DWB

geberden·spiel

geberdenspiel , n. die gebärdung als spiel, gesticulation: ich erinnere dieses um gewisser Medeen willen, die hie und da ihr gebehrdenspiel …

geberdensprache

DWB

geberden·sprache

geberdensprache , f. sprache mittelst geberden: die tonsprache verdrängte die natursprache des ganzen menschen, die physionomische, die gebä…

Geberdentanz

Campe

geberden·tanz

○ Der Geberdentanz , des — es, Mz. die — tänze , ein Tanz, in welchem irgend eine Leidenschaft oder sonst etwas durch Geberden vorgestellt w…

Ableitungen von geberden (1 von 1)

Mißgeberden

Campe

Mißgeberden , v. rec . (R.). Mittelw. d. verg. Z. mißgeberdet. Sich mißgeberden , sich übel, widerlich geberden, überhaupt, sich auf eine un…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „geberden". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/geberden/dwb?formid=G02654
MLA
Cotta, Marcel. „geberden". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/geberden/dwb?formid=G02654. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „geberden". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/geberden/dwb?formid=G02654.
BibTeX
@misc{lautwandel_geberden_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
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  urldate      = {2026-05-18},
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