flieszend ,
fluens, manans, fluviatilis, nach den bedeutungen des verbums. 11) flieszendes wasser,
gegenüber dem stehenden; flieszende (
regnende) wolken. 22)
flüssig geworden, geschmolzen: das eis, das erz ist flieszend; seine gnad ist mein flieszender zucker gewesen, der mir alle bitterkeiten versüszet hat. Scriver
seelensch. 2, 851. 33) flieszendes haar, flieszende locken; wolhäbige greise mit flieszenden oder gekrausten bärten. Göthe 43, 408; ewigblühende rosen umkränzten sein flieszendes haupthaar. Klopstock 1, 31. 44) flieszendes gewand: ob sie gleich mit dem flieszenden schleier ihr auge bedeckte.
Messias 4, 771. 55) wenn die künstlerin (
tänzerin) uns reich und lebensvoll, üppig, beweglich, gracios, wellenhaft und flieszend erschien. Göthe 44, 196; ein glückliches verhältnis der glieder, flieszende umrisse, ein lieblicher teint. Schiller 1110
a. 66) da weckte ihn der langsam flieszende (
wehende) morgenwind. J. P.
Hesp. 4, 62; flieszender schimmer.
Fixl. 61; wir giengen in diesen flieszenden himmel hinein, in welchen uns sonst nur die alpen heben.
uns. loge 3, 64. 77) flieszender laut: wenn auf einen stummen laut ein flieszender folgt (
muta cum liquida); flieszende worte, flieszende rede, flieszender stil (
coulant); flieszende reime, verse; flieszende poetische auen. J. P.
mum. 3, 54; er spricht ein flieszendes englisch, schreibt eine flieszende hand; wan dan zu singen ich bereit dein flieszende wolredenheit. Weckherlin 374; der flieszende herr Gellert und der spitzige herr Rabener, wird es heiszen, haben hier und da ganz artige gedanken gehabt. Rabener
bei Gellert 8, 170. 88) aufenthalt eines amtmanns oder schössers, welcher die ehemals hieher flieszenden zinsen und gefälle noch fernerhin einnimmt. Göthe 39, 265. 99) der philosophische chicaneur kann die flieszenden grenzen ebensogut für den nachdruck benutzen, wie für sich der teufel. J. P.
herbstblum. 3, 134. 1010) stetige gröszen (
quanta continua) kann man auch flieszende nennen, weil die synthesis der productiven einbildungskraft in ihrer erzeugung ein fortgang in der zeit ist, deren continuität man besonders durch den ausdruck des flieszens (
verflieszens) zu bezeichnen pflegt. Kant 2, 181; der satz einiger schulen, dasz alles flieszend und nichts in der welt beharrlich und bleibend sei. 2, 671; unendlich ist nur die empirie, sowol die des stehenden, der natur in der physik, als die des flieszenden, der zeiterscheinungen des menschengeschlechts in der geschichte. Fichte
grundz. d. g. z. 231; das ungelehrte publicum ist ein flieszendes. 232.
der flieszende gegensatz steht dem ausschlieszenden gegenüber. Ritters
rechtsphil. 116.
vgl. hellflieszend, schnellflieszend, starkflieszend.