Exponentiālfunktion (
Exponentialgröße), zunächst jede Funktion (
s. d.) einer Veränderlichen x, welche die Form a
x besitzt, also eine Potenz mit der konstanten Basis a und dem veränderlichen Exponenten x. Aber diese Funktion ist nicht eindeutig, denn
z. B. a
1/2 = √a kann positiv oder negativ sein, und a
1/3 = ∛a hat sogar drei verschiedene Werte. Es gibt nun eine Basis, die Zahl e, für die sich die Potenz e
x als eindeutige Funktion von x definieren läßt. Diese Zahl e ist die Grenze (
s. d.), der sich der Ausdruck (1 + 1/n)
n immer mehr nähert, je größer n wird, sie wird durch die unendliche Reihe 1 +
1/1 +
1/1. 2 +
1/1. 2. 3 +... dargestellt, ihr Zahlenwert ist 2,7182818.... In derselben Weise ergibt sich, daß der Ausdruck (1 + x/n)
n, wenn n immer größer und größer wird, als Grenzwert die unendliche Reihe (
s. d.) 1 + x/1 + x
2/1. 2 + ... + x
m/1. 2. 3... m + ... besitzt, die für jede Zahl x von der Form: x =
α +
βi, wo
α und
β beliebige endliche positive oder negative Zahlen bedeuten und i = √-1 ist, unbedingt konvergiert und daher eine eindeutige Funktion von x ist für jeden endlichen komplexen Zahlenwert von x (
s. Komplexe Zahlen). Nennt man diese Funktion f(x), so ergibt sich, daß die Ableitung f'(x) von f(x) (
s. Differentialrechnung) wieder gleich f(x) wird. Ferner ist f(1) = e, und es läßt sich beweisen, daß für beliebige x und y die Gleichung gilt: f(x) f(y) = f(x + y), aus der für jede ganze, positive oder negative Zahl m folgt: f(m) = e
m, [f(1/m)]
m = e, f(xm) = [f(x)]
m, [f(x/m)]
m = f(x). Kurz, die Funktion f(x) stellt für jede reelle Zahl x einen der Werte dar, die sich auch aus der gewöhnlichen Erklärung der Potenz für e
x ergeben;
z. B. ist f(1/2) die positive Quadratwurzel aus e, f(1/4) die positive vierte Wurzel aus e
etc. Man versteht daher unter e
x immer die durch jene Reihe bestimmte Funktion von x und nennt E. im engern Sinn eben diese Reihe. Zugleich setzt man fest, daß unter (e
x)
z, also unter e
x erhoben auf die Potenz z immer der Ausdruck e
xz zu verstehen ist. Man hat dadurch den Vorteil, daß e
x für alle reellen und komplexen Werte des Exponenten x eindeutig definiert ist, und daß dasselbe auch von jeder Potenz von e
x gilt. Die Funktion e
x hat für x = 0 den Wert 1, für positives x ist sie offenbar immer positiv und wächst mit wachsendem x schließlich über alle Grenzen, für negatives x ist sie, wie die Gleichung e
x. e
-x = e
0 = 1 zeigt, ebenfalls immer positiv. Durchläuft daher x alle negativen und alle positiven Werte, so durchläuft e
x alle positiven Werte und nimmt jeden nur einmal an,
d. h. die Gleichung a = e
x hat, wenn a positiv ist, stets eine, aber auch nur eine reelle Lösung x, die für a ˂ 1 negativ ist, für a ˃ 1 aber positiv. Euler, von dem die Bezeichnung e und überhaupt diese ganze Betrachtungsweise herrührt, bemerkte, daß sich aus der Reihe für e
x wegen i
2 = -1, i
3 = -i, i
4 = 1 die wichtige Gleichung ergibt: e
ix = cosx + isinx, die man nach ihm
Eulersche Gleichung nennt, und aus der sofort folgt, daß für jedes x gilt: e
x+
2πi = e
x, daß also geradeso wie cosx und sinx die reelle Periode (
s. d.) 2
π haben, e
x die imaginäre Periode 2
πi besitzt. Ist y = e
x, so nennt man x den Logarithmus von y mit der Basis e oder den
natürlichen (hyperbolischen)
Logarithmus von y und setzt: x = lgy oder kurz x = ly. Die vorige Gleichung zeigt, daß jede Zahl unendlich viele solcher Logarithmen hat, denn ist x ein Logarithmus von y, so ist offenbar auch jede Zahl von der Form x + 2m
πi einer, wo m eine beliebige positive oder negative ganze Zahl bedeutet. Da e
x für ein reelles x immer positiv ist, so ergibt sich, daß die natürlichen Logarithmen einer negativen Zahl alle imaginär sind, während jede positive Zahl a einen und nur einen reellen Logarithmus
α hat, der für a = 1 den Wert Null, für a ˃ 1 einen positiven, für a ˂ 1 einen negativen Wert besitzt. Für positives a versteht man unter lga gewöhnlich diesen reellen Wert des Logarithmus. Sind
α, β in diesem Sinne die Logarithmen der positiven Zahlen a b, so ist a = e
α, b = e
β, ab = e
αe
β = e
α + β, also lg (ab) = lga + lgb, ferner wird für jede positive oder negative Zahl c: a
c = (e
α)
c = e
α, also lga
c = c lga. Hier ist benutzt, daß man für jede positive Basis a die Potenz a
x als eindeutige Funktion von x definieren kann, indem man a mit Hilfe des vorhin erklärten reellen natürlichen Logarithmus von a, der wieder
α sei, in der Form a = e
α darstellt und a
x = (e
α)
x = e
αx setzt. Auf diese Weise gelangt man auch zu den Logarithmen mit einer beliebigen positiven Basis a. Ist y = a
x und y positiv, so nennt man die reelle Lösung x der Gleichung y = a
x oder y = e
αx den Logarithmus von y mit der Basis a und schreibt das: x =
a log y. Da
αx der natürliche Logarithmus von y ist, also
αx = lg y, und
α = lg a, so kommt: lga.
alogy = lgy und für y = e, weil lge = 1 ist: lg a.
aloge = 1, demnach erfordert der Übergang von den natürlichen Logarithmen zu denen mit beliebiger positiver Basis a oder umgekehrt nur die Berechnung von lga oder von
alog e. Aus den frühern Gleichungen für die natürlichen Logarithmen eines Produktes ab und einer Potenz a
c ergeben sich zugleich für die Logarithmen mit der positiven Basis a die Rechnungsregeln:
alog (bc) =
alogb +
alogc;
alogb
k = k.
alogb, wo b, c beliebige positive Zahlen sind, k eine beliebige positive oder negative Zahl. Über das Rechnen mit Logarithmen
s. d. Genaueres über die E. findet man in jedem Lehrbuch der
Differentialrechnung (
s. d.).