eu ,
ein diphthong, dessen ursprung, beschaffenheit, aussprache und unterschied von ie, äu, ei
zu prüfen ist. 11)
nhd. eu
entspringt wesentlich aus mhd. ahd. goth. iu
und seine natur ist in der fünften ablautsreihe zu erkennen. seitdem aber brechung eintrat und i
zu ë, u
zu o
wurde, wandelte sich in gleicher lage iu
in io,
mhd. in ie,
neben welchem wir iu
nur im imperativ sg., so wie in der 2
und 3
person praes. ind. geschützt finden. dem verhalt des ahd. io : iu,
mhd. ie : iu
entspricht also nhd. ie : eu,
um hier beispiele nach dem imp. zu geben, in scheub steub schleuf treuf beug leug schmeug kreuch reuch fleuch zeuch beut seud fleusz geusz neusz scheusz schleusz verdreusz keus verleus.
allein schon lange klingen diese eu
alterthümlich, verschollen, höchstens dichterisch und lassen sich nun ebenfalls brechung in schieb stieb schlief
u. s. w. gefallen, da die sprache doch gib nimm wirf
u. s. w. behält. daraus erwächst uns offenbarer nachtheil. 22)
wo sich auszerdem ie
und eu
zur seite stehen, wie in dieb deube, tief teufe, siech seuche, schiech scheuche, liecht leuchten,
darf man auf verloren gegangne starke verba schlieszen; schwerer fällt der schlusz, wo das eu
allein steht und die herleitung dunkel wird, wie in neu, treu, spreu, reue, euch, feucht, feuer, geheuer, scheuer, steuer, beule, eule, neun, freund, beunde, reuse, deuten, reuten. 33)
die goth. flexion zeigt iu,
zwar schon zu ju
geworden, in den nom. pl. jus, sunjus, fôtjus, handjus,
wovon ahd. keine spur, hingegen gewährt der dat. sg. suniu, fuoziu
statt des goth. sunau, fôtau.
gröszeren umfang hat der ahd. mhd. ausgang des nom. sg. f. und nom. acc. pl. n. einzelner pronomina und aller adjective diu, blindiu, guotiu,
in merkwürdigem abstand von dem goth. blinda, gôda.
reste davon laufen noch nhd. ins 14. 15
jh., Megenberg
schreibt allerwärts sichareu 5, 7. edleu glider 9, 11. ein holeu ader 9, 18. siecheu augen 9, 30. kalteu ding 10, 11. grœʒereu herz 26, 29
u. s. w. habt dank, junkfrau seligeu, das mich got mit euch erfreu!
fastn. 615, 26;
ganz wie mhd. ër ist mein hërre und ich sein diu, doch bin ich vil unwirdigiu.
anegenge 30, 66; entriwen, ich lieʒe ûf ein rat binden mich, ich sündigiu, erbe mich, vrouwe, ich bin dîn diu. Haupt 8, 300;
die mhd. unterscheidung drî
tres, driu
tria wahren oberdeutsche volksmundarten bis auf heute, drei
und dreu.
in heuer
und heute
waltet das alte instrumentale hiu. 44)
da aus goth. iu
der ablaut au
flieszt, im pl. aber wieder kurzes u
vortritt, wie auch in der flexion sunus, sunaus, sunjus
die drei laute wechseln, so ergibt sich die nahe verwandtschaft des au
in vielen wörtern. ahd. mhd. wird dieses au
bald zu ou,
bald verdichtet zu ô.
nhd. überall zu ô
oder gar gekürztem o,
nur in taugt
haftete das au
und in einer menge von ableitungen wie staub, erlaucht
und den dunkeln laub, glaube, raub, taub, auch, kaufen, raufen, taufen, auge, pauke, baum, traum
u. s. w., welche im umlaut äu
annehmen: stäubchen, läublein, gläubig, käuflich, äugen, äuglein, bäume, träume,
dies äu
[] aber tritt der aussprache von eu
ganz nahe, das auch in einzelnen, wie heu, freuen, streuen, leugnen,
mhd. höuwe, fröuwen, ströuwen
haftet. wenn Megenberg
neben leute
auch läute
schreibt, so gleicht dieses dem goth. laudeis,
jenes dem ahd. liutî. 55)
endlich gab es ein ahd. mhd. û,
dem wiederum der umlaut iu
zu theil wurde, das aber nhd. in au
mit dem umlaut äu
übertrat: bau sau, faul gaul maul, kaum raum schaum daume, braun zaun laune, bauer dauer mauer sauer trauer, haube traube, auf hauf saufe, sauge, bauch schlauch strauche tauche, rauh, braut haut kraut traut laut, aus braus daus haus knauser laus maus saus, kauz.
umgelautet gebäu säue fäule — mäuse käuze.
man zieht äu
dem eu (
wie ä
dem e)
vor, um den umlaut sichtbarer zu machen. nur ausnahmsweise dauert eu
daneben: seule, säule, eugen, äugen. 66)
tadelhaft, zum theil aber schon alt sind verwechselungen des eu
mit ei: heurat
und heirat, eugen
und ereignen, zeugen
und zeigen, reuter
und reiter, steusz
und steisz;
Garg. 68
b steht leuchteret
für leichteret, 190
b feurt
für feirt.
aus dem bekannten namen Steinhöuwel, Steinhöwel
wurde Steinheil. 77)
goth. iu
hatte die aussprache íu,
mit dem ton auf i,
nicht iú,
und zu goth. biudan
bildet schw. bjuda,
dän. byde
den gegensatz; wie hätte aus þius
der gen. þivis,
aus qius qivis,
aus ganiujan ganivida
hervorgehen können, wenn i
nicht betont gewesen wäre? nur in der tonlosen flexion wandelte sich sunius
in sunjus
und doch bekommt der gen. wieder sunivê.
gleich unzweifelhaft ist ahd. mhd. íu,
aus welchen keine brechung ío, íe
hätte entspringen können, wenn die aussprache iú
war; nicht anders zeugt das nhd. éu,
das mit äu
reimt, für den vollen diphthong. es ist darum falsch dem mhd. iu
die aussprache iü
oder gar ü
beizumessen, woraus gar kein übergang in nhd. eu
möglich geworden wäre und selbst in der flexion sahen wir sündigiu : diu, seligeu : erfreu
reimen. wenigstens scheint für die gothische und bairische mundart solch reines iu, eu
gerecht und gedämpftes, gedrücktes ü
verwerflich, wie die reuchlinische aussprache für den altgriechischen vocalismus. ob der alamannische dialect schon frühe, wie der heutige schweizerische, davon abgewichen sei, kann hier nicht untersucht werden. übrigens reimen nhd. alle arten des eu
und äu
aufeinander, heu : neu, läublein : träublein,
da doch mhd. höuwe : niuwe, löubelîn : triubelîn
unstatthaft wären.