Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
forabacho
11. Jh.):
‚augenscheinlich, von Angesicht zu. Es handelt
Angesicht, coram, praesentialiter‘
sich wohl um eine adv. Zusammenbildung auf
-o, die eigtl. *forabacko
‚vor der Backe‘lauten
sollte. Die auch sonst vorkommende Ver-
wechslung von backo und bacho (vgl. kinni-
backo, -bacho und → backo) hat hier wohl un-
ter dem Einfluß der parallelen Bildung *hin-
tarbacho
‚hinter jmds. Rücken, hinterrücks,(s. d.) stattgefunden. Adv. Zusam-
postergum‘
menbildungen dieser Art mit einem Subst. als
zweitem Bestandteil sind im Germ. sehr selten,
aber daß sie nicht fehlten, zeigt got. and-augjo
‚offenbar‘zu and-augi n.
‚Antlitz‘. Sie waren
wohl ursprl. Adverbien zu adj. Zusammenbil-
dungen wie ahd. elilento
‚in der Fremde, imzu elilenti
S471forabacho – *foradili 472
Ausland‘
‚fremd‘(s. d. d. und vgl.
Wilmanns, Dt. Gr. II § 313 ff.). Eine verlorene
adj. Zusammenbildung *anaougi
‚gegenwärtig‘
setzt auch anaougî f. īn-St.
‚Gegenwart‘(s. d.)
voraus. Später konnten wohl solche Adverbien
ohne zugrundeliegende Adjektive gebildet
werden. Die Zusammenbildung forabacho und
*hintarbacho (wie auch *anaougi und got. and-
augjo) sind aus syntaktischen Verbindungen
entstanden (vgl. Wilmanns, a. a. O. § 313
Anm.; Krahe-Meid, Germ. Sprachwiss. II § 17:
„unechte Komposition“).