fündelkind,
n. ein ausgesetztes und dann aufgefundenes kind, das in einem für solche kinder bestimmten öffentlichen hause (
dem fündelhaus,
der fündel)
oder von ihm fremden personen erzogen wird, infans expositus, parvulus expositus, infans inventus. man bauwte auch ein eigen haus den fündelkindern in der stadt. G. Nigrinus
beschlag R 2
b.
die ursprüngliche, richtige form, für welche sich schon belege unter findelkind
finden. älter aber als die dort angeführten stellen ist die folgende aus Tuchers
baumeisterbuch der stadt Nürnberg (1464—1475)
s. 256, 21: so soll der paumeister den spital lassen den mist hinfuren oder aber den in den statgraben werfen und den domit zu tüngen: das kompt den fündelkindern zu nutz.
doch bereits in vielgebrauchten wörterbüchern des 16.
jh., bei Dasypodius, Serranus (
diction. t 3
a u. syn. 69
c),
mit i
für ü findelkind;
nur die Schweizer Frisius (1576) 1071
b und Maaler 145
c halten an der ursprünglichen form mit ü
fest. bei Alberus
im diction. fehlt das wort, doch würde er nach fündeling (
s. fündling)
mit den beiden letzten übereinstimmen. im 17.
jh. bricht bei Schottelius
s. 1316 fündelkind
neben findel
und findling
noch durch, auch Reyher g 2
d setzt fündelkind,
aber Henisch 1097, 13
und Stieler 848
haben findelkind.
im 18.
jh. wahren Rädlein 311
a und Kramer in seinem
hoch-niederteutschen wb. 80
a u. 77
a die alte schreibung neben der neuen mit i,
aber Steinbach 1, 853
u. Frisch 1, 267
b bringen blosz die letzte; Adelung
endlich in seinem kleinen wb. (1790)
s. 106
und Heynatz
in seinem ortograph. wb. (6.
ausg.)
s. 264
lassen nur findelkind
gelten und verwerfen fündelkind.
wirklich ist auch jene schreibung so durchgedrungen, dasz diese mit ü
heute kaum mehr vorkommt. besser erhielt sich ü
in fündling (
s. d.).
Der erste theil des wortes ist fündel
n., welches, im hochd. nicht durchgedrungen, durch die zusammensetzung mit kind
verständlichere bezeichnung zu gewinnen schien. die mhd. benennung war vuntkind (
s. fundkind),
und im dän. hatte man neben dem dem norden eignen mit dän. hitte
altn. hitta,
finden, zusammengesetzten hittebarn
auch ein mit finde,
unserm finden,
zusammengesetztes findebarn,
dessen i
demnach unanfechtbar ist.